Forschungsschwerpunkt: Wildtierkrankheiten

Der Gesundheitszustand von Wildtierpopulationen kann sowohl durch Krankheiten und Infektionserreger beeinträchtigt werden als auch  durch natürlichen oder anthropogenen Stress. Trotz erheblichen Erkenntnisgewinns im Laufe der vergangenen Jahre, sind  Ursachen (Ätiologie) und Pathogenese vieler Wildtierkrankheiten weiterhin unbekannt. In diesem Forschungsschwerpunkt soll das Auftreten wichtiger Krankheiten bei freilebenden und in menschlicher Obhut gehaltenen Wildtierpopulationen untersucht werden, und sowohl die Pathogenese dieser Erkrankungen als auch ihre immunologische und genetische Basis ergründet werden. Eine weitere Aufgabe ist es,  unter Einbeziehung von ökologischen und epidemiologischen Studienergebnissen, den Einfluss von Krankheiten und Todesursachen auf die Dynamik von Wildtierpopulationen abzuschätzen. Diese Untersuchungen erlauben die Charakterisierung des Gesundheitsstatus und der Stressbelastung („allostatische Last“) von Wildtierpopulationen.

Trotz großer Fortschritte sind Ursachen und Verlauf vieler Wildtierkrankheiten bisher noch unerforscht. Wir wollen also den  Verlauf und die Ursachen von Wildtierkrankheiten im Erbgut der Tiere aufdecken. Genauso wichtig ist es zu verstehen, wie das Immunsystem den Wildtieren hilft, Herausforderungen durch Krankheitserreger und Belastungen („Stress“) zu bewältigen. Dies sind Themen, denen sich das IZW mit großem Interesse widmet.

Die zunehmende Überschneidung der Lebensräume von Menschen und Wildtieren führt zu neuen  Belastungen/ Herausforderungen in Bezug auf Infektionskrankheiten. Neben der direkten Störung durch Menschen, die den Immunstatus von Tieren beeinflussen kann,  können vor allem Zoonosen, zwischen Haus- und Wildtieren übertragbare Krankheiten, sowie besondere Wildtierkrankheiten in zoologischen Gärten für freilebende Wildtiere relevant sein. Studien zur Pathogenübertragung zwischen Wildtieren, Menschen und Haustieren liefern insbesondere wertvolle Erkenntnisse für vergleichende Untersuchungen zwischen Veterinär- und Humanmedizin.

Um den Einfluss von Krankheiten und Stresssituationen auf die Entwicklung von Tierbeständen zu analysieren, nutzen wir ökologische und epidemiologische Methoden. Stresssituationen und Infektionskrankheiten entstehen oft genau dort, wo Wildtiere und Menschen aufeinander treffen und der Mensch die Lebensräume entscheidend umgestaltet. Zusätzlich stört und bedrängt der Mensch durch seine Präsenz die Wildtiere in seiner Umwelt. Die Auswirkungen der modernen Zivilisation auf den Gesundheitszustand von Tieren sind daher mannigfach. Sowohl Untersuchungen zum Auftreten und der Verbreitung von Krankheitserregern und Infektionskrankheiten von Wildtierpopulationen als auch  die Erforschung der Ursachen von anthropogenem Stress sind  wichtige Mittel für eine objektive Bewertung des Effektes menschlicher Aktivität auf Wildtierpopulationen.