IZW - Das Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung |
EVitA - das Forschungsprogramm des IZWDas Forschungsprogramm EVitA des IZW geht von dem Leitgedanken der Erforschung der Vitalität und Anpassungsfähigkeit (EVitA) von Wildtierpopulationen bei Tierarten von herausragendem ökologischen Interesse im Spannungsfeld Tier - Mensch aus und beinhaltet die Leistungsziele Anpassungen, Krankheiten und Naturschutz. Alle wissenschaftlichen Fragestellungen werden diesen drei Leistungszielen zugeordnet.
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Welche Wildtierarten untersucht das IZW und warum?Im Mittelpunkt stehen ausgewählte Säugetiere und Vogelarten. Diese Arten: > haben eine überragende Bedeutung als Schlüsselarten für das Funktionieren wichtiger Ökosysteme; > sind mit ihren besonderen und augenfälligen Anpassungen geeignete Forschungsobjekte zur Weiterentwicklung der Evolutionstheorie; > können anderen Wissenschaftsdisziplinen als Quelle neuartiger Wirkungsprinzipien dienen; > stehen oft im Mittelpunkt von Landnutzungskonflikten; > haben als Leitarten ("umbrella species") eine wichtige Funktion für den Schutz von Lebensräumen und -gemeinschaften bedrohter Arten; > sind als Aushängeschild ("flagship species") von besonderer Bedeutung für die Weiterentwicklung und öffentliche Akzeptanz des Naturschutzgedankens und eines nachhaltigen Umgangs mit natürlichen Ressourcen; > erfahren ein besonderes gesellschaftliches Interesse und fördern die Einsicht in die Ganzheitlichkeit und Verletzlichkeit unserer Welt. Sie haben vielfältige Anpassungen entwickelt, die sehr spezifisch sind und bei empfindlichen Störungen und anthropogenen Habitatveränderungen schnell an ihre Grenzen gelangen können. Aufgrund der krisenhaften Verschlechterung ihrer gegenwärtigen Existenzbedingungen haben viele Wildtierarten eine wichtige Indikatorfunktion für die globale Gefährdung der Lebensvielfalt (Biodiversität) und somit der natürlichen Lebensgrundlagen des Menschen. Anspruchsvolles wissenschaftliches Arbeiten an Wildtierpopulationen im Freiland und in menschlicher Obhut setzt großes Einfühlungsvermögen und besonderes biologisches und tiermedizinisches Geschick voraus. Beides kann nur in langjähriger Erfahrung erworben werden. In diesem Zusammenhang haben sich Mitarbeiter des IZW besondere, international geachtete Kompetenz beim Umgang mit Wildtieren, beispielsweise Elefanten, Huftieren, Raubtieren und Greifvögeln erarbeitet. Neben der Arbeit mit Freilandpopulationen und Wildtieren in menschlicher Obhut pflegt das IZW auch eine eigene Wildtierhaltung in Form einer Feldforschungsstation. Dort hält das IZW für wissenschaftliche Experimente Rehe und Feldhasen, deren Haltung und Zucht Spezialwissen erfordert und deshalb in anderen Einrichtungen nicht durchgeführt wird. Die Feldforschungsstation bietet die Gelegenheit zur experimentellen Überprüfung von Hypothesen unter kontrollierten Bedingungen. Beispielhaft dafür sind die Langzeituntersuchungen zur Fortpflanzungsbiologie, Ernährungsphysiologie und Energieallokation beim Reh.
