Das Leibniz-IZW ist ein international anerkanntes Forschungsinstitut. Es gehört zum Forschungsverbund Berlin e.V. und ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Unser Ziel ist es, die Anpassungsfähigkeit von Wildtieren im Kontext des globalen Wandels zu verstehen und zum Erhalt von gesunden Wildtierbeständen beizutragen. Dafür erforschen wir die Vielfalt von Lebenslauf-Strategien, die Mechanismen der evolutionären Anpassungen und ihre Grenzen – inklusive Wildtierkrankheiten – sowie die Wechselbeziehungen zwischen Wildtieren, ihrer Umwelt und dem Menschen. Wir setzen Expertise aus Biologie und Veterinärmedizin in einem interdisziplinären Ansatz ein, um Grundlagen- und angewandte Forschung – von der molekularen bis zur landschaftlichen Ebene – in engem Austausch mit Stakeholdern und der Öffentlichkeit durchzuführen. Darüber hinaus stellen wir einzigartige und hochwertige Dienstleistungen für die Wissenschaftsgemeinschaft bereit.

Aktuelle Informationen zur Afrikanischen Schweinepest in Deutschland: Das Leibniz-IZW führt Forschungen zur Populationsdynamik, zur Modellierung von Krankheitsausbrüchen bei Wildschweinen sowie zur Ökologie und Mensch-Tier-Interaktion in urbanen Räumen durch. Die Afrikanische Schweinepest ist eine anzeigepflichtige Krankheit bei Nutztieren und daher sind für alle Fragen zum akuten Infektionsgeschehen die jeweiligen Landeslabore und das Friedrich-Loeffler-Institut (Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit) FLI zuständig.

Aktuelles

Das Vorkommen des West-Nil-Virus in Stechmücken in Berlin hängt von der Stadtstruktur ab

Seit einigen Jahren treten Infektionen mit dem West-Nil-Virus (WNV) in Deutschland auf. Das Virus zirkuliert zwischen einheimischen Stechmücken und Vögeln; vereinzelt kommt es zur Ansteckung von Menschen. Vorkommen im Berliner Stadtgebiet werden in den Sommermonaten seit einigen Jahren gemeldet, bisher war jedoch unbekannt, welche urbanen Räume das WNV-Vorkommen fördern. Ein Forschungsteam fing über zwei Jahre in den Sommermonaten Stechmücken auf fünf eng benachbarten, aber unterschiedlichen Flächen in Berlin und untersuchten sie auf Vorhandensein des Virus. Es stellte zum Teil hohe Infektionsraten in den Stechmücken fest, jedoch unterschied sich die Häufigkeit der Virusnachweise auf den Flächen deutlich. Die Stadtplanung habe signifikanten Einfluss auf die Infektionsrate von Stechmücken, so das Team in der Fachzeitschrift „Nature Communications“.

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Zweifingerfaultier - Choloepus didactylus (Foto: Zoo Berlin)
Zweifingerfaultier - Choloepus didactylus (Foto: Zoo Berlin)

Warum sind Faultiere so langsam? Ein Grund könnte in Genen liegen, die mit ihrem langsamen Stoffwechsel zusammenhängen

Faultiere sind die langsamsten Säugetiere der Welt. Da sie in dichtem Regenwald leben, ist es schwierig, sie wissenschaftlich zu untersuchen. Ein Forschungsteam hat nun erstmals das Genom des Zweifinger-Faultiers sequenziert und analysiert und dabei genetische Ursachen für ihren langsamen Stoffwechsel aufgedeckt. Das Team entdeckte faultierspezifische „springende Gene“, die seit Millionen von Jahren evolutionär erhalten geblieben sind und mit dem Stoffwechsel in Verbindung stehen. Die in der Fachzeitschrift „BMC Biology“ veröffentlichten Ergebnisse könnten den Weg für weitere Forschungen zu Stoffwechselerkrankungen und zum Alterungsprozess bei anderen Säugetieren, einschließlich des Menschen, ebnen.

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Cover des Buches "Gemeinsam Forschen" des Springer-Verlags
Cover des Buches "Gemeinsam Forschen" des Springer-Verlags

Gemeinsam Forschen – Bürgerinnen und Bürger richtig in die Forschung einbinden

Citizen Science gewinnt im Wissenschaftsbetrieb in Deutschland, der Schweiz und Österreich an Bedeutung. Soziale Medien, Apps oder mobile Sensorik eröffnen neue Möglichkeiten, interessierte Bürgerinnen und Bürger aktiv an Forschung zu beteiligen. Allerdings fehlte bislang ein praxistauglicher Überblick über Strategien, Strukturen, Arbeitsprozesse, Potenziale und Grenzen von Citizen-Science-Projekten. Diese Lücke schließt das Open-Access-Handbuch „Citizen Science – Gemeinsam forschen!“, das ein Gremium von Herausgeber:innen verschiedenster Institutionen veröffentlicht hat, darunter das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ), das Deutsche Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) und das Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW).

