Die Rettung einer schon ausgestorbenen Art

Das Aussterben der Südlichen Breitmaulnashörner wurde durch die Arbeit von Umwelt- und Naturschützern verhindert. Es ist eine der größten Erfolgsgeschichten des Tierschutzes. Unsere heute Technologie, insbesondere künstliche Befruchtungstechnik und Stammzellenforschung eröffnet uns die Möglichkeit auch das Nördliche Breitmaulnashorn zu retten, trotz der inzwischen so geringen Zahl der Tiere. 2015 wurde ein Plan von  Wissenschaftlern, wissenschaftlichen Instituten und Naturschutzpartnern die direkt mit den Nördlichen Breitmaulnashörnern arbeiten entwickelt. Als eine zweigliedrige Vorgehensweise zielt der Plan darauf Künstliche Befruchtungstechniken wie sie in der modernen Tierhaltung häufig eingesetzt werden und sie durch die Stammzellenforschung der letzten Jahrzehnte zu verstärken.

 

Ein Zusammenschluss von Wissenschaftlern, Tierschützern und anderen Unterstützern um Prof. Dr. Thomas Hildebrandt, Spezialist für Reproduktionsmanagement, Prof. Cesare Galli und Dr. Sebastian Diecke, haben wann immer möglich, und oft in Eigeninitiative, Sperma und Eizellen des Nördlichen Breitmaulnashorns gesichert. Das Material ist in flüssigem Stickstoff bei -196°C gelagert und kann so für Jahrzehnte erhalten bleiben. Nashörner haben einen gemeinsamen Vorfahren mit den domestizierten Pferden, bei denen, in der heutigen Tierzucht, künstliche Befruchtung ein Routineverfahren ist. Die Anpassung auch von weitentwickelten Technologien auf eine neue Tierart ist aber ein komplexes Unterfangen: Nashörner sind wesentlich größere Tiere als Pferde und schwer zu handhaben. Da die Eierstücke von Nashornkühen ca. 1,5 Meter im inneren der Tiere liegt, und da die Eizellen einen sehr kleinen Durchmesser haben, können existierende Werkzeuge und Verfahren nicht angewandt werden. Da die Tiere während der Entnahme unter Betäubung stehen kann die Eizellenentnahme nur selten und mit ausrechend gesunden Tieren durchgeführt werden. Die Embryos die durch künstliche Befruchtung entstehen können, könnten in Südliche Breitmaulnashornkühe implantiert werden, welche dann als Leihmütter für eine erste kleine Population von Nördlichen Breitmaulnashörnern dienen könnten.

Andererseits ist künstliche Befruchtung alleine nicht genug um eine Population von Nördlichen Breitmaulnashörnern zu etablieren die genetisch Vielfältig genug ist um stabil zu sein. Die noch vorhandenen und gelagertem Spermien und Eizellen stammen von zu wenigen Individuen. Durch die Manipulation von Körperzellen aus noch existierenden Gewebeproben anderer Nördlicher Breitmaulnashörner ist es möglich pluripotente Stammzellen zu gewinnen. Pluripotente Stammzellen haben die Fähigkeit sich unbegrenzt selbst zu erneuern und können sich in jede beliebige Zelle eines lebenden Organismus weiterentwickeln. Diese Technik macht es möglich embryonische Zellen zu züchten die sich, durch künstliche Befruchtung, in lebende Organismen entwickeln können. Durch den Einsatz von Stammzellenforschung könnte so das genetische Material das für künstliche Befruchtung und das Heranzüchten von Nördlichen Breitmaulnashornembryos zur Verfügung steht stark erweitert werden. In  Kombination miteinander könnten diese beiden Herangehensweisen die geringe Genetische Vielfalt, an der die künstliche Befruchtung als einzige Methode scheitern würde, überbrücken.

Heute, in 2018, ist der erste Teil des Plans weit fortgeschritten: Über die letzten zehn Jahren hat Hildebrandt und sein Team ein inzwischen patentiertes Gerät entwickelt mit dem sich Oozyten von Nördlichen Breitmaulnashörnern und von anderen großen Säugetieren entnehmen lassen. Das ultraschallgeführte Gerät wird transrektal im Nashorn platziert. Sobald ein Follikel auf dem Bildschirm des Ultraschall-Laptops erscheint, kann eine spezielle Nadel aktiviert werden, die durch die Darmwand in den Eierstock sticht und die Eizelle aus dem Follikel entnimmt. Die Wissenschaftler haben inzwischen über 20 Eizellenentnahmen an Südlichen Breitmaulnashörnern durchgeführt. Die erste erfolgreiche Entwicklung eines Hybrid-Embryos ist ein bedeutender Schritt in Richtung Geburt ist ein enormer Durchbrauch da es schon jetzt die Hälfte der genetischen Informationen eines Nördlichen Breitmaulnashorns sichert. Die Embryos sind jetzt gefriergetrocknet für einen möglichen Embryotransfer zu Südlichen Breitmaulnashörnern in der Zukunft.