Luchs im Wald
Photo: IZW

Tierart Luchs

Der Luchs steht als Raubtier am Ende der Nahrungskette. Sein Vorhandensein spricht für eine gesunde und intakte Umwelt.

Auf dem europäischen Kontinent sind drei Katzenarten beheimatet: die Europäische Wildkatze, der Eurasische Luchs und der Pardelluchs, auch Iberischer Luchs genannt.

Weltweit gibt es 36 Katzenarten, von denen alle, mit Ausnahme unserer Hauskatze, gefährdet sind. 25 dieser Katzenarten stehen sogar auf der Roten Liste, so etwa der Sibirische Tiger, die Wildkatze oder auch der Iberische Luchs. Luchse bilden eine eigene Gattung innerhalb der Gruppe der Felidae, der sogenannten Katzenartigen.

Beheimatet ist der Luchs ausschließlich auf der Nordhalbkugel. Sein Verbreitungsgebiet erstreckt sich beinahe über den gesamten Nordamerikanischen Kontinent, Nordeuropa, Russland und China. Darüber hinaus ist der Luchs aber auch in der Türkei, Rumänien, der Schweiz und Spanien anzutreffen. In Deutschland ist der Luchs seit über 100 Jahren ausgestorben, doch ehrgeizige Wiederansiedlungsprojekte im Harz und im Bayerischen Wald haben dazu geführt, dass sich diese scheue Katzenart auch in unseren Wäldern wieder zu Hause fühlt. Dieser Heimatfaktor sollte den Luchs für uns umso interessanter machen, schließlich können wir diese seltene Katzenart mit sehr viel Glück direkt vor unserer Haustür antreffen.  Aber auch in vielen Zoos und Wildtiergehegen Deutschlands ist der Luchs zu bewundern.

Die Rückkehr des Luchses in unsere Wälder wird jedoch nicht von allen Menschen begrüßt. Einige begegnen diesem Raubtier mit Vorurteilen oder Ablehnung, vor allem dort, wo sich die Nutzungsansprüche an die Natur von Mensch und Tier überschneiden. Dabei ist der Luchs als Raubtier am Ende der Nahrungskette ein Indikator für eine gesunde, intakte Umwelt.

Systematisch unterscheidet man den Luchs in vier Arten, die an dieser Stelle kurz vorgestellt werden sollen.

Klicke auf einen der Luchse, um mehr zu erfahren!

Eurasischer Luchs

Eurasischer Luchs
Eurasischer Luchs

Der Eurasische Luchs, der in weiten Teilen Europas und Asiens beheimatet ist, zählt neben dem Wolf und dem Braunbären zu den größten Raubtieren des europäischen Kontinents. Auch wenn der Eurasische Luchs zahlreiche Erscheinungsmerkmale mit seinen nordamerikanischen Artgenossen teilt, so ist dieser im Vergleich wesentlich größer und schwerer als der Kanadaluchs. Das Fell des Eurasischen Luchses changiert je nach Jahreszeit zwischen einem gelblichen Braunton und einem silbrigen Grau. In der Regel ist die dunkle Fleckung des Luchses in den Sommermonaten ausgeprägter. Die Fellzeichnung ist von Luchs zu Luchs unterschiedlich stark ausgebildet und kann sogar ganz fehlen.

Wie alle anderen Luchsarten ist auch der Eurasische Luchs ein Überraschungs- und Lauerjäger, der vor allem während der Dämmerung auf Beutezug geht. Fast drei Kilogramm Nahrung braucht ein ausgewachsener Luchs pro Tag. Auf seiner Speisekarte stehen hauptsächlich Füchse, Kaninchen, kleine Wildschweine, aber auch Rehe und Hirsche.

War der Eurasische Luchs in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts in Mitteleuropa beinahe ausgestorben, so hat sich, dank intensiver Wiederansiedlungsmaßnahmen, die Zahl der Eurasischen Luchse in Europa weitgehend stabilisiert. Schätzungsweise 7000 Exemplare sollen in den Wäldern unseres Kontinents beheimatet sein. Besonders in den abgelegenen Regionen der Karpaten und in Finnland gibt es noch heute große Luchspopulationen.