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Przewalski-Pferde vor der Auswilderung im Alibi Reintroduction Center in Kasachstan (Foto: Jack Mifflin/ADCI, IZW)
Przewalski-Pferde vor der Auswilderung im Alibi Reintroduction Center in Kasachstan (Foto: Jack Mifflin/ADCI, IZW)

Renaturierung eines Ökosystems: Neue Gruppe von Przewalski-Pferden in die kasachische Steppe entlassen

Ende Mai 2026 machten fünf Przewalski-Pferde – ein Hengst und vier Stuten – aus Zuchtzentren in Europa ihre ersten Schritte in freier Wildbahn auf den weiten Ebenen der Region Altyn Dala in Zentralkasachstan. Dies war ein großer Schritt für die internationale Initiative, deren Ziel es ist, die Art in ihren ursprünglichen Lebensraum zurückzubringen. Vor ihrer Freilassung akklimatisierten sich die Pferde zwölf Monate lang im Wild Equid Reintroduction Center, wo sie von einem Team aus Wildtierärzten, Biologen und Tierpflegern beobachtet und betreut wurden. Zwei der Stuten wurden mit Satellitenhalsbändern ausgestattet, wodurch das Team verfolgen kann, wie gut sich die Pferde in ihrer neuen Heimat einleben.

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Soziale Interaktionen manifestieren die Clan-Hierarchie bei Tüpfelhyänen (Foto: Oliver Höner)
Soziale Interaktionen manifestieren die Clan-Hierarchie bei Tüpfelhyänen (Foto: Oliver Höner)

Ranking, aber richtig: Wie die Machtverhältnisse in der Hyänenwelt berechnet werden können

Tüpfelhyänen leben in hierarchisch organisierten Gruppen (Clans). Die Dominanz eines Individuums gegenüber einem anderen bestimmt den vorrangigen Zugang zu Ressourcen wie Nahrung oder Partnern und somit den Fortpflanzungserfolg. Die Rangfolge im Clan kann jedoch mit verschiedenen Methoden berechnet werden – mit weitreichenden Folgen: Anhand von Daten von fast 500 Hyänen aus 28 Jahren fanden Forschende des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) heraus, dass jeweils unterschiedliche Metriken den Fortpflanzungserfolg am besten vorhersagen – je nachdem, welches spezifische Merkmal der Reproduktion sie analysierten. In der Fachzeitschrift „Ecology and Evolution“ legten sie dar, dass die Berechnung des sozialen Rangs und die Erklärungen für Machtverhältnisse in der Welt der Hyänen und anderen gruppenlebenden Tieren differenzierter werden müssen.

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Fang von Fledermäusen in einer Trichterfalle in Lettland (Foto: Jon A. Juarez/Leibniz-IZW)
Fang von Fledermäusen in einer Trichterfalle in Lettland (Foto: Jon A. Juarez/Leibniz-IZW)

Hohe Fettverbrennung: Stoffwechsel von Fledermäusen während der saisonalen Migration ähnelt dem von Vögeln

Fledermäuse sind die einzigen Säugetiere, die aktiv fliegen können. Viele Arten nutzen diese Fähigkeit für den saisonalen Zug, während dessen sie oft stundenlang ununterbrochen in der Luft sind. Diese Energieleistung würde den Stoffwechsel anderer Säugetiere überfordern, da diese nur in sehr begrenztem Umfang Fettsäuren verbrennen können. Forschende des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) und von Helmholtz Munich konnten nun durch die Messung von Stoffwechsel-Abbauprodukten im Blut von ziehenden Rauhautfledermäusen nachweisen, dass die Fettsäureverbrennung ein wichtiger Energielieferant für den Stoffwechsel der Fledermäuse ist – insbesondere während der Migrationszeit. Die Forschungsergebnisse sind in der Fachzeitschrift „The FASEB Journal“ veröffentlicht.

