Das Leibniz-IZW ist ein international anerkanntes Forschungsinstitut. Es gehört zum Forschungsverbund Berlin e.V. und ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Unser Ziel ist es, die Anpassungsfähigkeit von Wildtieren im Kontext des globalen Wandels zu verstehen und zum Erhalt von gesunden Wildtierbeständen beizutragen. Dafür erforschen wir die Vielfalt von Lebenslauf-Strategien, die Mechanismen der evolutionären Anpassungen und ihre Grenzen – inklusive Wildtierkrankheiten – sowie die Wechselbeziehungen zwischen Wildtieren, ihrer Umwelt und dem Menschen. Wir setzen Expertise aus Biologie und Veterinärmedizin in einem interdisziplinären Ansatz ein, um Grundlagen- und angewandte Forschung – von der molekularen bis zur landschaftlichen Ebene – in engem Austausch mit Stakeholdern und der Öffentlichkeit durchzuführen. Darüber hinaus stellen wir einzigartige und hochwertige Dienstleistungen für die Wissenschaftsgemeinschaft bereit.
Aktuelle Informationen zur Afrikanischen Schweinepest in Deutschland: Das Leibniz-IZW führt Forschungen zur Populationsdynamik, zur Modellierung von Krankheitsausbrüchen bei Wildschweinen sowie zur Ökologie und Mensch-Tier-Interaktion in urbanen Räumen durch. Die Afrikanische Schweinepest ist eine anzeigepflichtige Krankheit bei Nutztieren und daher sind für alle Fragen zum akuten Infektionsgeschehen die jeweiligen Landeslabore und das Friedrich-Loeffler-Institut (Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit) FLI zuständig.
Aktuelles
Extreme Witterung führt zu erhöhten Verlusten bei Wasservögeln
In Berlin werden derzeit vermehrt tote oder geschwächte Wasservögel wie Höckerschwäne und Kormorane an und in Gewässern sowie auf Eisflächen gefunden. Diese Beobachtungen sorgen bei vielen Bürgerinnen und Bürgern für Besorgnis. Ein Teil dieser Verluste ist jedoch eine begleitende Erscheinung strenger Winterperioden und aus naturschutzfachlicher Sicht kein ungewöhnlicher Vorgang. Vor eigenständigen Rettungsversuchen von eingefrorenen Wasservögeln wird dringend gewarnt.
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Klare Effekte, komplexe Auswirkungen: Meta-Studie zeigt Mechanismen der Anpassungen von Tieren an den Klimawandel auf
Der Klimawandel hat vielfältige Auswirkungen auf die Tierwelt. Jahreszeitliche Migration, Reproduktionszeiten, Größe oder Gewicht verändern sich und ökologische Prozesse werden gestört, was die Bestände einiger Arten vor Herausforderungen stellt. Ein internationales Forschungsteam analysierte nun in einer Meta-Studie gut 200 wissenschaftliche Untersuchungen an 73 Tierarten darauf, wie genau der Klimawandel mit der Phänologie, Morphologie und Bestandentwicklungen zusammenhängt. Das Team legt in der Fachzeitschrift „Nature Communications“ dar, dass die Phänologie – die jahreszeitlichen Entwicklungserscheinungen – sehr sensibel auf Temperaturveränderungen reagiert und dies für viele Arten einen Mechanismus zur Bewältigung des Klimawandels darstellt.
Auf frischer Tat ertappt: Forschende beobachten aktuelle Infektion von Koalas mit krebserregenden Retroviren
Ein internationales Forschungsteam analysierte eine aktuell ablaufende Integration von Retroviren in das Erbgut von Koalas und daraus resultierende, zum Teil tödlich verlaufende Krebserkrankungen. Sie sequenzierten dafür das Genom von über 100 Koalas aus mehreren Generationen in US-amerikanischen und europäischen Zoos und untersuchten die Integration des Virus-Erbguts in oder in der Nähe von Genen, die an der Entstehung von Krebs beteiligt sind. In „Nature Communications“ legen sie dar, dass neue Integrationen der Retroviren in die Keimzellen von Koalas innerhalb einer Generation auftraten und Krebs-Todesfälle durch retrovirale Integration verursacht wurden. Auf der Grundlage dieser Arbeit konnte das Team genetische Risikowerte (genetic risk scores, GRS) errechnen, die wertvolle Informationen für Zuchtprogramme darstellen und damit dem Schutz der Koalas zugutekommen können.
Fledermäuse in Siedlungen meiden Straßenlicht beim Pendeln zwischen Quartier und Jagdlebensraum
Einige Fledermausarten suchen tagsüber Unterschlupf in Dachstühlen großer, zumeist historischer Gebäude innerhalb menschlicher Siedlungen, obwohl sie in der Nacht im dunklen Umland nach Insekten jagen. Dies erfordert tägliches Pendeln zwischen teils hell erleuchtetem Siedlungsbereich und dunklem Jagdlebensraum. Ein Team am Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) wies nach, dass Große Mausohren (Myotis myotis) – die größten heimischen Fledermäuse – beim Pendeln durch Siedlungsgebiete bevorzugt wenig ausgeleuchtete Bereiche nutzen. Das Team plädiert in der Fachzeitschrift „Science of the Total Environment“ für den Erhalt und Ausbau von dunklen Korridoren in Siedlungen zum Schutz nachtaktiver Tiere.
