Forschungsgruppe 3: Wildtierkrankheiten |
Fachrichtung: Parasitologie/OrnithologieLeitung: Dr. O. Krone
In Kooperation mit anderen Forschungsgruppen und in Forschungsgruppen übergreifenden Projekten werden auch Routineuntersuchungen zur Feststellung des Parasitenbefalls durchgeführt. Einen neuen Schwerpunkt stellt die Speziation der Endoparasiten mit ihren Wirten dar. Dazu werden zunehmend Methoden der molekularen Parasitologie eingesetzt.
Projekte:1. Krankheiten und Todesursachen von Großvögeln- Mortalitätsfaktoren von Seeadlern In enger Zusammenarbeit mit diversen veterinärmedizinischen Fachrichtungen (Pathologie, Parasitologie, Bakteriologie, Virologie), den staatlichen Umweltämtern der entsprechenden Länder (z.B. Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie Mecklenburg-Vorpommern, Landesumweltamt Brandenburg), den Projekt- und Arbeitsgruppen zum Seeadlerschutz (z.B. Projektgruppe Seeadlerschutz Schleswig-Holstein, Arbeitsgruppe Adlerschutz Niedersachsen) und den Vogelschutzwarten (z.B. Steckby, Neschwitz) werden die Todesursachen und Krankheiten von Seeadlern (Haliaeetus albicilla) untersucht. Besonders auffallend sind dabei die vielen "anthropogen" bedingten Todesursachen. So kommt der größte Teil der Seeadler durch die Bahn und durch die Aufnahme von Bleipartikeln zu Tode. Unter den "natürlichen" Todesursachen sind es hauptsächlich Infektionen und innerartliche Konflikte, die zum Tod der Adler führen (Krone et al. 2002). Wurden die häufig diagnostizierten Leber-, Gallenblasen- und Gallengangsveränderungen zunächst dem Leberegel (Metorchis spec.) zugeschrieben und deshalb seine Biologie (Entwicklungszyklus) untersucht (Krone & Schuster 2002), so stellte sich aufgrund zunehmender Funde von Bleipartikelresten in den Mägen der Seeadler heraus, dass die Leberveränderungen durch Bleivergiftungen verursachte werden. In einer Studie zusammen mit dem Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie in Wien (Toxikologie) konnte dargestellt werden, dass ca. 1/3 aller tot aufgefundenen Seeadler durch Blei gestorben ist (Kenntner et al. 2001). Dahingegen scheinen heute die Pestizide bei den Seeadlern von untergeordneter Bedeutung zu sein (Kenntner et al. 2003). Aber neue Gefährdungsfaktoren, wie Verluste an Windkraftanlagen können zunehmend eine Rolle spielen (Krone & Scharnweber 2003). Auch Untersuchungen aus Grönland (Krone et al. 2004) und Finnland (Krone et al. 2006) weisen auf die Bedeutung von anthropogen bedingten Todesursachen, insbesondere Bleivergiftungen, bei Seeadlern hin. Zukünftig sollen die Todesursachen der aufgefundenen Seeadler mit einer aussagefähigen Gruppe von Seeadlern, die mit Sendern markiert werden, verglichen werden, um so die Bedeutung der einzelnen Todesursachen auf die Seeadlerpopulation einschätzen zu können. Die ersten Ergebnisse eines mit einem GPS-Datenlogger ausgestatteten Seeadlers liegen bereits vor (weitere Informationen hier). - Entwicklungszyklus und Prävalenz des Gallengangegels beim Seeadler Mehr als jeder zweite Seeadler weist Trematoden ( Metorchis sp.) in den Gallengängen und der Gallenblase von Seeadlern auf. Häufig verursachen diese Parasiten Epithelveränderungen, Choleangiektasien bis zur Blockade der Gallengänge mit Rückstau der Galle in die Leber. In Einzelfällen war dieser Parasit für den Tod des Seeadlers verantwortlich. Der Entwicklungszyklus, der teilweise im Labor nachgestellt wurde, hat gezeigt, welche Zwischenwirte der Parasit nutzt, wie die Entwicklungsstadien des Parasiten aussehen und wie lange die jeweiligen Stadien zur Entwicklung benötigen. Zusammen mit der morphologischen Analyse der Metacercarien aus dem Entwicklungszyklus erbrachte die Sequenzanalyse des Cytochrom c Oxidase I Gens die Artdiagnose von Metorchis bilis (Diplomarbeit Doreen Pick, 2005).
