Abteilung für Evolutionsgenetik: Weitere Projekte

Der Ursprung der letzten Wildpferde

Obwohl Przewalskipferde gemeinhin als die letzte Art von Wildpferden gelten, zeigen Genomstudien, dass alle heute lebenden Przewalskipferde von ehemals domestizierten Tieren abstammen.

Epigenetische Stabilität und Plastizität sozialer Umwelteinflüsse

Umweltveränderungen können auch die soziale Umwelt betreffen. Daher interessiert uns die Frage, ob ein bestimmter sozialer Status durch spezifische epigenetische Muster widergespiegelt wird.

Adaptive genetische Variation bei Marderarten

Sogar eng verwandte Arten unterscheiden sich in der Anzahl der Gene, die in ihren Genomen enthalten sind. Wir untersuchen diese Form der genomischen Variation im Zusammenhang mit adaptiven Veränderungen (z.B. Anpassung an Lebensraum).

Malaienbär Naturschutzgenetik und  -genomik

Der Malaienbär Helarctos malayanus ist eine stark gefährdete Bärenart und wird trotz ernsthafter Naturschutzbedenken von der IUCN mit Besorgnis als die "am wenigsten untersuchte Bärenart" eingestuft. In diesem Projekt wenden wir eine Vielzahl genetischer und genomischer Techniken an, um die laufenden Artenschutzmaßnahmen für diese bedrohte Art mit neuen molekularen Werkzeugen zu unterstützen.

Monitoring der Berliner Tierwelt mittels Erbgutanalyse von Blutproben aus Mücken und Fliegen

Ziel des Projektes ist es, das Vorkommen und die Verteilung der Berliner Tierwelt mit berührungsfreien Methoden zu untersuchen. Wir sammeln Fliegen und Mücken, die sich von Wirbeltierblut ernähren, in und um Berlin, in Parks und Grünanlagen. Die daraus gewonnenen Blutproben der Wirbeltiere werden auf ihre Erbgutbestandteile untersucht.

Simulationsmodellierung zum besseren Verständnis von demografischen und genetischen Veränderungen bei wachsenden Wildtierpopulationen

Populationswachstum wird durch demografische Prozesse bewirkt, die schwer zu erfassen sind: sie sind eng miteinander verzahnt und unterliegen komplexen Wechselwirkungen. Auf der Grundlage der Daten einer mehr als 22 Jahre andauernden Untersuchung der Tüpfelhyänenpopulation (Crocuta crocuta) im Ngorongoro-Krater in Tansania soll mittels eines Individuen-basierten Simulationsmodells erforscht werden, wie (und welche) demografische Prozesse Populationswachstum ermöglichen, wie sie es begrenzen und welche evolutiven Konsequenzen dies nach sich zieht.

Genomanalysen zur Untersuchung artübergreifender Paarung bei Meeresschildkröten

Einige Populationen von an der brasilianischen Küste vorkommenden Meeresschildkrötenarten hybridisieren sehr häufig miteinander (Nachkommen zwischen Arten). Unter Einsatz moderner Genomanalysemethoden haben wir untersucht wie hoch das Ausmaß dieser Hybridisierungen ist, um die möglichen schädlichen Auswirkungen in der Hybrid-Nachkommenschaft einschätzen und Maßnahmen für den Schutz der Meeresschildkröten ableiten zu können.

Projekt "Anatolischer Luchs"

Eine Übertragung von Erkenntnissen zwischen in unterschiedlichen ökologischen Kontexten lebenden Populationen einer Art können sich als irreführend für die Erhaltung von lokal angepassten Populationen erweisen. Wir konnten bereits zeigen, dass in der anatolischen Türkei lebende Population des Eurasischen Luchses eine lokal angepasste Futterökologie sowie morphologische und Verhaltensunterschiede zu anderen Europäischen Luchspopulationen aufweisen. Diese Unterschiede charakterisieren den anatolischen Luchs eher als einen an Lagomorphen (Hasen und Kaninchen) angepassten Meso-Karnivoren, der in hoher Dichte und genetisch vielfältigen Populationen lebt. Dieses Projekt zielt darauf ab, eine umfassende Datengrundlage für die Erhaltung dieser einzigartigen Luchspopulation zu bilden und ein Modell für die Erhaltung anderer Raubtierarten in der Türkei zu schaffen.

Modellierung genetischer Prozesse zur Unterstützung von Schutzmaßnahmen für den Eurasischen Luchs

Das längerfristige Überleben ausgewilderter Populationen des Eurasischen Luchses (Lynx lynx) ist durch deren geringe genetische Diversität in Frage gestellt. Ein bereits vorhandenes Modell zur Simularion von Populationsentwicklungen wird deshalb so weiterentwickelt, dass die individuellen Genotypen der Populationsmitglieder berücksichtigt werden können, was letzendlich zur Verbesserung der genetischen Vielfalt der mitteleuropäischen Luchs-Metapopulation beitragen soll.

Energiebedarf bei Ausdauer

Säugetiere, die hochintensive Ausdauerübungen „betreiben“, erreichen nach Aufbrauchen ihrer Kohlehydratreserven einen Punkt plötzlicher Erschöpfung. Zugvögeln auf Langstreckenflügen passiert dies nicht, sie verbrennen Fett. Woher nehmen migrierende Fledermäuse die Energie für ihre Langstreckenflüge? Haben sie auch Fettreserven? Oder müssen sie unterwegs ständig Nahrung aufnehmen

Die Bedeutung repetitiver Genombereiche in der Evolution der Meeresschildkröten

Die Erforschung funktioneller und ökologischer Unterschiede zwischen Meeresschildkröten ist schwierig, weil deren Genome nur wenige Unterschiede aufweisen. Wir nutzen das Erstellen des vollständigen Genoms der Grünen Meeresschildkröte (in Chromosomen-Darstellung) zur Entwicklung bioinformatischer Such-Werkzeuge für genom-weite Unterschiede (z.B. repetitive Bereiche), die auch bei anderen, gleichfalls wenige Unterschiede aufweisenden Arten genutzt werden können.

Wie Blutegel dabei helfen können, die historische Ausbreitung des seltenen und bedrohten Annamite-Streifenkaninchens aufzuklären

Die meisten Wirbeltierarten stehen, zumindest was ihr Blut angeht, auf der Speiseliste blutsaugender Egel. Hier nutzen wir die aus den Egeln gewonnene DNA, genauer gesagt die DNA aus dem Blut der Wirtstiere, an denen die Egel gesaugt haben, um das Verteilungsmuster einer sehr seltenen und bedrohten Lagomorphen-Art, des Annamite Streifenkaninchens (Nesolagus timminsi) aufzuklären, einer Art, die nur in den Annamite-Bergen (Vietnam, Laos, Kambodscha) vorkommt.