Die intensive Landwirtschaft in Mittel- und Westeuropa jedoch hat den Luchs seines natürlichen Lebensraumes beraubt, so dass es fraglich ist, ob der Luchs sich aus eigener Kraft seine alten Reviere zurückerobern kann. Ob dieser scheue Räuber jemals wieder in Deutschland beheimatet sein wird, ist auch davon abhängig, ob wir ihn nicht als Bedrohung wahrnehmen, sondern ihm seinen ursprünglichen Lebensraum in den Mittelgebirgen Deutschlands überlassen.

Pardelluchs

Iberischer Luchs
Iberischer Luchs

Es ist fünf vor zwölf für den Iberischen Luchs! Wenn nicht bald alle Kräfte und Mittel gebündelt werden, nicht schnellstens die angewandten Maßnahmen Wirkung zeigen und nicht bald das Schicksal des Iberischen Luchses die Menschen in ganz Europa interessiert, dann wird der Iberische Luchs für immer von unserem Planeten verschwinden. Unwiederbringlich. Und damit ist der Iberische Luchs, auch Pardelluchs genannt, 10.000 Jahre nach dem Säbelzahntiger die nächste Katzenart, deren Aussterben eine traurige Leerstelle in der Welt der Tiere hinterlassen wird. Doch noch ist es nicht zu spät!

Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet des Pardelluchses erstreckte sich über die gesamte Iberische Halbinsel. In den 1960er Jahren lebten schätzungsweise noch zirka 3000 Luchse in Spanien und Portugal. 

Massive Brandrodung der mediterranen Buschwälder Spaniens und Portugals, intensive Landwirtschaft mit einhergehender künstlicher Bewässerung der Felder, der Rückgang der Kaninchenpopulation durch Jagd und Seuchen sowie eingeschleppte Krankheiten haben dazu geführt, dass die Zahl der Pardelluchse dramatisch eingebrochen ist. 2002 lebten noch rund 200 Iberische Luchse in Spanien. In Portugal hingegen gilt diese Luchsart bereits als ausgestorben. Die beiden größten Luchshabitate der Halbinsel liegen in Andalusien im Nationalpark "Cota de Donana und Sierra de Andujar". 

Hier findet der Pardelluchs noch seinen ursprünglichen Lebensraum vor: baum- und strauchbestandenes offenes Land, Pinienhaine mit dichtem Unterwuchs und Korkeichenwälder. Sein gelblich braunes Fell, das wesentlich kürzer und nicht so dicht ist, wie das des Eurasischen Luchses, bietet dem Pardelluchs eine gute Anpassung an Umwelt und Klima. Wie bei allen Luchsarten so sind auch bei dem Iberischen Luchs die Hinterläufe zirka 20 Prozent länger als die Vorderbeine. Auch besitzt er die charakteristischen Pinselohren, den kurzen Stummelschwanz mit dunkler Spitze und die braunen Fellzeichnungen auf Kopf und Rumpf. Bauch und Halspartie des Luchses sind hingegen weiß gefärbt. Besonders ausgeprägt sind die Barthaare des Iberischen Luchses. Wie auch seine bis zu drei Zentimeter langen Pinselhaare auf den spitzen Ohren, helfen sie ihm sich zu orientieren und seine Beute zu lokalisieren.

Mit einer Größe von bis zu einem Meter zehn und einem Gewicht von rund 12 Kilogramm ist der Iberische Luchs deutlich kleiner als sein Verwandter aus Nord- und Mitteleuropa. 

Aufgrund seiner geringeren Körpergröße zählen hauptsächlich Wildkaninchen und Kleinsäuger zur Beute des Iberischen Luchses. Mit einem Kilogramm Fleisch frisst der Pardelluchs nur etwa halb so viel wie der Eurasische Luchs. Anders als andere Luchse verzehrt der Iberische Luchs seine Beute nicht an Ort und Stelle, sondern schleppt sie über längere Distanzen fort, um sie an einem geschützten Platz zu zerlegen. Von dieser Verhaltensweise profitiert auch der Nachwuchs des Pardelluchses, der so ungestört von anderen Räubern fressen kann. 

