Verständnis der Herausforderungen für Wildtiere

Der Forschungsfokus auf Umwelt-Herausforderungen ist ein essenzieller Bestandteil des Leibniz-IZW-Forschungsprogramms und trägt maßgeblich zur Mission einer evolutionären Wildtierforschung für den Artenschutz bei. Mit der Mission arbeiten wir auf die Vision des Verständnisses und der Verbesserung der Anpassungsfähigkeit von Wildtieren im Kontext des globalen Wandels hin.

Um die Anpassungsfähigkeit von Wildtieren im globalen Wandel zu verstehen, ist es entscheidend zu untersuchen, mit welchen Herausforderungen Wildtiere konfrontiert sind. Diese Herausforderungen können natürlich sein und z.B. durch die Interaktion mit anderen Arten und Arten-Netzwerken entstehen, wie Pathogenen, Räubern oder invasiven Arten. Inzwischen sind aber auch nahezu alle Ökosysteme der Erde durch menschliche Aktivitäten beeinflusst. Wir erforschen daher, wie sich Veränderungen der Landnutzung, Klimawandel und Mensch-Wildtier-Konflikte auf Wildtierpopulationen auswirken. Darüber hinaus arbeiten wir daran, konkrete Herausforderungen im Artenschutz zu identifizieren und zu spezifizieren, oft im Dialog mit betroffenen Interessensgruppen.

Dieses Leistungsziel wird direkt u.a. in den folgenden Projekten adressiert:

Evidenzbasierte Lösungen für den Farmer-Gepard-Konflikt in Namibia

Konflikte zwischen Menschen, ihren Nutztieren und Raubtieren sind ein weltweites Phänomen. Die Entwicklung von nachhaltigen Lösungen bedeutet eine große Herausforderung, besonders für bedrohte Raubtierarten. Wir zeigen am Beispiel der Geparde in Namibia, wie mit detaillierten Informationen der räumlichen Bewegungen der Geparde das Rindermanagement der Farmer angepasst werden kann. Damit reduzieren sich die Verluste substanziell, ebenso das Töten von Geparden durch die Farmer.

Vergleichende Umwelt-Epigenetik bei Wildtieren

Epigenetische Veränderungen fungieren als flexible Mechanismen, die die Anpassungsfähigkeit an Umweltveränderungen erhöhen. Bisher wurden jedoch hauptsächlich Mütter und deren Nachwuchs untersucht. In unserer Studie untersuchen wir paternal übertragene epigenetische Effekte und fragen außerdem, ob unterschiedliche Umweltveränderungen unterschiedliche oder ähnliche Reaktionen hervorrufen.

BioRescue – Fortschrittliche Reproduktionstechnologien zur Rettung von stark gefährdeten Säugetieren wie dem nördlichen Breitmaulnashorn

Es gibt nur noch zwei nördliche Breitmaulnashörner auf der Welt, beide sind weiblich. Kann man diese Tiere noch vor dem Aussterben retten? Zusammen mit internationalen Partnern aus Wissenschaft und Artenschutz will das BioRescue-Konsortium durch die Entwicklung fortschrittlicher Methoden der assistierten Reproduktion (aART) und Stammzell-assoziierter Techniken (SCAT) das scheinbar Unmögliche möglich machen.

Stabilität von Wildtieren unter globalen Veränderungen und über Organisationsebenen hinweg

Um zu verstehen, wie Populationen und Artengemeinschaften auf globale Veränderungen reagieren, untersuchen wir, in wieweit ihre Eigenschaften und ihre Stabilität durch Störungen beeinträchtigt werden.

Die Bewegungsökologie Großer Abendsegler (Nyctalus noctula) in anthropogenen Landschaften

Die Forschung dieses Projekts widmet sich den Fragen, wie hochmobile Arten wie der Große Abendsegler (Nyctalus noctula) im Agrarland oder in städtischen Räumen überleben und welche Faktoren das individuelle Verhalten sowie die lokalen Bestände beeinflussen.

Gesundheitszustand und Krankheiten in der mitteleuropäischen Tieflandwolfpopulation

Wölfe in Deutschland befinden sich überwiegend im Spannungsfeld von Jägern, Vieh- und Schafszüchtern, Naturschutzvereinen, Politik und der allgemeinen Öffentlichkeit. Das Leibniz-IZW liefert evidenzbasierte Forschungsergebnisse, die die Grundlage für das Wolfsmanagement in Deutschland bilden.

Der Nacktmull – Eine alternative Modelltierart für die biomedizinische Alternsforschung

Nacktmulle (Heterocephalus glaber) werden kaum zu den schönsten Tieren gezählt, haben dafür aber ein außergewöhnliches Fortpflanzungssystem, bekommen fast nie Krebs, kommen überraschend lange ohne Sauerstoff aus und werden in Hinblick auf ihre Körpergröße (gesund) uralt. Welche Mechanismen liegen diesen beneidenswerten Fähigkeiten zugrunde?

