Einsatz von Lebendfallen für Waschbären auf dem Gelände des Freizeitparks Marienfelde für den Artenschutz

Waschbär mit GPS-Halsband. Foto: Carolin Weh/Leibniz-IZW
Waschbär mit GPS-Halsband. Foto: Carolin Weh/Leibniz-IZW

Wissenschaftler vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) erforschen Waschbären in Berlin.

Nicht nur heimische Wildtiere, wie Füchse und Wildschweine, auch den ursprünglich aus Amerika stammenden Waschbären (Procyon lotor) zieht es seit einiger Zeit immer mehr in die Stadt. Um deren Lebensweise genauer zu untersuchen, werden nun vom Leibniz-IZW im Freizeitpark Marienfelde Lebendfallen aufgestellt. Gefangene Tiere werden mit GPS-Halsbändern sowie individuellen Ohrmarken ausgestattet und an Ort und Stelle wieder freigelassen.

Ziel ist es, herauszufinden, in welchem Maße sich die Waschbären von Wechselkröten ernähren. Denn diese Amphibien werden in Deutschland auf der Roten Liste der „Internationalen Union zur Bewahrung der Natur und natürlicher Ressourcen“ (IUCN) als gefährdete Arten aufgeführt. Gesammelte GPS-Daten sollen Aufschluss über die Raumnutzung der Waschbären geben. So lassen sich u.a. auch die Latrinen der Tiere finden, welches die Entnahme von Kotproben ermöglicht. Durch ihre Analyse können wichtige Informationen über die Ernährung der Waschbären gewonnen werden.

Das Untersuchungsgebiet ist der Freizeitpark Marienfelde. Dieser eignet sich für die Fragestellung ganz besonders, da er einen Wechselkrötenteich beherbergt. Wechselkröten und andere Amphibien stehen vermutlich auf dem Speiseplan des Waschbären. „Mit unserer Untersuchung wollen wir herausfinden, ob ein Neuankömmling wie der Waschbär nachteilige Einflüsse auf die bedrohte heimische Tierwelt hat“, erklärt Carolin Weh, Doktorandin am Leibniz-IZW. Neuankömmlinge wie Waschbären gehören zu den Tierarten, die sich in einem Gebiet außerhalb ihrer ursprünglichen Heimat erfolgreich angesiedelt haben, häufig genug verursacht durch menschliche Aktivitäten.

Der Waschbär wird seit dem 17. Juni 2016 auf der EU-Durchführungsverordnung 2016/1141 gelistet und zählt somit zu den „invasiven gebietsfremden Arten von unionsweiter Bedeutung“. Um negative Einflüsse von Waschbären auf hiesige Lebensräume gut abschätzen zu können, ist Forschung in diesem Bereich also dringend erforderlich. Die Studie wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert und vom Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg unterstützt. 

Kontakt:
Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW)
im Forschungsverbund Berlin e.V.
Alfred-Kowalke-Str. 17
10315 Berlin
Germany
 
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Tel.: +49-30-5168-453
 
Steven Seet (Presse)
Tel.: +49 30 5168-125
 
Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg
Rathaus Schöneberg
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10825 Berlin
 
Bezirksstadtrat Daniel Krüger
Tel:  +49-30-90277 – 2260
 
Quellen:

 

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Hintergrundinformation:

Das Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) ist eine national und international renommierte Forschungseinrichtung der Leibniz-Gemeinschaft. Mit den Forschungszielen „Anpassungsfähigkeit verstehen und verbessern“ untersucht es die evolutionären Anpassungen von Wildtierpopulationen und ihre Belastungen durch den globalen Wandel und entwickelt neue Konzepte und Maßnahmen für den Artenschutz. Dafür setzt es seine breite interdisziplinäre Kompetenz in Evolutionsökologie und –genetik, Wildtierkrankheiten, Reproduktionsbiologie und –management im engen Dialog mit Interessensgruppen und der Öffentlichkeit ein.

Das IZW gehört zum Forschungsverbund Berlin e.V.

Die Leibniz-Gemeinschaft verbindet 89 selbständige Forschungseinrichtungen. Deren Ausrichtung reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Raum- und Sozialwissenschaften bis zu den Geisteswissenschaften. Leibniz-Institute bearbeiten gesellschaftlich, ökonomisch und ökologisch relevante Fragestellungen. Sie betreiben erkenntnis- und anwendungsorientierte Grundlagenforschung. Sie unterhalten wissenschaftliche Infrastrukturen und bieten forschungsbasierte Dienstleistungen an. Die Leibniz-Gemeinschaft setzt Schwerpunkte im Wissenstransfer in Richtung Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Öffentlichkeit. Leibniz-Institute pflegen intensive Kooperationen mit den Hochschulen ‑ u.a. in Form der WissenschaftsCampi ‑, mit der Industrie und anderen Partnern im In- und Ausland. Sie unterliegen einem maßstabsetzenden transparenten und unabhängigen Begutachtungsverfahren. Aufgrund ihrer gesamtstaatlichen Bedeutung fördern Bund und Länder die Institute der Leibniz-Gemeinschaft gemeinsam. Die Leibniz-Institute beschäftigen rund 17.500 Personen, darunter 8.800 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Der Gesamtetat der Institute liegt bei 1,5 Milliarden Euro.

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