Ökologie von Wildschweinen in urbanen Lebensräumen

Milena Stillfried, Konstantin Börner, Stephanie Kramer-Schadt, Sylvia Ortmann

Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung, Berliner Forsten, Stiftung Naturschutz Berlin, Humboldt-Universität Berlin

Die zunehmende Zahl an Wildschweinen im Stadtgebiet Berlins verursacht enorme Konflikte mit der Bevölkerung und stellt Jäger, Förster und zuständige Behörden vor die Aufgabe, ein effektives Management zu entwickeln, welches Konflikte langfristig vermeiden soll. Diese Aufgabe stellt sich als besonders schwierig heraus, da es noch keine wissenschaftlich begleitete Datenerhebung zu Wildschweinen im Stadtgebiet gibt und daher das Verständnis über die Ökologie der Tiere noch lückenhaft ist. Die geplante Dissertation verfolgt das Ziel, möglichst umfassende Aussagen zur spezifischen Ökologie des Wildschweins in Berlin als Modellstadt zu erarbeiten. Dabei wird die Hypothese untersucht, dass Berlin einen attraktiven Lebensraum darstellt, der Wildschweine aus dem Umland anlockt.

Zum Überprüfen der Hypothese werden Wildschweine gefangen und mit Telemetriesendern ausgestattet, um die Raumnutzung und Habitat-Nutzung zu untersuchen. Weiterhin werden Proben von bei Jagden erlegten Tieren gesammelt, um Analysen zu folgenden Themenbereichen durchführen zu können: Genetik, Lebenslauf-Strategien (Wurfgröße, Reproduktionsmuster etc.), Nahrungsökologie, Gesundheitszustand und Stressbelastung. Um die Stressbelastung überprüfen zu können, wird im Rahmen einer Validierungsstudie eine Referenzkurve zum Stressnachweis bei Wildschweinen erstellt.

Alle Analysen sollen dabei sowohl innerhalb der Stadt also auch in der Peripherie und in ländlichen Regionen durchgeführt werden, um das Verhalten der Wildschweine entlang des urbanen Gradienten zu verstehen. Die Ergebnisse sollen in Management-Empfehlungen münden und zum Lösen aktueller Konflikte zwischen Menschen und Wildtier beitragen.

Kontakt: citizenscience@izw-berlin.de