Forschungsgruppe 1: Evolutionäre Ökologie |
Physiologische Strategien bei Nahrungserwerb und NahrungsverarbeitungDie Verfügbarkeit, Assimilation und Bereitstellung von Nahrung und/oder Energie ist von vitaler Bedeutung für viele Aspekte in der Biologie und Lebensgeschichte von Tieren wie z.B. Besiedelung extremer Lebensräume und Nischenabgrenzung, Populationsdynamik und Sozialsystem, Aktivität und Raumnutzung, Wachstum und Reproduktion. Das IZW untersucht an ausgewählten Säugetierspezies physiologische Strategien und Verhaltensanpassungen zum Nahrungserwerb und Energieallokation.
Dabei dient insbesondere das Europäische Reh (Capreolus capreolus) als Modell-Spezies und ist Gegenstand umfassender Untersuchungen zur Nahrungsökologie, Energieallokation und Physiologie (Verdauungs- und Stoffwechselphysiologie) im Freiland und unter den kontrollierten Bedingungen in der Feldforschungsstation des IZW.
Projekte:Energieallokation beim Europäischen RehPopulationsdynamik und Ressourcenallokation freilebender Rehe im Nationalpark BialowiezaVerdauungsphysiologie wiederkäuender und nicht-wiederkäuender VormagenfermentiererNahrungsökologie von Menschenaffen
Ernährungsphysiologisches Labor
Energieallokation beim Europäischen RehSylvia Albrecht, Frank Göritz und Sylvia Ortmann
An diesem interdisziplinären Projekt sind neben der oben genannten Doktorandin und den Projektleitern Biologen und Tierärzte aller fünf Forschungsgruppen beteiligt. Das Reh (Capreolus capreolus) ist eine außerordentlich erfolgreiche Spezies, die nahezu überall in Europa bis hin zum Ural und die Türkei anzutreffen ist und sowohl Laub- als auch Nadelwälder, Busch- und Kulturland sowie Moore besiedelt. Es fehlt lediglich in hochalpinen Lagen jenseits der Baumgrenze und in offenen Steppen. Rehe gehören mit einem Körpergewicht von 20-30 kg zu den eher kleinen Wiederkäuern und weisen aufgrund ihres Oberflächen/Volumen-Verhältnisses einen relativ hohen Erhaltungs-Energiebedarf auf. Sie sind Nahrungsspezialisten und werden dem Ernährungstyp der Konzentratselektierer zugeordnet. Die Reproduktion der monoöstrischen Rehe erfolgt streng saisonal. Nach einer Brunftzeit Ende Juli/Mitte August werden Ende Mai/Anfang Juni im Mittel zwei bis drei Kitze gesetzt. Rehe haben als einzige Vertreter der Ordnung Artiodactyla eine obligate, saisonale Diapause, d.h. einen temporären Stillstand der Embryogenese von August bis Ende Dezember, entwickelt. Diese Diapause erlaubt es Rehen, ihre Investition in die Reproduktion und die Anzahl und Qualität der Kitze zu verschiedenen Zeitpunkten im Jahr und in Abhängigkeit von der verfügbaren Nahrungsenergie zu beeinflussen. Damit sind sie ein ausgezeichnetes Modell, um die Allokation d.h. die Verteilung der dem Organismus zur Verfügung stehenden Energie auf die verschiedenen Parameter des Energiehaushalts (Erhaltung, Reproduktion, Immunsystem) und die damit verbundenen potentiellen "Trade-offs" zu untersuchen. Durch Fütterungsexperimente wollen wir untersuchen:
Wir untersuchen Rehe, die in der Feldforschungsstation in Niederfinow unter naturnahen Bedingungen gehaltenen werden und erfassen das Verhalten, die Hormone, Wärmeabgabe, Verdauungseffizienz und Reproduktionsparameter (Abbildung 2). Kooperationspartner: Dr. C. Metges, Forschungsinstitut für Landwirtschaftliche Nutztiere, Dummerstorf; Prof. Dr. H. Sauerwein, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität, Bonn
Populationsdynamik und Ressourcenallokation freilebender Rehe im Nationalpark BialowiezaAnne Berger und Sylvia Ortmann In einer Kooperation mit dem Mammal Research Institute (MRI) der polnischen Akademie der Wissenschaften (Wlodzimierz Jedrzejewski) soll untersucht werden, welchen Einfluss die Habitatqualität und der Prädatorendruck auf die Kondition, Raumnutzung und den Reproduktions-Output freilebender Europäischer Rehe (Capreolus capreolus) im Nationalpark Bialowieza (Polen) hat?
pflanzliche Biomasse und Pflanzenqualität, Nahrungszusammensetzung, Körperkonstitution der Rehe, Populationsdichte und -dynamik, Raumnutzung, Prädatorendruck.
Verdauungsphysiologie wiederkäuender und nicht-wiederkäuender VormagenfermentiererAngela Schwarm und Sylvia Ortmann Reine Pflanzenfresser werden nach der anatomischen Lage der Fermentationskammer in Dickdarm- und Vormagenfermentierer eingeteilt, wobei man unter den Vormagenfermentierern noch zwischen Wiederkäuern und Nichtwiederkäuern unterscheiden kann. Die pflanzliche und vor allem die Faser-reiche Nahrung stellt Pflanzenfresser vor das Problem, wie sie mit großen Futterpartikel umgehen sollen, die aufgrund ihres ungünstigen Oberflächen-Volumen-Verhältnisses und der geringen Energie-Ausbeute eher störenden Ballast darstellen können. Zur Lösung dieses Problems wurden verschiedene morphologische und physiologische Anpassungen evolviert; so können Wiederkäuer z.B. große Futterpartikel erneut kauen und somit zu kleineren, leichter verdaulichen Partikeln verarbeiten. Dickdarmfermentierer, wie z.B. Nagetiere, scheiden große Futterpartikel selektiv und schneller aus als kleine Partikel. In diesem Projekt wird untersucht, ob nichtwiederkäuende Vormagenfermentierer große Partikel auch schneller oder gleich schnell wie kleine Partikeln ausscheiden und damit trotz ihrer anatomischen Gemeinsamkeiten mit den wiederkäuenden Vormagenfermentierern physiologisch eher den Dickdarmfermentierern gleichen.
Finanzierung: DFG (OR 86/1-1), NaFöG-Stipendium der Freien Universität Berlin Kooperationspartner: Abteilung für Zoo-, Heim- und Wildtiere, Vetsuisse-Fakultät, Universität Zürich, Schweiz; Hahn-Meitner Institut (HMI), Berlin; Zoologischer Garten, Berlin; Zoologischer Garten, Halle; Zoologischer Garten, Krefeld; Wilhelma, Stuttgart; Whipsnade Wild Animal Park, UK
Nahrungsökologie von MenschenaffenSylvia Ortmann In einen vergleichenden und interdisziplinären Ansatz soll die
Bedeutung der Nahrungsökologie und der Habitatqualität für das regionale
Vorkommen einzelner Menschenaffenarten (Bonobo, Schimpanse, Gorilla),
die Koexistenz verschiedener Arten und die Ausprägung und Variabilität
ihrer Sozialsysteme untersucht werden.
Ernährungsphysiologisches LaborHeidrun Barleben und Sylvia Ortmann Das Ernährungsphysiologische Labor verfügt über gängige Standard-Methoden zur Nährstoff-Analyse von Pflanzen- und Kotproben, zur Bestimmung der Nahrungszusammensetzung, Mineralstoffanalyse. Nährstoffanalyse: Nahrungszusammensetzung: Mineralstoffanalyse: Außerdem:
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