Prioritäten für den Artenschutz im Truong-Son-Gebirge in Vietnam und Laos

Die außerordentliche Biodiversität und Endemismus des Truong-Son Gebirges in Vietnam und Laos ist durch illegale Jagd extrem gefährdet. Wir nutzen neueste Methoden der systematischen Biodiversitätserfassung und statistische Modellierung um die letzten Rückzugsgebiete der Artenvielfalt zu identifizieren.

Verhaltensökologie und Evolutionsbiologie der Tüpfelhyänen-Population des Ngorongoro-Krater

Wie – und wie gut – reagieren gruppenlebende Tiere auf soziale und ökologische Veränderungen? Um dieser Frage nachzugehen, untersuchen wir die Evolution von Sozialverhalten sowie Verhaltens- und Evolutionsprozesse, die die Lebensgeschichte und die Fitness gruppenlebender Tiere prägen anhand einer gesamten Population wildlebender Tüpfelhyänen (acht Gruppen, mehr als 2500 Individuen), die wir seit 1996 beobachten und für die wir einen fast vollständigen genetischen Stammbaum über neun Generationen erstellt haben.

Öko-Immunologie von Karnivoren mit geringer immun-genetischer Diversität

In diesem Projekt untersuchen wir den Immunphänotyp sowie die Parasiten und Krankheitserreger von zwei Katzenarten, dem Geparden (Acinonyx jubatus) und dem Iberischen Luchs (Lynx pardinus).

Stärkung wissenschaftsbasierter Ansätze im Tierschutz von Wildtieren

Das Leibniz-IZW leistet mit seiner Expertise im Wildtierschutz einen Beitrag für die sach- und artgerechte Haltung von Tieren in menschlicher Obhut und darüber hinaus und entwickelt wissenschaftsbasierte Methoden und Ansätze dafür weiter.

Gesundheit, Demographie, ökologische Dynamiken und anthropogene Effekte bei Tüpfelhyänen im Serengeti-Nationalpark

Seit 1987 untersuchen wir das Verhalten, die Ökologie und die Gesundheit von gefleckten Hyänen (Crocuta crocuta) im Serengeti-Nationalpark und verfügen derzeit über detaillierte Informationen zu mehr als 2300 Individuen aus drei Clans.

WTimpact – Citizen Science als Instrument für den Wissenstransfer

In diesem interdisziplinären Projekt untersuchen wir welche Faktoren das Lernen und die emotionale Einstellung von Teilnehmenden an Citizen Science-Projekten beeinflussen. Wir wollen herausfinden, ob Bürgerwissenschaft als Instrument für den Wissenstransfer genutzt werden kann, und welche Erfolgsfaktoren dabei wichtig sind.

 

Weitere Projekte:

Evidenzbasierter Arten- und Habitatschutz am Beispiel von asiatischen und afrikanischen Nashörnern

Übertragung von Krankheitserregern in der Umwelt

Europäisches Ausbildungsnetz für Forschung und Innovation in der Eizellbiologie (EUROVA) Translationale Forschung zur Entwicklung assistierter Reproduktionstechnologien für gefährdete Säugetiere

Populationsdynamiken und Artenschutz großer Raubtiere in vom Menschen geprägten Landschaften

Physiologie, Ökologie und Schutz von migrierenden Fledermäusen

Krankheiten bei Wildtieren aus Deutschland

Pandazucht – Brückenschlag zwischen Reproduktionsbiologie und innovativen Techniken der assistierten Reproduktion

Physiologie, Genetik, Verhalten und Schutz urbaner und suburbaner Igel-Populationen in Berlin

Epigenetische Stabilität und Plastizität sozialer Umwelteinflüsse

Paternale epigenetische Effekte

Frozen Dumbo – Etablierung der ersten großen Kryo-Samenbank für wildlebende Afrikanische Elefanten und andere gefährdete Arten

Die Wirkung von künstlichem Licht auf nachtaktive Säugetiere

Leibniz-Forschungsverbund „Infections’21” – Wasser als Vektor für die Übertragung von Krankheitserregern

Dynamiken von Wildtierkrankheiten: Verknüpfungen von Eigenschaften von Wirten und Pathogenen

Gute Fortpflanzung und Gesundheit in einer genetisch verarmten Art, dem Gepard

Seeadler Gesundheitsmonitoring

Säugetiervielfalt in forstwirtschaftlich genutzten tropischen Regenwäldern auf Borneo, Malaysia

Gesundheit von Karnivoren in der Arktis

Urbane Wildtierökologie: Wie reagieren Tiere auf neuartige Umwelten?

Fledermaus-Immunologie