In welchen Ökosystemen arbeitet das IZW und warum?Im Mittelpunkt der Freilandarbeiten des IZW stehen Schlüsselarten und Lebensgemeinschaften der Wald- und Kulturlandschaften Europas sowie afrikanischer Savannen. Die starke anthropogene Veränderung der europäischen Wälder und mosaikreichen Offenlandschaften bringt die Anpassungsfähigkeit und Stabilität natürlicher Lebensgemeinschaften häufig an ihre Grenzen. Daher sind diese Lebensräume sehr gut geeignet, um die Konsequenzen anthropogener Belastungen für Wildtierpopulationen zu untersuchen. Bei der Umsetzung menschlicher Landnutzungsinteressen in Mitteleuropa muss der Schutz natürlicher Lebensgemeinschaften und der dafür erforderlichen natürlichen ökosystemaren Prozesse verbessert werden. Dies ist von großer Bedeutung für die Umsetzung der Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung und entspricht dem Auftrag, unsere natürlichen Lebensräume zum Nutzen aller intakt zu erhalten. Hierfür werden seit ca. 10 Jahren eine Reihe von naturschützerischen Maßnahmen diskutiert, die über die üblichen Methoden der Landschaftspflege mit Hilfe von Schafbeweidung, teuren Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen oder der Beweidung durch spezielle Rinderrassen hinausgehen, wie zum Beispiel die Wiedereinführung artenreicher Huftiergemeinschaften. Um die Konsequenzen solcher Wiedereinführungen abschätzen zu können, ist es essentiell zu verstehen, wie derartige Lebensgemeinschaften unter authentisch natürlichen Bedingungen existieren und reguliert werden. Dafür sollten idealer Weise Wildtierpopulationen in anthropogen veränderten Gebieten (Mitteleuropa) mit Wildtierpopulationen in vollständig natürlichen Lebensräumen verglichen werden. Das IZW hat deshalb damit begonnen, im einzigen verfügbaren intakten europäischen Tiefland-Urwald in Bialowieza (Polen) natürliche, artenreiche Huftierlebensgemeinschaften zu erforschen, die dort von einer ebenso artenreichen Prädatorengemeinschaft reguliert werden. Dieses Untersuchungsprogramm wird im Zuge einer engen Partnerschaft mit dem Forschungsinstitut für Säugetierkunde der Polnischen Akademie der Wissenschaften realisiert. Afrikanische Savannen gelten als Modellsysteme für die Erforschung artenreicher Lebensgemeinschaften von Herbivoren und Prädatoren, von Pathogen-Wirt-Systemen, bei denen Wildtiere, Haustiere und der Mensch beteiligt sein können, sowie von Landnutzungskonflikten zwischen der örtlichen Bevölkerung und Wildtieren, v.a. Raubtieren und Elefanten.
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Kleine HistorieDas IZW ging aus der 1973 gegründeten "Forschungsstelle für Wirbeltierforschung" (FWF) der Akademie der Wissenschaften (AdW) der DDR hervor. Die FWF wurde von Prof. H. Dathe, gleichzeitig auch Direktor des Tierparks Berlin (1958-1990), von ihrer Gründung bis 1990 und von Prof. R. Ippen bis 1992 geleitet. Die FWF beschäftigte sich vor allem mit Fragestellungen aus den Bereichen Gesundheitsstatus und Biologie von Wirbeltieren, sowie der Entwicklungsbiologie und Parasitologie landwirtschaftlicher Nutztiere, und führte die Sektionen von Zootieren des Tierparks Berlins und weiterer Zoos durch. Im Jahre 1991 evaluierte der Wissenschaftsrat die Einrichtungen außeruniversitärer Forschungen der ehemaligen DDR und empfahl eine Neugründung mit veränderter Zielrichtung und Aufgabenstellung als "Institut für Zoo- und Wildtierforschung", das durch den Bund und das Land Berlin paritätisch finanziert wird. Das IZW wurde zunächst Mitglied der "Blauen Liste" und nach der Gründung ihrer Nachfolgeorganisation auch Mitglied der Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz, seit 2002 Leibniz-Gemeinschaft (WGL). Zum Gründungsdirektor des IZW wurde im März 1992 Prof. Dr. Reinhold R. Hofmann berufen, der das IZW bis Ende 1999 leitete. Der Direktor des IZW ist gleichzeitig auch C4-Professor für "Interdisziplinäre Zoo- und Wildtierkunde" am Fachbereich Veterinärmedizin der Freien Universität Berlin. Das IZW schloss sich mit sieben weiteren Berliner wissenschaftlichen Forschungseinrichtungen im "Forschungsverbund Berlin e.V." zusammen, um Interessen aller beteiligten Forschungseinrichtungen koordiniert wahrzunehmen und sich für administrative Aufgaben eine gemeinsame Verwaltung zu teilen. Der Wissenschaftsrat evaluierte das IZW erneut im Jahre 1998, um die seit 1992 durchgeführte Umwandlung der ehemaligen Forschungsstelle für Wirbeltierforschung in ein modernes Institut für Zoo- und Wildtierforschung zu überprüfen und die Perspektiven für die Zukunft des Institutes zu bewerten. Diese Evaluation fiel äußerst positiv aus und bestätigte die enormen Anstrengungen des IZW und seines Gründungsdirektors, ein modernes Wildforschungsinstitut auf evolutionsbiologischer Grundlage zu entwickeln.
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