Menschen und Nashörner: Eine Tierart wird ausgelöscht

Über das letzte Jahrhundert sind Nashornzahlen drastisch gefallen und viele der heute noch existierenden Arten sind dem Aussterben nahe. Nördliche Breitmaulnashörner sind jetzt vermutlich die am stärksten gefährdeten Säugetiere auf der Welt. Von einer Bevölkerung von ca. 3000 Individuen in 1909 sind nach etwas mehr als 100 Jahren nur noch zwei Tiere übrig. Im März 2018 starb das letzte männliche Breitmaulnashorn, Sudan, an Altersschwäche. Es gibt keine wildlebenden Nördlichen Breitmaulnashörner mehr und keine der in menschlicher Obhut lebenden Nördlichen Breitmaulnashornkühe können alters- und krankheitsbedingt Nachwuchs zur Welt bringen. Die geringe Zahl der noch vorhandenen Tiere hat alle Versuche eine Population durch traditionelle Tierschutzmethoden und Zuchtprogramme zu erhalten unmöglich gemacht. Die letzten noch existierenden Nördlichen Breitmaulnashörner leben jetzt rund um die Uhr unter bewaffnetem Schutz um sie vor Wilderei zu schützen.

Nashörner sind, im Allgemeinen, symptomatisch für das Schicksal vieler Tierarten in dem von den Menschen geprägten erdgeschichtlichen Zeitraum – dem sogenannten Anthropozän – währen dessen die Aussterberate von Tierarten wesentlich höher ist als die natürliche Verlustrate. Das wahrscheinliche Aussterben von vielen Nashornarten in der näheren Zukunft ist direkt auf die Menschen zurückzuführen. Der Verlust von Lebensraum, neben Bürgerkriegen, hat diese Tierarten unter großen Druck gebracht. Nashörner werden auch immer noch aktiv wegen ihren Hörnern gewildert. Gerade in den letzten zwei Jahrzehnten sind die Zahlen der von Wilderen pro Jahr getöteten Tiere wieder stark angestiegen. Während der 1990er überstiegen die von Jägern im südlichen Afrika getöteten Nashörner nie mehr als 24 bekannte Fälle pro Jahr. Seit 2000 kam es zu einem drastischen Anstieg. In 2014 wurden 1215 Nashörner in einem einzigen Jahr in Südafrika getötet. Trotz einem kleinen Rückgang fallen immer noch, jährlich, mehr als 1000 Tiere pro Jahr Wilderern zum Opfer. Auch der massive Rückgang der Nördlichen Breitmaulnashörner lässt sich auf Wilderei zurückführen. Allein zwischen 1970 und 1980 sank die Population von noch 500 Tieren auf nur noch 15. Seit 2011 ist kein wildlebendes Nördliches Breitmaulnashorn mehr bekannt.

Der illegale Tierhandel inklusive dem Handel mit dem Horn von Nashörnern ist jetzt, neben dem Drogenhandel, einer der größten kriminellen Geldströme der auch durch organisierte Kriminalität und Terrorismusorganisationen gesteuert und genutzt wird. Das Horn von Nashörnern ist relative einfach zu schmuggeln und inzwischen, per Kilogramm, mehr wert als Gold. Der Handel mit Horn ist ein Geschäft der Ausnützung und Täuschung. Den meisten Käufer von gemahlenem Horn in Asian wird weiß gemacht das es ein Heilmittel für eine große Menge an Krankheiten ist – auch für chronische und schwere Krankheiten wie Krebs. Da gerade Asiatische Länder eine immer wohlhabendere Bevölkerung besitzen, wird auch Wilderei und der illegale Handel für Kriminelle interessanter. Im Endeffekt werden Nashörner gewildert weil Schwindler den Mythos des heilsamen Horns gezielt nutzen um Menschen zu täuschen und ihnen Geld zu entziehen.

Die Geschichte von Menschen und Nashörnern zeigt aber auch wie Menschen durch gezielte Tierschutzmaßnahmen Gutes tun können. Südliche Breitmaulnashörner sind beispielhaft für die Rettung einer Tierart durch ein gezieltes Schutzprogramm. Südliche Breitmaulnashörner wurden, nachdem Europäer sie intensive gejagt hatten, gegen Ende des 19.Jahrhunderts für ausgestorben gehalten. 1895 wurde noch Population von weniger als 100 Tieren entdeckt. Heute ist die Art mit ungefähr 19.600-21.000 Tieren die zahlreichste der noch existierenden Nashornarten, auch wenn Wilderei sie seit einiger Zeit wieder bedroht. Die Nördlichen Breitmaulnashörner sind, als eine Art, heute in einer viel dramatischeren Lage im Vergleich zu der Situation in der die Südlichen Breitmaulnashörner am Ende der 1890er durch die Jagd von Europäern geraten waren.