Modellierung genetischer Prozesse zur Unterstützung von Schutzmaßnahmen für den Eurasischen Luchs

Das längerfristige Überleben ausgewilderter Populationen des Eurasischen Luchses (Lynx lynx) ist durch deren geringe genetische Diversität in Frage gestellt. Ein bereits vorhandenes Modell zur Simulation von Populationsentwicklungen wird deshalb so weiterentwickelt, dass die individuellen Genotypen der Populationsmitglieder berücksichtigt werden können, was letztendlich zur Verbesserung der genetischen Vielfalt der mitteleuropäischen Luchs-Metapopulation beitragen soll.
 
Projektdetails
Laufzeit: 03/2018 - 03/2021
Drittmittelfinanziert: ja
Beteiligte Abteilung(en): Abt. Ökologische Dynamiken, Abt. Evolutionsgenetik
Projektleitung im Leibniz-IZW:
-
Projektbeteiligte im Leibniz-IZW:
Joe Premier (Abt. Ökologische Dynamiken/Abt. Evolutionsgenetik)
Stephanie Kramer-Schadt (Abt. Ökologische Dynamiken)
Jörns Fickel (Abt. Evolutionsgenetik)
Konsortialpartner:
Uni Freiburg
Aktuelle Förderorganisation: Deutsches Bundesstiftung für Umwelt
Forschungsschwerpunkte: -
 
Fast alle Katzenarten, so auch der Eurasische Luchs, erfordern Maßnahmen zu ihrem Schutz. Die in Mitteleuropa lebenden Luchspopulationen sind klein und isoliert und leiden auf Grund dessen unter verringerter genetischer Vielfalt, was diese Populationen einer erhöhten Gefahr des zufälligen Aussterbens aussetz.
Um gezielte Maßnahmen zum Erhalt und zur Verbesserung der genetischen Vielfalt dieser Populationen einleten und umsetzen zu können, benötigen die mit deren Schutz Betrauten die dafur erforderlichen genetischen Informationen. Daher soll ein raumbezogenes, Individuum-basiertes (engl.: spatially explicit individual-based) Populationsmodell für den Luchs entwickelt werden, in das auch neutrale genetische Marker integriert werden können. Dieses demographisch-genetische (engl.: demogenetic) Modell soll helfen, genetische Prozesse in mitteleuropäischen Luchspopulationen unter verschieden Schutzszenarien zu verstehen.
 
Um die Funktionsfähigkeit des Modells zu testen, simulierten wir die populationsgenetische Variabilität in Abhängigkeit vom Bewegungsverhalten (mutig-explorativ vs. zögerlich-nicht explorativ). In einem nächsten Schritt sollen die Auswirkungen verschiedener Schutzmaßnahmen (z.B. Wiederansiedlung, Populationsverstärkung durch zusätzliche Tiere, Umsetzungen von Tieren, gar keine Maßnahme) auf die mitteleuropäischen Luchspopulationen unter eine Reihe von Bedingungen (z.B. eine vorgegebene genetische Variabilität der freigesetzen Tiere) simuliert werden. Für existierende Populationen kann so auf deren ursprüngliche genetische Zusammensetzung geschlossen werden (reproduktive Grundetiere), als auch deren zukünftige Entwicklung unter verschiedenen Szenarien prognostiziert werden,