Fachrichtung:
Immunologie

Das Immunsystem hat als zentrales Abwehrsystem der Vertebraten
gegenüber Pathogenen eine Schlüsselfunktion für die der Abwehr von
Krankheiten.
Fortschritte auf dem Gebiet der Psychoneuroimmunologie haben
unser Bild vom Immunsystem als klassischem Abwehrsystem in jüngerer
Zeit entscheidend erweitert, denn das Immunsystem reagiert
nicht nur auf Krankheitserreger, sondern auch auf Veränderungen
in der sozialen und nicht-sozialen Umwelt der Tiere. So kann beispielsweise
durch Artgenossen oder durch anthropogene Einflüsse ausgelöster
Stress die Aktivität des Immunsystems und die Krankheitsentstehung
in entscheidender Weise beeinflussen.
Die Folgen von sozialen und nicht-sozialen Umwelteinflüssen auf
das Immunsystem sind bislang fast ausschließlich an Labortieren
(Ratten, Mäuse) oder am Menschen untersucht worden. Aber auch bei
Wildtieren können soziale und nicht-soziale Umweltfaktoren vermutlich
eine Reduktion der Immunkompetenz und erhöhte Krankheitsanfälligkeit
verursachen. Neben negativen Konsequenzen für die Fitness der Einzelindividuen
sind letztendlich auch Auswirkungen auf die Dynamik von Wildtierpopulationen
die Folge.
Projekte zu diesem Themenkomplex werden in Zukunft einen zentralen
Arbeitsschwerpunkt der Arbeitsgruppe Immunologie bilden.
Aktuell werden folgende Projekte bearbeitet:
Methoden der immunologischen Diagnostik bei Wildtieren
Grundlage für alle weiterführenden wildtierimmunologischen Fragestellungen
ist eine umfassende Diagnostik. Im Hinblick auf die Methodik bestehen
hier zwei zentrale Herausforderungen:
Zum einen müssen etablierte immunologische Methoden, die zur
umfassenden Beurteilung der Immunkompetenz bei Labortieren geeignet
sind, an Wildtiere adaptiert werden. Das komplette Methodenspektrum
moderner klinisch-immunologischer Diagnostik kann jedoch oftmals
nicht direkt bei Wildtieren eingesetzt werden, da z.B. geeignete
monoklonale Antikörper für FACS und ELISA –Analysen fehlen.
Weiterhin müssen Methoden etabliert werden, die eine Konservierung
von Immunzellen unter Beibehaltung ihrer Funktionalität ermöglichen
(Kryokonservierung). Die Konservierung von Immunzellen ist für den
Transport von Proben aus dem Freiland essentiell.
Bestimmung antigen-spezifischer Immunreaktionen beim Reh
In diesem Projekt werden antigen-spezifische Immunreaktionen
wie die Lymphozytenproliferation und die Antikörperproduktion nach
einer Immunisierung mit verschiedenen Impfstoffen (z.B. gegen BVD-Vireninfekte)
untersucht. Ein Ziel ist die Beurteilung der Eignung dieser Impfstoffe
für die Prävention von Erkrankungen. Dieses Projekt wird in Zusammenarbeit
mit PD Dr. Dr. Frölich (FG3) durchgeführt.
Auswirkungen des Nahrungsangebots auf den Immunstatus des
Europäischen Rehs (Caperolus capreolus)
Freilebende Tiere stehen vor dem Problem, die zumeist beschränkten
Energieressourcen zwischen zentralen Funktionen wie Selbsterhalt
und Reproduktion aufteilen zu müssen. Zu den wichtigsten Selbsterhaltungsfunktion
im tierischen Organismus gehört das Immunsystem. In diesem Projekt
soll nun untersucht werden, inwieweit Nahrungsknappheit zu Veränderungen
im Immunsystem führt. Dieses Projekt wird in Zusammenarbeit
mit Dr. S. Ortmann (FG1) und Dr. F. Göritz (FG5) durchgeführt.
Auswirkungen von sozialem Stress auf das Immunsystem und die
Manifestation chronischer Erkrankungen
Ein aktuell von der DFG gefördertes Projekt beschäftigt sich
mit den Auswirkungen von sozialem Stress auf die Manifestation einer
Modellarthritis bei Laborratten. Diese Untersuchungen werden in
Kooperation mit der Universität Bayreuth und der Universität Regensburg
(Prof. Dr. R. Straub) durchgeführt.
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