Leibniz-IZW erhält Auszeichnung der „UN-Dekade Biologische Vielfalt“

Foto: Ralf Günther
Foto: Ralf Günther

Das „Sabah-Nashorn Projekt“ des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) wurde als offizielles Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgezeichnet. Diese Ehrung wird an Projekte verliehen, die sich in außerordentlicher Weise für den Erhalt der biologischen Vielfalt einsetzen.

Das Leibniz-IZW erhält die Auszeichnung der „UN-Dekade Biologische Vielfalt“ für ein Forschungsprojekt zum Schutze des Sabah-Nashorns auf Borneo. Ausgezeichnet wurde der wissenschaftliche Beitrag des Projektes zum Erhalt der biologischen Vielfalt in Südostasien und die eigens für das Projekt entwickelte internationale Kommunikationskampagne. Die Preisverleihung fand im Rahmen der „Zoo-Aktionstage“ im Zoo Leipzig, auf der Bühne des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR), am 8. Oktober 2016 statt.

Die Auszeichnung zum UN-Dekade-Projekt findet im Rahmen der Aktivitäten zur UN-Dekade Biologische Vielfalt statt, die von den Vereinten Nationen für den Zeitraum von 2011 bis 2020 ausgerufen wurde. Die Auszeichnung dient als Qualitätssiegel und macht den Beteiligten bewusst, dass ihr Einsatz für die lebendige Vielfalt Teil einer weltweiten Strategie ist. Möglichst viele Menschen sollen sich von diesen vorbildlichen Aktivitäten begeistern lassen und die ausgezeichneten Projekte als Beispiel zu nehmen, selbst im Naturschutz aktiv zu werden. Ziel der internationalen Dekade ist es, den weltweiten Rückgang der biologischen Vielfalt (Biodiversität) aufzuhalten.

„Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Forschungsprojekt zum „Erhalt und Schutz des Sabah-Nashorns“ ist die Umsetzung eines innovativen Forschungsansatzes zur Bekämpfung des allgegenwärtigen Verlustes der biologischen Vielfalt“, erklärt Thomas Hildebrandt, Abteilungsleiter Reproduktions­management am Leibniz-IZW.

Das Leibniz-IZW, der Zoo Leipzig (ZL) und die Berliner Kreativagentur dan pearlman Marken- und Erlebnisarchitektur GmbH  entwickelten für das Forschungsprojekt ein medienwirksames Corporate Design und setzten eine weltweite Kommunikationskampagne um. „Das breite Spektrum an Kommunikationsmaßnahmen hebt die  Bedeutung von Forschung für den Artenschutz und den Erhalt der natürlichen Ressourcen emotional begreifbar hervor“, erklärt Steven Seet, Leiter der Presse & Kommunikation am Leibniz-IZW. Nicole Srock-Stanley, CEO dan pearlman, ergänzt: „Das Sabah Rhino Project ist unser Herzensprojekt. Einer bedrohten Tierart zu maximaler, medialer Aufmerksamkeit zu verhelfen, war das erklärte Ziel der Kommunikationskampagne, in die wir unsere Erfahrungen als Markenentwickler und Zooexperten einbringen konnten.“ Mit finanzieller und medialer Unterstützung des BMBF produzierte das Leibniz-IZW unter anderem vier Kurzfilme über den Verlust der biologischen Vielfalt (https://www.youtube.com/user/izwberlin). Die Filme wurden in den Sprachen Deutsch, Englisch und Malaysisch veröffentlicht und für das '2. Deauville Green Awards'-Filmfestival 2013 in Frankreich nominiert.

Das Leibniz-IZW, der Zoo Leipzig, die Staatsregierung des Bundesstaates Sabah von Malaysia, die Borneo Rhino Alliance (BORA) und der Rhino and Forest Fund (RFF) verständigten sich darauf, partnerschaftlich die Expertisen und Ressourcen zu bündeln, um dem Verlust von Biodiversität in Sabah entschieden entgegen zu treten. Mit Hilfe der Wissenschaft wird die Zahl der verbliebenen Nashörner in den Regenwäldern Borneos untersucht und versucht, ihre Fortpflanzungschancen zu verbessern. „Der RFF schafft durch Wiederaufforstung Korridore, die Nashornhabitate miteinander verbinden und eine Vernetzung von isolierten Nashörnern ermöglichen“, sagt Petra Kretzschmar, Gründungsmitglied des RFF und Wissenschaftlerin am Leibniz-IZW.

Das Sabah-Nashorn (Dicerorhinus sumatrensis harrissoni), eine Unterart des Sumatra-Nashorns, ist mit nur einem Meter dreißig Schulterhöhe das kleinste Nashorn der Welt. Borneo ist aufgrund seiner weltweit ältesten Regenwälder und seiner einzigartigen Pflanzen- und Tierwelt einer der zentralen Orte (Hotspots) für die Biodiversität auf unserer Erde. Mit weniger als zehn lebenden Individuen ist das Sabah-Nashorn, neben dem „Nördlichen Breitmaulnashorn“ in Afrika (nur noch drei lebende Individuen), auch die am stärksten vom Aussterben bedrohte Nashornart auf unserem Planeten. Sabah-Nashörner leben in den Flachlandregenwäldern Borneos. Der Anbau von Ölpalmen zur Gewinnung von Palmöl gefährdet diesen Lebensraum. Wenn das Sabah-Nashorn ausstirbt, verlieren die Wälder nicht nur eine charismatische Tierart, sondern möglicherweise in Zukunft auch ihren hohen Schutzstatus. Unzählige andere Arten, die im selben Lebensraum und somit unter dem „ökologischen Schutzmantel" des Nashorns leben („Umbrella-Art", engl. umbrella - Regenschirm) sind dann von der Umwandlung des Waldes in Agrarland gefährdet.

