Wettstreit um Weibchen macht Männchen leistungsstärker – bei Fruchtfliegen

Spermien Bennett Känguru, Leibniz-IZW/Dagmar Viertel
Fruchtfliege (Violin Fly)/Patrick Debelle

Wenn sich Weibchen ihre Paarungspartner auswählen dürfen, führt das langfristig (Evolution) zu leistungsfähigeren Männchen. Das fanden Wissenschaftler der Universitäten Sheffield und St. Andrews sowie des Berliner Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung heraus. Die gemeinsame Studie wurde in der Fachzeitschrift Animal Behaviour veröffentlicht.

Dr. Allan Debelle von der Universität Sheffield nahm in der Studie männliche Balzgesänge der Fruchtfliege Drosophila pseudoobscura unter verschiedenen experimentellen Bedingungen auf. Beim Werben um Weibchen produzieren Drosophila Männchen „Liebesgesänge“, indem sie  mit ihren Flügeln schnell bis zu 6.000-mal in der Minute schlagen.

Um zu untersuchen, inwieweit die Partnerwahl der Weibchen die Evolution männlicher Gesangsmerkmale beeinflusst, wurden Fruchtfliegen in zwei verschiedenen Gruppen 110 Generationen  lang beobachtet. In der ersten Gruppe herrschte ein deutlicher Männchenüberschuss, so dass die Weibchen zwischen mehreren Männchen wählen konnten. In der zweiten Gruppe hatten die Weibchen dagegen nur die Möglichkeit, sich mit einem Männchen zu verpaaren.

Am Ende des insgesamt acht Jahre andauernden Experimentes beobachteten die WissenschaftlerInnen, dass sich die Männchen der beiden Gruppen deutlich in ihren Balzgesängen unterschieden. In der Population, in der die Weibchen frei wählen konnten, schlugen Männchen ihre Flügel schneller und länger als ihre männlichen Artgenossen unter monogamen Bedingungen.

Dr. Allan Debelle, der die Studie im Rahmen seiner Doktorarbeit unter der Leitung von Dr. Rhonda Snook an der Universität von Sheffield durchführte, deutet diese Befunde dahin gehend, dass die Partnerwahl von Weibchen die Evolution motorischer Fähigkeiten von Männchen maßgeblich beeinflussen kann: “Unsere Forschung zeigt, dass Weibchen, die in jeder Generation die freie Wahl ihres Paarungspartners haben, Selektionsdruck auf bestimmte Merkmale ausüben können. In diesem Fall erfolgte eine schrittweise Verbesserung der motorischen Leistungen des Flügelschlags von männlichen Fruchtfliegen.“

Da der Balzgesang von Fruchtfliegen eine große Muskelanstrengung erfordert, besteht die Möglichkeit, dass Männchen unter weiblicher Selektion nicht nur bessere Balzgesänge entwickeln, sondern insgesamt über eine bessere körperliche Leistung verfügen: Solche Männchen konnten ihre Flügel nicht nur in höherem Tempo, sondern auch länger schlagen.

Dr. Alexandre Courtiol, Wissenschaftler am Leibniz Institut für Zoo- und Wildtierforschung und Co-Erstautor der Studie bemerkt: „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass Männchen nicht mehr in mächtige  Körper und spektakuläre Balzrituale investieren, sobald die Weibchen diese Merkmale bei der Partnerwahl außer Acht lassen. In unseren Experimenten zeigte sich das bei den monogam gehaltenen Fruchtfliegen.“

Publikation:

Debelle A, Courtiol A, Ritchie MG, Snook RR (2017): Mate choice intensifies motor signaling in Drosophila. ANIM BEHAV https://doi.org/10.1016/j.anbehav.2017.09.014.

 

Kontakt:

Alan Debelle, (allandebelle@gmail.com; 0033638023016)

Alexandre Courtiol (courtiol@izw-berlin.de; 0049305168315)

Steven Seet (seet@izw-berlin.de; 049 30 51 68 125)

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