| |
Erster
Hinweis auf paternale Verwandtenerkennung bei Affen
Paternal relatedness and age proximity regulate social relationships
among adult female rhesus macaques
Anja Widdig*1, Peter Nürnberg*2,
Michael Krawczak*3, Wolf Jürgen Streich*4
& Fred Bercovitch *5:
Proc Natl Acad Sci USA 98, 13769-13773 (2001).
*1Institut für Medizinische Genetik, Universitätsklinkum
Charité, Humboldt-Universität, 10098 Berlin, Germany *1Institut
für Biologie, Humboldt-Universität, Invalidenstr. 43,
10115 Berlin, Germany *2Gene Mapping Center,
Max Delbrück Center for Molecular Medicine, 13092 Berlin, Germany *3Institute
of Medical Genetics, University of Wales College of Medicine, Heath
Park, Cardiff CF14 4XN, UK *4Institut für
Zoo-und Wildtierforschung, Alfred-Kowalke-Str. 17, 10315 Berlin,
Germany *5Caribbean Primate Research Center,
P. O. Box 1053, Sabana Seca PR 00952, USA
Die Bevorzugung Verwandter begünstigt die Evolution sozialer
Verhaltensweisen, die die Überlebens- und Reproduktionschancen
naher Verwandter erhöhen. Für maternal verwandte Primaten
wurde oft eine überdurchschnittliche Häufigkeit bei der
Fellpflege und im Unterstützungsverhalten beobachtet. Nicht
untersucht wurde bisher jedoch, inwieweit auch die paternale Verwandtschaft
die sozialen Beziehungen zwischen adulten Weibchen beeinflusst.
In der vorliegenden Studie untersuchten wir simultan den Effekt
sowohl der maternalen als auch der paternalen Verwandtschaft - unter
gleichzeitiger Berücksichtigung des Altersunterschiedes - auf
die affiliativen Beziehungen zwischen adulten weiblichen Rhesusaffen,
Macaca mulatta. Die paternale Verwandtschaft wurde mittels Mikrosatelliten
und DNAFingerprinting bestimmt.
Unsere Studie bestätigt, dass die engsten affiliativen Beziehungen
unter maternalen Halbgeschwistern zu finden sind. Wir zeigen hier
aber erstmalig, dass adulte Weibchen signifikant häufiger mit
ihren paternalen Halbgeschwistern als mit Nichtverwandten assoziiert
sind. Hinweise auf paternale Verwandtenerkennung waren deutlicher
unter Altersgenossen als unter Nichtaltersgenossen, was einen zusätzlichen
Einfluss des Altersunterschiedes auf affiliative Beziehungen wahrscheinlich
macht. Verschiedene Gründe sprechen gegen die Identifizierung
paternal Verwandter durch Vergleich physiologischer oder physischer
Merkmale. Wir halten es deshalb für wahrscheinlicher, dass
paternale Verwandtenerkennung unter Cercopithecinen auf "phenotype
matching" basiert, dass also auf die Übereinstimmung von
Verhaltensmerkmalen (Persönlichkeitsprofile) verglichen wird.
|

|
Wie lernt dieses junge Affenweibchen, seine väterlichen
Halbschwestern anhand ihrer Verhaltensmerkmale zu erkennen?
(Foto: A. Widdig)
|
|