Forschungsgruppe 1: Evolutionäre Ökologie
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Das Fischotter-Projekt

Beate Kalz

Untersuchungen an freilebenden Fischottern (Lutra lutra L.)
im Naturpark Nossentiner / Schwinzer Heide (Mecklenburg-Vorpommern)

Fischotter im Otterzentrum Hankensbüttel

Fischotter gehören in Europa zu den seltensten und bedrohtesten Säugetieren. Gleichzeitig ist der Kenntnisstand über den Europäischen Fischotter, verglichen mit anderen größeren Tierarten, sehr gering. Ursache ist neben der Seltenheit der Tiere die schlechte Eignung gängiger wildbiologischer Methoden zur Anwendung beim Fischotter. Otter sind schwer zu beobachten, kaum optisch zu unterscheiden und sehr schwierig zu fangen oder zu telemetrieren. Nach wie vor mangelt es an Erkenntnissen über Populationsgrössen und -entwicklung, Reproduktions- und Mortalitätsraten sowie Raumansprüche der Art, die aber für wirksame Schutzmaßnahmen und deren Kontrolle unbedingt erforderlich sind.

Um die Kenntnisse über Populationsstruktur und -dynamik von hiesigen Fischottern zu erweitern, ohne jedoch Tiere stören, fangen oder in ihrer Lebensweise beeinträchtigen zu müssen, verwenden wir Kotproben von Markierungsstellen freilebender Fischotter. Mittels DNA-Analyse können die Tiere individuell unterschieden werden, ihr Raumnutzungsverhalten wird untersucht sowie Zahl und Geschlechterverhältnis der Tiere bestimmt. Damit ist es möglich, Fischotterpopulationen viel genauer als bisher zu erfassen. Parallel dazu werden aufgefundene tote Tiere getestet, um die Einflüsse des Strassen- und Reusentodesauf die Population zu ermitteln.

Der Naturpark Nossentiner/Schwinzer Heide erstreckt sich zwischen Goldberg, Dobbertin, Krakow am See und Waren auf einer Fläche von 36.500 ha. Im Naturpark liegen 60 Seen mit einer Gesamtfläche von 4.600 ha, von denen 2.370 ha unter Naturschutz stehen. Zwei Flüsse, die Nebel und die Mildenitz, durchfließen eine Reihe von Seen des Naturparks und schaffen so ein Verbundsystem von Lebensräumen, das nicht nur vom Fischotter gern genutzt wird. Hier wurden ca. 200 Probenstellen festgelegt, die regelmäßig auf Kotproben abgesucht werden.

Karte des Untersuchungsgebietes mit Probenpunkten

Mittels DNA-Analysen wird die Allelverteilung der einzelnen Tiere für bestimmte Loci bestimmt. Damit können aufgefundene Proben jeweils dem entsprechenden Individuum zugeordnet werden.

Probe

Primer 1

Primer 2

Primer 3

Primer 4

Primer 5

Tier

Fundort

94

120/

120

128/

128

200/

204

175/

187

173/

177

1

09.02

43

120/

126

126/

130

204/

204

175/

195

173/

173

2

13.17

85

120/

126

126/

130

204/

204

175/

195

173/

173

2

13.17

19

120/

126

128/

128

204/

204

175/

195

173/

173

3

01.02

171

120/

126

130/

130

196/

204

174/

198

165/

185

4

04.04

21

120/

128

130/

130

196/

204

175/

198

165/

185

5

03.01

81

120/

132

128/

130

204/

208

175/

195

173/

173

6

13.17

121

120/

132

130/

130

196/

204

175/

175

173/

173

7

13.17

117

124/

128

130/

130

196/

204

199/

203

173/

177

8

09.15

90

126/

132

128/

130

204/

208

175/

195

173/

173

9

13.15

82

126/

132

130/

130

204/

208

175/

195

173/

173

10

13.15

184

128/

128

124/

126

196/

204

175/

175

165/

177

11

06.01

3

128/

128

124/

134

196/

200

195/

203

173/

185

12

16.03

127

128/

128

124/

134

204/

204

175/

203

173/

173

13

17.02

185

128/

128

128/

128

196/

196

175/

175

165/

177

14

05.02

181

128/

128

128/

128

204/

204

195/

195

173/

177

15

05.02

198

128/

128

128/

128

204/

204

195/

195

173/

177

15

05.02

199

128/

128

128/

128

204/

204

195/

195

173/

177

15

05.02

Allelverteilung aus 18 Proben von 15 Fischotter-Individuen

An individuell zuzuordnenden Kotproben ansässiger Fischotter sollen außerdem Hormonuntersuchungen zur Ermittlung von Trächtigkeiten und Stressfaktoren durchgeführt werden. Zeit- und gebietsgleich werden Ottertotfunde auf das Vorkommen bestimmter Krankheitserreger und ausgewählter Parasitenarten untersucht, die Indikatoren für den Zustand eines Ökosystems sind. Die Daten regelmäßig nachgewiesener, verschwundener und tot aufgefundener Tiere werden miteinander verglichen. Dadurch wird es möglich, Erkenntnisse zur individuellen Habitatnutzung, Fitnessparameter und Mortalitätsraten und -ursachen zu gewinnen, die für ein besseres Verständnis der Lebensraumansprüche dieser bedrohten Art und für effektive Schutzmaßnahmen dringend erforderlich sind.

Während der ersten vier Monate der laufenden Untersuchung wurden 48 Kotproben analysiert, aus denen die DNA-Profile von 32 Tieren identifiziert wurden. Vier Tiere wurden dreimal wiedergefunden, fünf andere Tiere zweimal. Diese Ergebnisse sollen verwendet werden, um die zeitliche und räumliche Habitatnutzung zu untersuchen. Mit Hilfe der Mikrosatelliten wurde ermittelt, dass an einer Probenstelle bis zu neun Individuen markieren. Die DNA-Muster der tot aufgefundenen Tiere stimmten bisher nicht mit dem bekannter Tiere aus dem Untersuchungsgebiet überein.