Forschungsgruppe 1: Evolutionäre Ökologie
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Wilderei

- Illegale Wildtierjagd im Serengeti Ökosystem und ihr Einfluß auf die Tüpfelhyänenpopulation

- Optimalitätsmodell: Kosten und Nutzen der Jagd in der Serengeti

 

Illegale Wildtierjagd im Serengeti Ökosystem und ihr Einfluß auf die Tüpfelhyänenpopulation

Vor der Errichtung des Serengeti Nationalparks und den angrenzenden Schutzgebieten im Nordwesten Tansanias war die Wildjagd im Serengeti Ökosystem ein normaler Bestandteil im Leben vieler lokaler Gemeinden. Mit der Errichtung des Nationalparks wurde die Jagd auf Wildtiere innerhalb des Parks gänzlich verboten und war in den Schutzgebieten nur eingeschränkt mit Lizenz möglich.

Die Wilderei versorgt die Menschen der an den Nationalpark angrenzenden Gemeinden mit Nahrung und dient durch den Verkauf von Fleisch und Häuten als Einnahmequelle. Der wirtschaftliche Erfolg hat viele Menschen in die Dörfer an den Grenzen des Nationalparks hingezogen und führte zu einer jahrelangen enormen Bevölkerungszunahme, die mit über 4% wesentlich höher ist als nach dem Durchschnitt der Region zu erwarten wäre.


Serengeti Ökosystem

Die unregulierte Ausbeutung der Wildtiere und die Zerstörung des Lebensraumes bedrohen viele Arten und dieser Zerstörungsprozess schreitet mit zunehmender Bevölkerungsdichte weiter voran. Das Ausmaß der Wilderei hat zu einer dramatischen Abnahme der Huftierpopulationen in einigen Gebieten des Parks und der angrenzenden Schutzgebieten geführt, so dass man die Wilderei als den maßgebenden Mortalitätsfaktor für standorttreue und wandernde Huftierpopulationen betrachten muss.

Die Wilderer im Serengeti Nationalpark legen hauptsächlich Drahtschlingen, die an der hölzernen Vegetation befestigt werden. Dabei handelt es sich um eine unselektive Methode, die auch Tiere tötet und verstümmelt, die nicht das Zielobjekt der Wilderer sind.

   
Klippschliefer und Löwe mit Wildererschlinge

Mit Einsetzen der Trockenzeit ziehen die Herden der Gnus, Zebras und Thomson Gazellen von den Kurzgrasebenen im Südosten der Serengeti in den Norden und Westen des Ökosystems, und nähern sich dabei den grenznahen Dörfern, deren Einwohner dann innerhalb des Parkes wildern. Wegen ihrer Pendelbewegungen zwischen Territorium und Jagdgebieten sind alle Tüpfelhyänen potentielle Opfer der ausgelegten Schlingen während der Trockenzeit. Anhand der Langzeitdaten individuell bekannter Hyänen konnte der Einfluß der Wilderei auf die Population der Serengeti Tüpfelhyänen ermittelt werden. Das alarmierende Ergebnis der Analyse ergab, dass 8% der Population jährlich durch Wildererschlingen ums Leben kommt. Damit ist der Schlingentod der größte Mortalitätsfaktor für Serengeti Tüpfelhyänen. Abhängige Junge sind ebenfalls betroffen, denn sie verhungern am Bau, wenn die Mutter nicht mehr von ihrem Jagdausflug zurückkehrt, nachdem sie einer Schlinge zum Opfer gefallen ist.


Tüpfelhyäne mit Wildererschlinge

 

 

Optimalitätsmodell: Kosten und Nutzen der Jagd in der Serengeti

Aus der ursprünglich hyänenzentrierten Betrachtung der Wilderei entwickelten Prof. Hofer und Kollegen vom Natural Resources Institute in Großbritannien ein Forschungsprogramm, das versucht, die Ursachen der Wilderei zu ermitteln, und dabei den Einfluß der Wilderei auf die gesamte Huftierlebensgemeinschaft der Serengeti zu erfassen.

Dabei geht es insbesondere um Modelle, die die räumliche Verteilung der Aktivität von Wilderern korrekt hervorsagen. Solche Modelle könnten die Parkverwaltung bei der Optimierung von Einsatzplänen für die Rangerpatrouillen unterstützen. Zweitens werden Optimalitätsmodelle aus der Verhaltensökologie mit beachtlichem Erfolg eingesetzt, die ursprünglich zur Lösung anderer Probleme entwickelt wurden. Daraus ergibt sich die Erkenntnis, dass Grundlagenforschung und Interdisziplinarität für ein vertieftes Verständnis angewandter Probleme wichtig sind und die Verknüpfung beider hochinteressant ist. Optimalitätsmodelle können für die Beantwortung der folgenden Fragen eingesetzt werden: Wie profitabel ist die Jagd? Wie sind Kosten und Nutzen für die Jäger verteilt? Wo werden die Wilderer am wahrscheinlichsten jagen? Wo wird der Einfluß der Wilderer auf die Huftierpopulationen am deutlichsten ausfallen?

Die Suche nach dem besten Jagdgebiet für Wilderer ähnelt dem Problem von Tieren, wie sie am profitabelsten (d.h. unter geringstem Einsatz und mit dem höchsten Ertrag) ihre Nahrung finden. Wir haben ein solches Modell entwickelt, das beschreibt, wie sich die ökonomischen Kosten und der wirtschaftliche Nutzen der illegalen Jagd in der Serengeti während der späten 1980er und frühen 1990er Jahre räumlich verteilen, wobei Kosten und Nutzen in monetären Einheiten ausgedrückt werden.

Kosten beinhalteten Kapitalinvestitionen in die Jagdwaffen, WR, und der Einkommensausfall für die Zeitdauer der Jagd, WO, beides Konstanten, sowie zwei räumlich variable Komponenten: der logistische Reiseaufwand zu den Jagdgebieten, WL, und die Strafen, die bei einer Verhaftung zu erwarten sind, WP. Der Nutzen entsprach den zu erwartenden Einkünften aus dem Verkauf des Fleisches der standorttreuen Wildtierarten.


Räumliche Verteilung der Profitabilität der Jagd im Modell
in USD in den Schutzgebieten der Serengeti

Das Modell zeigt: (1) WR ist der wichtigste Kostenfaktor. (2) WL ist der zweitwichtigste Kostenfaktor und legt vermutlich die räumliche Verteilung der Jagdaktivitäten fest, falls die Jäger versuchen, ihren Aufwand zu minimieren. (3) WO und WP sind von untergeordneter Bedeutung; der erstere, weil alternative Einkommensquellen nur sehr geringe Einkünfte bieten, der zweite, weil die Gesamtwahrscheinlichkeit einer Verhaftung gering ist. (4) WP übertrifft WL nur in Gebieten nahe der Grenzen geschützter Flächen. (5) Obwohl die standorttreuen Wildtiere im Vergleich zu den Wanderherden nur einen kleinen Anteil am gesamten erlegten Wild ausmachen, übersteigt der Ertrag aus der Jagd von standorttreuen Wildtieren in 68% der Gebiete den dazugehörenden Aufwand. Dies macht deutlich, dass die Jagd auf standorttreue und wandernde Wildtiere finanziell extrem ergiebig ist und könnte erklären, warum die Nutzung dieser Zielpopulationen als Proteinquelle zunehmend den Bestand gefährdet.