Evidenzbasierter Fledermausschutz – was funktioniert wie und warum, und welche Wissenslücken bestehen?

Evidenzbasierter Naturschutz bedeutet Schutz der Natur, der auf wissenschaftlichen Erkenntnissen und Methoden beruht. Kern eines solch evidenzbasierten Artenschutzes ist es, stetig bestehendes Wissen und Methoden zu validieren und zu verifizieren, um bestmöglich den Erhaltungszustand einer Art zu bewerten und Schutzmaßnahmen stetig wirksamer zu gestalten. Wesentliches Werkzeug hierfür ist das Zusammenführen von bestehendem Wissen zur Beurteilung der Wirksamkeit einer Methode und eine Verfahrensweise, die das Testen der Effizienz einer Maßnahme erlaubt. Darüber hinaus ist es wichtig, zu formulieren, in welchem Bereich Forschungsbedarf besteht.

Fledermäusen sind nach dem Bundesnaturschutzgesetz sowie der E.U. Habitat Direktive streng geschützt. Viele Arten sind selten und in ihren lokalen Beständen in einer rasch sich verändernden Umwelt bedroht. Deshalb spielen Fledermäuse im Naturschutz sowie in der Planungs- und Genehmigungspraxis eine große Rolle.

Ziel dieses Workshops soll es sein, bestehendes Wissen über die Effizienz von Schutz- und Ausgleichsmaßnahmen in Synopsis-Vorträgen von Experten zusammenzuführen und zu evaluieren. Daneben soll es die Möglichkeit zu Einzelvorträgen sowie Postern zu den jeweiligen Themen geben. Dieser Workshop ist ein erster Schritt, um eine Diskussion anzustoßen, wie man den Schutz von Fledermäusen effizienter gestalten kann. Dies soll einerseits dem Fledermausschutz zu Gute kommen, andererseits soll es auch den Beteiligten von Planungs- und Genehmigungsverfahren (Gutachtern, Behörden und Auftraggebern) eine größere Sicherheit bieten, sinnvolle und effiziente Maßnahmen zu empfehlen und umzusetzen.

Die Themen, die auf dem geplanten Workshop von deutschsprachigen Experten in dem jeweiligen Feld kritisch auf die bestehende Studienlage und nachgewiesene Wirksamkeit der angewandten Schutzmaßnahmen überprüft werden sollen, umfassen folgende Bereiche des Fledermausschutzes:

  • Gebäudesanierungen: Was funktioniert im Fledermausschutz am Gebäude?

Eine Vielzahl von Fledermäusen lebt an und in Gebäuden. Dies führt oftmals zu Konfliktsituationen; vor allem bei Sanierungsmaßnahmen. Fledermäuse reagieren relativ sensibel auf Störungen an ihren Quartieren, deswegen gibt es bereits zahlreiche Empfehlungen, wie man mit Fledermäusen und ihren Quartieren beim Umbau und Ausbau an Gebäuden vorgehen sollte. Welche Maßnahmen sind für welche Arten sinnvoll?

  • Landwirtschaft: Agrarwüsten und Pestizideinsatz – hilft Biolandbau Fledermäusen?

Die Intensivierung der Landwirtschaft wird oftmals als primäre Ursache für den Insektenschwund in unserer Landschaft angesehen. Alle einheimischen Fledermäuse ernähren sich von Insekten und somit hat die Praxis der Landwirtschaft potenziell unmittelbaren Einfluss auf Fledermäuse. Ist allerdings Biolandbau eine aus Fledermausschutz effiziente Alternative? Wie wichtig ist der Strukturreichtum auf Ackerflächen für Fledermäuse? Leiden Fledermäuse an neuartigen Pestiziden und Insektiziden?

  • Forstwirtschaft: Moderne Bewirtschaftungsmethoden und ihre Alternativen

Die moderne Forstwirtschaft hat neue Methoden der effizienten Holzbewirtschaftung in den letzten Jahrzehnten entwickelt. Wie reagieren Waldfledermäuse auf Störungen, Quartierverlust und Habitatzerstörungen? Wie kann man potenzielle nachteilige Effekte, die durch die Forstwirtschaft entstehen, aus Sicht des Fledermausschutzes minimieren und kompensieren?

  • Fledermauskästen: Wirksamkeit von Ausgleichsmaßnahme?

Künstliche Sommerquartiere sind nicht nur im privaten Bereich eine beliebte Methode zur örtlichen Quartierbereicherung. Daneben werden Fledermauskästen gerne als  Ersatzmaßnahmen beauflagt, wenn natürliche Quartiere zerstört werden. Wie effizient ist jedoch die Ausbringung von Sommerquartieren und lassen sich natürliche Quartiere tatsächlich durch künstliche Quartiere ersetzen?

  • Winterquartiere: Wirksamer Schutz, Verbesserung von Winterquartieren

Einheimische Fledermäuse verbringen den Winter im Winterschlaf. Während dieser Überwinterungsphase sind sie störungsanfällig. Welche Empfehlungen gibt es im Umgang mit Winterquartieren von Fledermäusen an Gebäuden oder in unterirdischen Quartieren? Kann man Winterquartiere durch zusätzliche Hangplatzstrukturen verbessern und so das Angebot für überwinternde Fledermäuse erhöhen?

  • Straßenbau: Fledermausbrücken und Fledermaustunnel – welche Eingriffsmaßnahmen greifen wirksam in der Praxis?

Mitteleuropa ist engmaschig durch ein Straßensystem zerteilt. Gerade hoch mobile Arten wie Fledermäuse müssen deshalb oftmals Straßen queren. Welche Überquerungshilfen sind für Fledermäuse effizient? Welche Leitstrukturen nehmen Fledermäuse an?

  • Lichtverschmutzung: Wie sehen datengestützte, fledermausfreundliche Beleuchtungskonzepte aus?

Die Notwendigkeit zur Energieeinsparung führte in Kommunen zu großangelegten Kampagnen der Umstellung von konventionellen auf neuartige Beleuchtungskonzepte. Alle Fledermäuse reagieren auf empfindlich auf Licht. Wie verhalten sich Fledermäusen zu verschiedenen Lichtfarben und Beleuchtungstypen? Wie lässt sich ein Beleuchtungskonzept an Gebäuden oder an Straßen fledermausfreundlich gestalten?

  • Standardisiertes Fledermausmonitoring: wann, wie und mit welchem Ziel?

Fledermausbestände werden vielerorts intensiv untersucht, um mittel- und langfristige Trends in der Populationsentwicklung zu erfassen. Welches Monitoring ist jedoch für welche Fragestellung richtig? Und welche Methoden sollten beim Fledermausmonitoring Anwendung finden?

  • Öffentlichkeitsarbeit und Ausbildung von Fledermausschützern: Wissenstransfer,  Rekrutierung des Ehrenamts?

Das Ehrenamt und Umweltverbände tragen wesentlich zum Fledermausschutz bei. Wie lassen sich die Forschungsergebnisse und das Wissen über effiziente Schutzmaßnahmen am besten kommunizieren? Wie lassen sich mehr Menschen für den Fledermausschutz begeistern?