![[Frauchens Liebling im CT]](2004-04, Kooperation, CT-Dateien/wissenschaft1_ct.gif)

Tierischer Patient vor der Aufnahme im
Tomographen.
FU-Studenten wie Mitarbeiter kennen sie: die verschlungenen
Wege, die kleinen Parks, die grünen Oasen Zehlendorfs.
Städtischer Trubel wird hier von Vogelgezwitscher übertönt.
Besonders beneidet werden die Veterinärmediziner. Sie sitzen
im alten Rittergut Düppel, einem besonders grünen Campus.
Während einige Gebäude äußerlich den Charme des 19.
Jahrhunderts versprühen, sind sie von innovativem Geist
erfüllt.
Im Februar wurde in der Klinik und Poliklinik
für kleine Haustiere ein neuer Computertomograph (CT) in
Betrieb genommen. Er ist in dieser Ausführung einzigartig für
Tiere, denn eigentlich wurde der Apparat für den Menschen
entwickelt. Zur feierlichen Einweihung waren neben dem Dekan
Leo Brunnberg auch FU-Präsident Dieter Lenzen und der
Präsident der Leibniz-Gemeinschaft, Hans-Olaf Henkel, zugegen.
„Der neue CT ist ein beeindruckendes Beispiel für die
Kooperation von Wirtschaft und Wissenschaft an der Freien
Universität“, kommentierte Dieter Lenzen die Neuerwerbung. Die
FU kooperiert dabei mit dem Institut für Zoo- und
Wildtierforschung, das zur Leibniz-Gemeinschaft gehört und am
Tierpark Friedrichsfelde beheimatet ist.

Das Gerät ist auch für Wildtiere
geeignet.
Die ersten Bilder beeindrucken: Guido Fritsch,
wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Zoo- und
Wildtierforschung, präsentierte eine Schlange, die kurz vor
der Aufnahme eine Ratte verspeist hatte. Durch die hoch
auflösende Technik erkennt man deutlich die Wirbelsäule des
Nagers im Reptilmagen. Aber der CT kann, wie sich schon nach
zwei Monaten im Einsatz zeigt, weitaus mehr: Bei betäubten
Tieren vermag das Gerät sogar die Details des Herzens
aufzuzeichnen. Bei Menschen ist dies nicht möglich. Die
Mitarbeiter, die an diese Präzision nicht geglaubt hatten,
waren überrascht und begeistert.
Tatsächlich ist die
CT-Technik schon über zwanzig Jahre alt. Die Maschine wendet
zunächst das von Röntgenaufnahmen bekannte Verfahren an. Nur
liegt der Patient, in diesem Fall das Tier, betäubt auf einer
Bank, während Röntgenröhre und ein gegenüber liegender
digitaler Detektor um den kleinen Körper rotieren.
Währenddessen fährt die Bank mit dem Tier durch die
Ringkonstruktion.
Das Diagnosegerät funktioniert im
Grunde wie eine Brotmaschine. Bei jeder Rotation zeichnet das
hochmoderne Data Aquisition System (DAS) vier Schichtbilder
auf. Aufgrund des minimalen Abstands von sechs
Zehntelmillimetern, den die Liege zwischen den einzelnen
Röntgenbildern automatisch zurücklegt, sind dreidimensionale
Abbilder in ihrer Komplexität erst möglich. Verglichen mit
älteren, in der Tiermedizin normalerweise benutzten CT, können
mit dem neuen Gerät viermal so viele Bilder pro Umdrehung
gemacht werde. Gemessen wird dabei die Absorptionsrate des
geröntgten Materials. Während Metalle fast alle und Knochen
viele Röntgenstrahlen absorbieren, sind Weichteile und
Flüssigkeiten bis zur Luft (zum Beispiel in den Lungenlappen)
sehr durchlässig.
Aus den gewonnen Daten erstellt der Computer dann die
Bilder. Das neue Verfahren erlaubt nicht nur eine viel
genauere Diagnostik, sondern auch eindrucksvolle
3-D-Darstellungen und Animationen. Besonders für chirurgische
Eingriffe ist die neue Technik von hohem Wert. Durch sie kann
sich der Operateur über die Schwierigkeiten des bevorstehenden
Eingriffs informieren und die Risiken minimieren, bevor er das
Messer ansetzt. Die Tiere, die bei jeder Untersuchung betäubt
sind, spüren nichts von dem Eingriff.
Neben den
Privatkunden hat die Forschung ein enormes Interesse an dem
Gerät. So wurden bereits Ammoniten, versteinerte Urtiere, und
ein Elefantenkopf aufgenommen. Per Computer können die
3-D-Animationen horizontal wie vertikal beliebig zerstückelt
werden und offenbaren so das tierische Innenleben.
Ob
nur die oberste Gewebeschicht oder die inneren Organe
freigelegt werden sollen – Grenzen setzt nur noch der
Wissensdrang der Forscher. Das alles ist ohne einen Eingriff
und der damit verbundenen Schädigung des Präparats möglich.
„Wir sind begeistert, was man alles erkennen kann“, sagt Guido
Fritsch. „Die Bilder sind gestochen scharf wie in einem
Anatomiebuch.“ Sein neues Arbeitsgerät dient aber auch der
Humanmedizin. So wird damit an der Kleintierklinik die
Knochenheilung bei Tieren untersucht, um Rückschlüsse auf die
Osteoporose beim Menschen ziehen zu können.

Klinikchef Leo Brunnberg (links) mit Mitarbeiter Guido
Fritsch.
Das Gerät kostet eigentlich 750.000 Euro. Beschafft hat es
das Institut für Zoo- und Wildtierforschung. Mehrere Partner,
nicht zuletzt der Hersteller General Electric, schossen einen
großen Teil dazu, so dass der Computertomograf mit ungefähr
375.000 Euro für die FU-Veterinärmediziner erschwinglich war.
Als Gegenleistung bekommen die Techniker von General Electric
Informationen aus der praktischen Arbeit, um zum Beispiel die
Anwendungssoftware und die Steuerung weiter zu verfeinern.
Nun steht den Berliner Haustierhaltern ein exzellentes
Diagnosegerät zur Verfügung. „In Berlin ist wie in jeder
Großstadt der Hund oder die Katze mehr Gefährte des Menschen
als bloßes Haustier“, meint Guido Fritsch. „Von seiner
Gesundheit hängt oft auch das Befinden der Halter ab. Gerade
bei älteren Menschen wirken Haustiere wie ein Therapeutikum.“
Viele Ärzte und Mitarbeiter der Klinik haben selbst Haustiere,
Hunde stören auch am Arbeitsplatz nicht. Sie bellen und
beschnuppern die Gäste. Diese freundliche Atmosphäre wünscht
sich manches Herrchen dankbar auch für den eigenen
Klinikbesuch.