„Mit diesem vorbildlichen Projekt wird ein bedeutendes Zeichen für das Engagement für die biologische Vielfalt gesetzt. Dieser Einsatz hat die Juroren und Jurorinnen des UN-Dekade-Wettbewerbs sehr beeindruckt“, sagt Svana Rogalla, UN-Dekade Jugendbotschafterin. Neben einer Urkunde und einem Auszeichnungsschild erhält das Leibniz-IZW (stellvertretend für alle Projektpartner) einen „Vielfalt-Baum“, der symbolisch für die bunte Vielfalt und einzigartige Schönheit der Natur steht, zu deren Erhaltung das „Sabah-Nashorn Projekt“ einen wertvollen Beitrag leistet. Ab sofort wird das Projekt auf der deutschen UN-Dekade-Webseite unter „www.undekade-biologischevielfalt.de“ vorgestellt.

Biologische Vielfalt ist alles, was zur Vielfalt der belebten Natur beiträgt: Arten von Tieren, Pflanzen, Pilzen und Mikroorganismen, ihre Wechselwirkungen untereinander und zur Umwelt, sowie die genetische Vielfalt innerhalb der Arten und die Vielfalt der Lebensräume. Die natürliche Vielfalt zu schützen, bedeutet nicht nur, die Schönheit der Natur zu bewahren. Es bedeutet auch, die Grundlagen des Überlebens von uns allen zu sichern.

 

Kontakt:

Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) im Forschungsverbund Berlin e.V.

Alfred-Kowalke-Str. 17
10315
Berlin
Germany

Prof. Dr. Thomas Hildebrandt
Tel.: +49-30-5168-440
 
Dr. Petra Kretschmar
Tel.: +49-30-5168-513
 
Steven Seet (Presse)
Tel.: +49 30-5168-125

 

Zoo Leipzig GmbH

Pfaffendorfer Straße 29
04105 Leipzig
Frank Oberwemmer
(Referent für Artenschutz und Umweltmanagement / Conservation and Eco-Management Officer)
Tel.: +49-341-5933-515
foberwemmer@zoo-leipzig.de
 

dan pearlman Markenarchitektur GmbH

Gesellschaft von Architekten und Innenarchitekten mbH
Kiefholzstraße 1, Aufgang K1, 3. Etage
12435 Berlin
Diana Bennewitz
(Head of Marketing, Corporate Communications)
Tel.: +49-30-53-000-576
d.bennewitz@danpearlman.com

 

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Hintergrundinformation:

Das Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) ist eine national und international renommierte Forschungseinrichtung der Leibniz-Gemeinschaft. Mit den Forschungszielen „Anpassungsfähigkeit verstehen und verbessern“ untersucht es die evolutionären Anpassungen von Wildtierpopulationen und ihre Belastungen durch den globalen Wandel und entwickelt neue Konzepte und Maßnahmen für den Artenschutz. Dafür setzt es seine breite interdisziplinäre Kompetenz in Evolutionsökologie und –genetik, Wildtierkrankheiten, Reproduktionsbiologie und –management im engen Dialog mit Interessensgruppen und der Öffentlichkeit ein.

Das IZW gehört zum Forschungsverbund Berlin e.V.

Die Leibniz-Gemeinschaft verbindet 89 selbständige Forschungseinrichtungen. Deren Ausrichtung reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Raum- und Sozialwissenschaften bis zu den Geisteswissenschaften. Leibniz-Institute bearbeiten gesellschaftlich, ökonomisch und ökologisch relevante Fragestellungen. Sie betreiben erkenntnis- und anwendungsorientierte Grundlagenforschung. Sie unterhalten wissenschaftliche Infrastrukturen und bieten forschungsbasierte Dienstleistungen an. Die Leibniz-Gemeinschaft setzt Schwerpunkte im Wissenstransfer in Richtung Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Öffentlichkeit. Leibniz-Institute pflegen intensive Kooperationen mit den Hochschulen ‑ u.a. in Form der WissenschaftsCampi ‑, mit der Industrie und anderen Partnern im In- und Ausland. Sie unterliegen einem maßstabsetzenden transparenten und unabhängigen Begutachtungsverfahren. Aufgrund ihrer gesamtstaatlichen Bedeutung fördern Bund und Länder die Institute der Leibniz-Gemeinschaft gemeinsam. Die Leibniz-Institute beschäftigen rund 17.500 Personen, darunter 8.800 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Der Gesamtetat der Institute liegt bei 1,5 Milliarden Euro.

www.leibniz-gemeinschaft.de

 

 

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