Fledermäuse vertilgen Schadinsekten über Agrarflächen – wenn ausreichend naturnahe Lebensräume in der Nähe sind
Fledermäuse wie der Große Abendsegler verzehren Schadinsekten über intensiv genutzten landwirtschaftlichen Flächen und unterstützen dadurch eine nachhaltige Landwirtschaft. Eine neue Studie unter Leitung von Forschenden des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) und der Universität Potsdam zeigt, dass im Nordosten Deutschlands 23 Prozent der von Großen Abendseglern vertilgten Insektenarten Schädlinge sind. Die Landwirtschaft kann von diesem kostenlosen Service der Fledermäuse nur dann profitieren, wenn ausreichend naturnahe Lebensräume in der Nähe der Agrarflächen vorhanden sind. Dort jagen Abendsegler überproportional häufig; nur in Kombination mit naturnahen Lebensräumen finden die Fledermäuse in einer intensiv genutzten Agrarlandschaft ausreichend Beute, so die Forschenden in der Fachzeitschrift „Agriculture, Ecosystems and Environment“.
„Wildtiernah Berlin“: Neue Initiative vernetzt und stärkt Wildtierschutz und Bürger:innenberatung in der Hauptstadt
Berlin ist eine grüne Stadt, die zahlreichen Wildtieren ein Zuhause bietet. Viele Vereine und Pflegestellen engagieren sich in Wildtierschutz und -rettung sowie in der Bürger:innenberatung. Gefördert von der Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt (SenMVKU) Berlin, soll „Wildtiernah Berlin“ bestehende Initiativen vernetzen und eine verlässliche Anlaufstelle für Bürger:innen schaffen. Koordiniert vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) bietet „Wildtiernah Berlin“ neue Telefon-, Online- und Vorort-Beratungen zu Wildtieren in Not sowie zu Mensch-Wildtierkonflikten. Mit einem mobilen Fahrzeug (Wildtiermobil) werden Bürger:innen und Ehrenamtliche bei der Versorgung verletzter oder in Not geratener Wildtiere unterstützt. Weiterbildungen für Ehrenamtliche sowie Informations- und Bildungsangebote sollen das Wissen der Bürger:innen in Bezug auf Wildtiere nachhaltig verbessern.
„Entwaldete Genome“: Umweltzerstörung hinterlässt Spuren im Erbgut von Faultieren
Die Dreifinger-Faultiere Bradypus torquatus und Bradypus crinitus in Brasiliens Atlantischem Regenwald sehen sich zum Verwechseln ähnlich, ihr Erbgut erzählt jedoch zwei unterschiedliche Geschichten: Die Arten waren in der Vergangenheit sehr spezifischen Umweltbedingungen ausgesetzt – und sind heute mit unterschiedlichen Bedrohungen für ihren Fortbestand konfrontiert. In der Fachzeitschrift „Molecular Ecology“ legen Forschende des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) in Zusammenarbeit mit der brasilianischen NGO Instituto Tamanduá dar, dass B. crinitus, die derzeit stärker gefährdete Art, eine geringere genetische Vielfalt aufweist, bei B. torquatus jedoch ein rascher Anstieg der Inzucht in den letzten Jahrzehnten zu beobachten ist. Die Ergebnisse zeigen, dass Genomstudien wichtige Erkenntnisse für den Schutz gefährdeter Arten liefern können.
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Historisches Foto des ersten erfolgreichen Embryotransfers bei Nashörnern gewinnt beim „Wildlife Photographer of the Year 2025“ Wettbewerb
Der spanische Fotograf und Filmemacher Jon A. Juárez – seit Sommer 2025 Mitarbeiter des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) – wurde mit einer der weltweit renommiertesten Auszeichnungen für Naturfotografie geehrt: er erhielt den „Wildlife Photographer of the Year 2025“ (WPY) Award des Natural History Museum London in der Kategorie „Fotojournalismus“. Sein preisgekröntes Foto dokumentiert den weltweit ersten erfolgreichen Embryotransfer bei Südlichen Breitmaulnashörnern (Ceratotherium simum simum) – ein wissenschaftlicher Meilenstein, der neue Hoffnung für die Rettung des hochbedrohten Nördlichen Breitmaulnashorns (Ceratotherium simum cottoni) weckt.
Auf frischer Tat ertappt: Europas größte Fledermaus jagt und verzehrt Singvögel in der Luft
Seit 25 Jahren versucht ein internationales Forschungsteam ein seltenes Verhalten des Riesenabendseglers, Europas größter Fledermausart, zu dokumentieren. Nun zeigen Senderdaten erstmalig, dass diese Fledermäuse nicht nur kleine Vögel fressen – sie jagen und fangen sie mehr als einen Kilometer über dem Boden und verzehren sie, ohne zu landen. In einer heute in der Fachzeitschrift „Science“ veröffentlichten Studie analysierte das Team Daten von Riesenabendseglern, die in der biologischen Station Doñana in Spanien mit Mini-Biologgern markiert wurden, und rekonstruiert detailliert, wie die Fledermäuse die Jagd und die Mahlzeit in der Luft bewältigen.
Erfolgreiche Auswilderung von Kulanen ist ein Meilenstein für Wiederherstellung des Steppenökosystems in Kasachstan
Ein internationales Konsortium aus Forschungs- und Naturschutzorganisationen entließ im August 2025 eine Gruppe von Kulanen – stark gefährdeten asiatischen Wildeseln – aus dem Wiederansiedlungszentrum „Alibi“ in die weiten Landschaften des Altyn-Dala-Reservats in Kasachstan. Die Wildesel verbachten zuvor ein Jahr in einem Akklimatisierungsgehege und tragen nun zur Renaturierung und zum Erhalt wertvoller Steppen-Ökosysteme bei. Mehrere Kulane tragen GPS-Halsbänder und solarbetriebene GPS-Ohrmarken, die Einblicke in ihre Bewegungen in der Steppe liefern.