Im Seeadler lebt der geschlechtsreife Parasit, dessen Eier mit dem Kot des Wirtes ins Wasser fallen müssen, wo sie von Wasserschnecken ( Bithynia sp.) gefressen werden. In der Schnecke absolviert der Parasit eine ungeschlechtliche Vermehrung.
- Phylogenie von Endoparasiten aus einheimischen Greifvögeln Häufige Endoparasiten einheimischer Greifvögel sind Nematoden, die hauptsächlich im Digestions- und Respirationstrakt gefunden werden. Zwischenwirte der Nematoden können Beutetiere, wie Fische, Vögel, Säugetiere oder Insekten sein. Kokzidien der Gattung Sarcocystis parasitieren im Dünndarmepithel. Zwischenwirte der Sarcocysten sind typische Beutetiere der Greifvögel, z.b. kleine Säugetiere oder Singvögel. In diesem Projekt werden auf der Basis verschiedener genetischer Marker Stammbäume der Endoparasiten erstellt. Diese werden mit den Stammbäumen der Wirte verglichen. So soll eine evt. stattgefundene Cospeziation detektiert werden.
- Evolution von Blutparasiten in Greifvögeln und Eulen In einem Projekt mit dem Department of Animal Ecology der Lund Universität wird die Speziation der Blutparasiten aus Greifvögeln und Eulen erforscht. Mittels mitochondrialer DNA werden unterschiedliche Strains von Plasmodium, Haemoproteus und Leucocytozoon erfasst und deren Wirtsspezifität im Vergleich zu Strains aus anderen Vogelarten untersucht.
-Prävalenz von Trichomonaden in urbanen und ländlichen Habichten (Accipiter gentilis) Seit der Brutsaison 1997 wurden wiederholt klinische Erkrankungen durch Trichomonas gallinae bei wildlebenden Habichten in Berlin festgestellt. Von 1998 bis 2001 wurden Habichtnestlinge aus Berlin und Brandenburg auf Trichomonaden untersucht. Der Vergleich der verschiedenen Lebensräume zwischen Habichten aus Berlin und Brandenburg erbrachte keinen Unterschied, was möglicherweise an der zu geringen Distanz der beiden Populationen lag. Die hohen Prävalenzen von bis zu 73% weist aber auf die hohe Bedeutung dieses Erregers als potentiellen Krankheitserreger bei Habichten hin (Krone et al., 2005).
- Gesundheitsstatus des Eurasischen Kranichs (Grus grus) in Deutschland Die Auswertung natürlicher und anthropogen bedingter Krankheiten und Todesursachen des Eurasischen Kranichs ist das Ziel dieses Projektes. Neben retrospektiven Studien zum Gesundheitsstatus des Eurasischen Kranichs steht die Untersuchung neuer Krankheitsaspekte im Vordergrund, welche eine potentielle Gefährdung für diese Art darstellen können. Infektionsschwerpunkte an Schlaf-, Rast- und Futterplätzen sollen erkannt und Hinweise aus den Ergebnissen der Untersuchungen für den Kranichschutz in Deutschland abgeleitet werden.
2. Parasitenfauna bei KarnivorenUntersucht werden mehrwirtige parasitische Würmer, deren Entwicklungszyklus in ein Räuber-Beute-Verhältnis eingebunden ist.
- Endoparasiten bei Wildkatzen aus der Eifel Bei tot aufgefundenen Wild- und Hauskatzen aus der Eifel wird das Spektrum der Helminthen verglichen. So soll die Frage nach der Wildkatze als potentiellen Reservoirwirt für Parasiten der Hauskatze beantwortet werden.
Service-LeistungenParasitologische Untersuchungen von Proben aus der IZW-Feldstation Niederfinow und weiteren Einsendern.
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