Forschungsgruppe 1: Evolutionäre Ökologie
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Das Hasen-Projekt in Brodowin

Ulrike Peschel, Christian C. Voigt 

 

In einer Kooperation mit dem Naturschutzhof Brodowin beteiligt sich das IZW an einem Projekt zur

Untersuchung von Aktionsraumgröße und Raumnutzung des Feldhasen im Ökologischen Landbau.

Im Rahmen eines Erprobungs- und Entwicklungsvorhabens des Bundesamtes für Naturschutz sollen durch naturschutzfachliche Optimierung von Ackerbau-verfahren, Betriebsabläufen und Landschaftsstrukturen langfristig geeignete Lebensbedingungen für die ackerbewohnende Flora und Fauna geschaffen werden. Alle Untersuchungen werden auf der Betriebsfläche des Demeter-Landwirtschaftsbetriebes Ökodorf Brodowin GmbH durchgeführt, der als Kooperationspartner des Naturschutzhofes seine Ackerflächen zur Verfügung stellt.
Der Feldhase wird als Zielart verwendet, da er ein charakteristischer Bewohner der offenen Agrarlandschaft ist, empfindlich auf Änderungen der landwirtschaftlichen Nutzung reagiert und als gefährdet gilt.
Die zweimal jährlich durchgeführten Scheinwerferzählungen zur Bestandskontrolle ergaben eine für Brandenburg überdurchschnittliche Hasendichte von 13-17 Hasen pro 100 ha im Oktober 2001. Seitdem sind die Bestandszahlen auf der Betriebsfläche kontinuierlich angestiegen und lagen zuletzt (im Herbst 2003) bei rund 30 Hasen pro 100 ha.
Im Oktober 2003 wurden in einer einwöchigen Fangaktion 8 Hasen mittels spezieller Netze gefangen und mit Telemetriesendern versehen. Gleichzeitig wurden Gewebeproben für populationsgenetische Untersuchungen entnommen. Die Tiere werden seitdem durch regelmäßige Tag- und Nachtortungen telemetrisch überwacht. Die Beobachtung und Überwachung der Hasen werden während der Reproduktionszeit und bei landwirtschaftlicher Bearbeitung der von den Tieren genutzten Flächen intensiviert.

Hasenfangaktion im Oktober 2003:

Mit Unterstützung im Hasenfang erfahrener Mitarbeiter des Forschungsinstitutes für Tierproduktion in Nitra, Slowakei, und zahlreichen anderen Helfern wurden an ausgewählten Flächen bis zu 2 km Netze aufgestellt.  Wir verwendeten Spezialnetze, wie z.B. Spiegelnetze, in deren mehrschichtigen Lagen sich die hineinlaufenden Hasen verfangen. Mit ca. 20 Treibern und lauten Rufen wurden die Flächen durchkämmt.
Am Netz warteten Helfer, die, wenn ein Hase ins Netz ging, sofort zur Stelle waren, um ihn sicher herauszuholen und in eine speziellen Kiste zu setzen, in der er bis zum Ende des Treibens blieb.
Die Hasen wurden dann einzeln gewogen und markiert, der Hals vermessen und ein kleiner Halsbandsender angepasst. Das alles geschah in wenigen Minuten. Danach wurde jeder Hase an seinem Fangort freigelassen und für die nächsten Stunden telemetrisch überwacht.

 

Telemetrische Beobachtung und Überwachung:

Seit Oktober werden alle besenderten Hasen regelmäßig geortet. Man benutzt dazu einen speziellen Telemetrie-Empfänger mit Peilantenne. Der Standort des Hasen wird durch mindestens zwei Peilungen feststellt.
Ortungen werden sowohl tagsüber, wenn die Hasen meistens in ihrer Sasse ruhen, als auch während der Aktivphase, d.h. nachts durchgeführt.  Die Tiere werden dann in der Regel auf den Feldern oder Weiden des Demeter-Betriebes einzeln oder in Gruppen von meist zwei oder drei Tieren fressend angetroffen.