In der Regel kommen die kleinen Luchse zwischen März und September zur Welt. Ein Wurf besteht durchschnittlich aus zwei bis drei Kätzchen, die bei ihrer Geburt zwischen 200 und 250 Gramm wiegen. Bis zu ihrem 20. Lebensmonat bleiben die kleinen Pardelluchse bei ihrer Mutter. Das Überleben der Jungtiere hängt hauptsächlich von dem Wildkaninchenbestand in ihrem Habitat ab. Verschwindet das Wildkaninchen von der Iberischen Halbinsel, bedeutet dies das endgültige Aus für den Pardelluchs. Die Vernichtung seines ursprünglichen Lebensraumes hat dazu geführt, dass der Iberische Luchs in einen „Strudel des Aussterbens“ geraten ist. Er wird auf der Roten Liste gefährdeter Arten als „vom Aussterben bedroht“ eingestuft. Jeder weitere Eingriff in die Umwelt des Luchses führt unweigerlich dazu, dass diese seltene Katzenart immer tiefer in jenen Strudel gerät. Ohne die Hilfe spezieller Erhaltungszuchtprogramme und ohne die Hilfe engagierter Menschen wird es bald zu spät für den Iberischen Luchs sein!

Kanadaluchs

Kanadaluchs
Kanadaluchs

In den Wäldern Kanadas, Alaskas und den nördlichen Bundesstaaten der USA siedelt der Kanadaluchs.  Mit seinem langen, dichten Fell ist er perfekt an die winterliche Kälte in diesen nördlich gelegenen Regionen angepasst. Während der kalten Jahreszeit ist das Fell des Kanadaluchses silbrig braun. Im Sommer hingegen besitzt es eher einen rötlich braunen Farbton. Damit ist der Luchs zu jeder Jahreszeit hervorragend an seine Umwelt angepasst. Darüber hinaus kann der Kanadaluchs mit seinen überdurchschnittlich großen Tatzen sicher über tiefen Schnee laufen ohne einzusinken.

Alle ein bis zwei Tage muss der Kanadaluchs auf die Jagd gehen. Zu seiner Beute zählen vornehmlich Nagetiere, Vögel, Schneeschuhhasen und in seltenen Fällen auch kleine Hirsche. Nur in Notzeiten frisst der Luchs Aas. Da es vorkommt, dass diese nachtaktive Kleinkatze sich auch einmal an Haustieren vergreift, wird der Kanadaluchs immer noch illegal gejagt. Dennoch zählt der Kanadaluchs, im Gegensatz zu seinen auf dem eurasischen Kontinent lebenden Verwandten, zu den weniger bedrohten Arten. 

Rotluchs

Rotluchs
Rotluchs

Ebenfalls auf dem Nordamerikanischen Kontinent beheimatet ist der Rotluchs. Sein Verbreitungsgebiet reicht vom südlichen Kanada bis nach Mexiko. Da Rotluchse sehr anpassungsfähig sind, bewohnen sie ein breites Spektrum an Lebensräumen, wie etwa Halbwüsten, Wälder und Sumpfgebiete. Sogar in der Nähe von Städten kann man den Luchs antreffen. Wenn Rückzugsmöglichkeiten geboten sind, nutzt der Rotluchs darüber hinaus auch landwirtschaftlich bebaute Flächen als Jagdrevier.

Wie auch alle anderen Katzen, markiert der Rotluchs sein Revier durch Harn und Losung, sowie durch Kratzspuren an Bäumen.

Diese kleinste aller Luchsarten zeichnet sich durch ihr rötlich geflecktes Fell aus. Je nach Siedlungsgebiet kann das Fell des Rotluchses heller oder dunkler gefärbt sein.

Das Beutespektrum des Rotluchses richtet sich nach dem Nahrungsangebot seines jeweiligen Umfeldes. Schneeschuhhasen im Norden und Baumwollkaninchen im Süden stellen die Hauptnahrungsquelle des Rotluchses dar.

In freier Wildbahn lebende Rotluchse werden durchschnittlich bis zu acht Jahren alt. Sie haben kaum natürliche Fressfeinde. Die größte Gefahr für den Rotluchs ist und bleibt der Mensch.  Bejagung durch den Menschen, Krankheiten und Unfälle sind die häufigsten Todesursachen des Rotluchses. Aufgrund seiner Anpassungsfähigkeit an sich ständig verändernde Lebensräume wird der Rotluchs bisher noch nicht zu den vom Aussterben bedrohten Tierarten gezählt.

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