Stärkung wissenschaftsbasierter Ansätze im Tierschutz von Wildtieren

Das Leibniz-IZW leistet mit seiner Expertise im Wildtierschutz einen Beitrag für die sach- und artgerechte Haltung von Tieren in menschlicher Obhut und darüber hinaus und entwickelt wissenschaftsbasierte Methoden und Ansätze dafür weiter.

Projektdetails
Laufzeit: dauerhaft
Drittmittelfinanziert: ja
Beteiligte Abteilung(en): Abt. Reproduktionsmanagement, Abt. Wildtierkrankheiten
Projektleitung im Leibniz-IZW: Frank Göritz (Abt. Reproduktionsmanagement)
Projektbeteiligte im Leibniz-IZW: Thomas. Hildebrandt, Guido Fritsch, Marc Gölkel (all: Abt. Reproduktionsmanagement), Gudrun Wibbelt (Abt. Wildtierkrankheiten), Heribert Hofer (Direktor)
Konsortialpartner: Vier Pfoten
Aktuelle Förderorganisation: Vier Pfoten
Forschungsschwerpunkte:
Verständnis von Wildtiergesundheit und gestörter Homeostase
Verständnis von Herausforderungen für Wildtiere
Entwicklung neuer Theorien, Methoden und Werkzeuge

 

In den letzten Jahren ist zunehmend die Expertise von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des Leibniz-IZW zum Tierschutz von Wildtieren nachgefragt worden. Dies reicht von Gutachten bei Gerichtsverfahren über die Beteiligung an der Entwicklung der neuesten Fassung des Säugetiergutachtens des BMEL bis zu praktischen tierärztlichen Leistungen zur Rettung, Versorgung und Begleitung von Wildtieren aus nicht tiergerechten Lebensumständen. Hier liegt gegenwärtig ein Schwerpunkt auf Raubtieren, insbesondere Bären. Das Leibniz-IZW arbeitet in vielfältiger Weise an wildtierschutzrelevanten Themen:

Novellierung des Säugetiergutachtens

So konnte beispielsweise 2014 in einem drei Jahre andauernden Prozess die Novellierung des Säugetiergutachtens von 1996 erfolgreich abgeschlossen werden. Dr. Frank Göritz und Prof. Heribert Hofer vom Leibniz-IZW haben das Gutachten als unabhängige Sachverständige maßgeblich unter Beteiligung von Vertreterinnen und Vertretern der Tier-, Naturschutz- und der Zooverbände erstellt. Das Gutachten richtet sich sowohl an die Tierhalter als auch an die zuständigen Aufsichtsbehörden der Länder und gibt eine Orientierungshilfe für die Auslegung der allgemeinen Regelungen des Tierschutzgesetzes. „Ein Besuch im Zoo macht nur dann Freude, wenn gewährleistet ist, dass sich die Tiere dort auch wohlfühlen“, sagte die Parlamentarische Staatssekretärin vom Bundesministerium für Landwirtschaft und Ernährung, Maria Flachsbarth, bei der Vorstellung des Säugetiergutachtens. Das Gutachten legt die Grundlage dafür, dass jedes Tier artgerecht und seinen Bedürfnissen entsprechend gehalten wird.

Tierschutz und Ethik

Wildtierschutz und -ethik sind von zunehmender Bedeutung – sowohl für die wissenschaftliche Gemeinschaft als auch für die breite Öffentlichkeit. Diskussionen über tierschutzrelevante Themen werden oft emotional und nur selten evidenzbasiert geführt. Deshalb erfordert die intensive Erforschung von stark gefährdeten Arten eine Herangehensweise, die ethische Fragestellungen evidenzbasiert erforscht. Ein Beispiel dafür ist das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte BioRescue-Projekt zur Rettung des Nördlichen Breitmaulnashorns. Teil dieses Projektes ist die Entwicklung neuer Methoden und Instrumente zur Sicherstellung des Tierwohls in Artenschutzforschungsprojekten sowie die gemeinsame Beantwortung von kritischen Fragen von und mit Stakeholdern und der allgemeinen Öffentlichkeitsarbeit.

Kooperation mit der Tierschutzstiftung Vier Pfoten

In einer mehrjährigen Kooperation mit der international tätigen Tierschutzstiftung Vier Pfoten arbeitet unser Leitender Tierarzt Dr. Frank Göritz an der Rettung von Wildtieren in menschlicher Obhut. Seine nationalen und internationalen Rettungseinsätze wurden 2017 mit dem internationalen Tierschutzpreis von Vier Pfoten gewürdigt. Dr. Göritz erhielt diese Auszeichnung als Dank für seine außergewöhnlichen Leistungen, seinen unermüdlichen Einsatz und sein fachkundiges, veterinärmedizinisches Engagement für den internationalen Tierschutz. Seine hohe Fachkompetenz als Wildtierarzt hat er bei unzähligen, oft sehr herausfordernden Einsätzen bewiesen. Seine Hilfseinsätze haben ihn im Tierschutz international bekannt gemacht, so z. B. die Schließung und erfolgreiche Umsetzung der Tiere des Khan Younis Zoos im Gazastreifen.

„Seit über zehn Jahren unterstützt Dr. Frank Göritz die globale Tierschutzorganisation VIER PFOTEN. Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, Missstände zu erkennen, Tiere in Not zu retten und sie zu beschützen. Als erfahrener Tierarzt begleitete Dr. Göritz nicht nur unsere herausfordernden Rettungsmissionen in Albanien, Libyen, Sudan, Irak, Syrien und im Gazastreifen, sondern führt im Rahmen von Vet-Checks auch regelmäßig Untersuchungen und Operationen in unseren VIER PFOTEN Schutzzentren für Wildtiere durch. Als Anerkennung für sein veterinärmedizinisches Engagement im Tierschutz haben wir ihm 2017 unseren ersten VIER PFOTEN Tierschutzaward verliehen. Wir freuen uns weiterhin auf professionelle und kollegiale Zusammenarbeit mit Dr. Göritz bei unseren künftigen gemeinsamen Tierschutz-Einsätzen – vielen Dank, Frank!“

Josef Pfabigan, Vorstandsvorsitzender und Geschäftsführer VIER PFOTEN; Wien, 06.05.2020.

Filme

Vier Pfoten und Leibniz-IZW retten die letzten Tiere aus dem Khan Younis Zoo in Gaza
Vier Pfoten und Leibniz-IZW retten einen Braunbären aus einem polnischen Zoo
Vier Pfoten und Leibniz-IZW retten Wildtiere aus Zoo in syrischem Kriegsgebiet
Vier Pfoten und Leibniz-IZW retten Braunbären aus Albanien
Vier Pfoten und Leibniz-IZW retten hungernde Tiere im Sudan

 

Ausgewählte Publikationen

Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL); Tierschutzreferat (Hrsg.; 2014): Gutachten über Mindestanforderungen an die Haltung von Säugetieren. Arbeitsgruppe zur Überarbeitung des Gutachtens über Mindestanforderungen an die Haltung von Säugetieren.
https://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/DE/_Tiere/Tierschutz/HaltungSaeugetiere.pdf?__blob=publicationFile&v=7.

Huber N, Marasco V, Painer J, Vetter SG, Göritz F, Kaczensky P, Walzer C (2019): Leukocyte coping capacity: an integrative parameter for wildlife welfare within conservation interventions. FRONT VET SCI 6, 105.

Goettling J, Goeritz F, Jewgenow K, Painer J (2016): Serum chemistry and haematology for female Eurasian lynx (Lynx lynx). EUR J WILDL RES 62, 365-367. doi:10.1007/s10344-016-0990-4