Morphologische Sammlung

Die Forschungs- und Belegsammlung von Schädeln und Skelettteilen sowie formalinfixierten Präparaten wurde seit der Gründung des IZW im Jahr 1992 aufgebaut und kontinuierlich weitergeführt. Die meisten Präparate stammen aus Obduktionen, die die Pathologen des IZW regelmäßig durchführen. Für spätere evolutionsmorphologische Arbeiten werden die Proben in tiefgefrorenem Zustand aufbewahrt. Zahlreiche Sammlungsstücke bildeten die Grundlage für wissenschaftliche Untersuchungen im Bereich der evolutionären Morphologie und wurden mit Hilfe der In-Wasser-Methode vergleichend-anatomisch präpariert und fotografisch dokumentiert. Im Rahmen der Präparationen wurden relevante Gewebeteile und Organe in Formalin überführt und als Belege oder für spätere histologische Untersuchungen aufbewahrt. Ausgewählte Exemplare wurden vor der Präparation mit dem Computertomographen des IZW gescannt und in virtuellen Schnittserien sowie 3D-Rekonstruktionen analysiert. Anschließend wurden die präparierten und zum Teil auch nicht präparierten Exemplare in der Mazeration des IZW skelettiert. Nachdem die Schädel und Skelettteile einen längeren Prozess der Reinigung und Rekonstruktion durchlaufen haben, werden sie in Vitrinen des Ausstellungsbereichs im ersten Stock des IZW präsentiert. Der aktuelle Bestand umfasst ca. 220 Arten. Es bestehen Verbindungen zur pathologisch-anatomischen Referenzsammlung (PARS), da für präparierte Individuen nicht nur Skelettteile, sondern zusätzlich auch Gewebeproben und Post-Mortem-Diagnosen vorliegen können.

Die Forschungsprojekte im Bereich der Evolutionsmorphologie am IZW zielen darauf ab, vergleichend-anatomische, physiologische und verhaltensbezogene Ergebnisse zu integrieren. Beispiele dafür sind die Arbeiten zu den Brunftrufen männlicher Saigas (Saiga tatarica tatarica), die durch die Nase erzeugt werden; ferner die Arbeiten zum descendierten und mobilen Kehlkopf männlicher Mongolei-Gazellen (Procapra gutturosa) und Kropfgazellen (Gazella subgutturosa) während der Brunft, sowie die Arbeiten zur Anatomie der Stimmorgane und den Brunftrufen iberischer Rothirsche (Cervus elaphus hispanicus) (Frey et al. 2007, 2008a, b, 2011, 2012). Manuelle graphische Rekonstruktionen, virtuelle 3D-Rekonstruktionen auf der Basis computertomographischer Scans, Einzelbildvideoanalysen, digitale Rekonstruktionen sowie die Analyse akustischer Originalaufnahmen werden integriert, um eine umfassende Darstellung der Ergebnisse zu erzielen. Eine wichtige Voraussetzung dafür ist eine gute Sammlung sorgfältig konservierter Skelettexemplare.

Abgesehen von ihrer Verwendung zu Forschungszwecken werden Präparate der Sammlung, dokumentierende Fotos, graphische Rekonstruktionen und CT-basierte 3D-Rekonstruktionen einzelner Exemplare regelmäßig für die akademische Lehre genutzt. Nicht zuletzt dokumentiert die morphologische Sammlung des IZW einen Aspekt der Biodiversität im Bereich der Wirbeltiere und stellt anschaulich dar, wie ein Grundmuster im Laufe der Evolution auf vielfache Weise abgewandelt werden kann.

Ausgewählte Publikationen

Frey R, Volodin I, Volodina E, Carranza J, Torres J (2012) Vocal anatomy, tongue protrusion behaviour and the acoustics of rutting roars in free-ranging Iberian red deer stags (Cervus elaphus hispanicus). J Anat 220: 271-292.

Frey R, Volodin I, Volodina E, Soldatova NV, Juldaschev ET (2011) Descended and mobile larynx, vocal tract elongation and rutting roars in male goitred gazelles (Gazella subgutturosa Güldenstaedt, 1780). J Anat 218: 566-585.

Frey R, Gebler A, Olson KA, Odonkhuu D, Fritsch G, Batsaikhan N, Stuermer IW (2008) Head anatomy of male and female Mongolian gazelle – a striking example of sexual dimorphism. In: Endo H, Frey R (eds), Anatomical Imaging – towards a new morphology. Tokyo, Springer: 1-13.

Frey R, Gebler A, Olson KA, Odonkhuu D, Fritsch G, Batsaikhan N, Stuermer IW (2008) Mobile Larynx in Mongolian Gazelle - Retraction of the larynx during rutting barks in male Mongolian gazelle (Procapra gutturosa Pallas, 1777). J Morphol 269, 1223-1237.

Frey R, Volodin I, Volodina E (2007) A nose that roars: anatomical specializations and behavioural features of rutting male saiga. J Anat 211, 717-736.