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Berliner Müggelsee mit der Messstation des IGB (Foto: Angelina Tittmann/IGB)
Berliner Müggelsee mit der Messstation des IGB (Foto: Angelina Tittmann/IGB)

Gewässer in Städten sind stark mit antibiotika-resistenten Bakterien belastet, doch auch ländliche Seen sind betroffen

Ein wissenschaftliches Team aus Berlin untersuchte Wasser- und Sedimentproben aus sechs Gewässern in Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern und dem Zu- und Abfluss einer Kläranlage in Berlin. Die Forschenden analysierten dort vorhandene Bakterien und konnten in städtischen Proben eine höhere Vielfalt und Konzentration von Genen nachweisen, die für Resistenzen gegenüber gängigen Antibiotika verantwortlich sind. Die Zu- und Abflüsse des Klärwerks waren am stärksten belastet, doch auch in weit von Städten entfernten ländlichen Seen wurden resistente Keime gefunden. Die Studie ist in der Fachzeitschrift „iScience“ erschienen.

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Hoffmann-Zweifingerfaultier (Foto: Camila Mazzoni)
Hoffmann-Zweifingerfaultier (Foto: Camila Mazzoni)

Mehr Arten als gedacht: Forschende finden Hinweise auf bislang unerkannte Zweifingerfaultier Art im Amazonasgebiet

Eine aktuelle Studie des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) stellt die bisherige taxonomische Einteilung der Zweifingerfaultiere infrage: Genomanalysen zeigen, dass es mehr Arten von Zweifingerfaultieren im Amazonasgebiet geben könnte als bisher angenommen. In den Untersuchungen wurde erstmals ein genomweiter Datensatz aus mehreren Zweifingerfaultier-Populationen genutzt, der zeigt, dass Umweltveränderungen die Evolutionsgeschichte der Faultiere maßgeblich geprägt haben. Die Forscher:innen betonen, dass die Einordnung der Faultierarten sowie ihre Schutzbewertungen und Schutzmaßnahmen dringend überarbeitet werden müssen. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift „Molecular Phylogenetics and Evolution“ veröffentlicht.

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GAIA-Team beim Anlegen eines Sendehalsbandes an einen Löwen im Etosha-Nationalpark (Foto: Jon A. Juarez)
GAIA-Team beim Anlegen eines Sendehalsbandes an einen Löwen im Etosha-Nationalpark (Foto: Jon A. Juarez)

Wann brüllt der Löwe? Das können Sendehalsbänder dank Maschinellem Lernen auch ohne Mikrofon erkennen

Brüllen über große Entfernungen ist ein Schlüsselverhalten von Löwen. Sie kommunizieren innerhalb ihres Rudels und mit anderen Tieren mittels charakteristischer Sequenzen aus verschiedenen Lauten. Forschende der GAIA-Initiative veröffentlichten in der Fachzeitschrift „Ecological Informatics“ einen neuen „Machine Learning“-Ansatz, der die Erforschung dieses Verhaltens verbessert. Der Algorithmus kann Brüllen allein anhand von Beschleunigungsdaten (ACC) von Halsbändern zuverlässig erkennen – ohne Mikrofon und ohne energie- und speicherintensive Audiodateien. Erstmals funktioniert ein solcher Algorithmus zuverlässig sowohl bei männlichen als auch bei weiblichen Löwen und sogar, wenn das Brüllen mit einem anderen Verhalten wie Laufen kombiniert ist.

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Transfer eines Nördlichen Breitmaulnashorn-Embryos (Foto: Kevin Kipruto/Ol Pejeta Conservancy/BioRescue)
Transfer eines Nördlichen Breitmaulnashorn-Embryos (Foto: Kevin Kipruto/Ol Pejeta Conservancy/BioRescue)

Neuer Embryo erhöht Überlebenschancen des Nördlichen Breitmaulnashorns

Das internationale BioRescue-Konsortium hat einen weiteren Embryo des vom Aussterben bedrohten Nördlichen Breitmaulnashorns gewonnen. Anfang 2026 führten BioRescue-Wissenschaftler:innen eine erfolgreiche Eizellentnahme beim Nördlichen Breitmaulnashorn-Weibchen Fatu in der Ol Pejeta Conservancy in Kenia durch. Kurz darauf wurde mit Hilfe eines Spermiums von einem bereits verstorbenen Nördlichen Breitmaulnashornbullen ein weiterer Embryo im Reproduktionslabor von Avantea in Italien erzeugt. Damit erhöht sich die Gesamtzahl der bisher erzeugten reinen Embryonen dieser Unterart auf 39 und stärkt die Hoffnung für ihre Zukunft.

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