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Aktuelle Pressemitteilungen

Logo des Konsortiums "Biodiversity Genomics Europe" (Quelle: BGE)
Logo des Konsortiums "Biodiversity Genomics Europe" (Quelle: BGE)

Die Bewältigung der globalen Biodiversitätskrise erfordert wissenschaftsgeleitetes, kooperatives Handeln von Akteuren auf unterschiedlichen gesellschaftlichen Ebenen. Einen Beitrag dazu will ein heute gestartetes pan-europäisches Projekt leisten, in dem Spezialist:innen für Genomik in bisher nicht dagewesener Breite und Tiefe das Erbgut des Lebens in Europa und auf der ganzen Welt analysieren. Dies werde die Wissenschaft und Politik im Bereich des Natur- und Artenschutzes grundlegend verändern – mit Auswirkungen, die mit denen des Humangenomprojekts in der Medizin vergleichbar sein dürften. Das Konsortium „Biodiversity Genomics Europe“ (BGE) arbeitet eng vernetzt mit dem Europäischen Referenz-Genom-Atlas (ERGA), einer wissenschaftlichen Gemeinschaft von Expert:innen für Genomsequenzierung, die die Erstellung von Referenzgenomen für alle vielzelligen (eukaryontischen) europäischen Arten koordiniert.

Tüpfelhyänen-Weibchen und Nachwuchs in Tansania (Foto: Oliver Höner/Leibniz-IZW)
Tüpfelhyänen-Weibchen und Nachwuchs in Tansania (Foto: Oliver Höner/Leibniz-IZW)

Die Bereitschaft, Artgenossen zu helfen, unterscheidet sich von Tierart zu Tierart – und auch zwischen Männchen und Weibchen. Ein internationales Team von Wissenschaftler:innen unter Beteiligung des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) zeigte nun für sieben gruppenlebende Tierarten, dass sich der Verwandtschaftsgrad eines Tieres zu den anderen Gruppenmitgliedern im Laufe seines Lebens verändern kann und diese Veränderung systematischen Mustern folgt – bei Tüpfelhyänenweibchen sinkt er beispielsweise im Laufe des Lebens, während er bei deren Männchen steigt. Diese „Verwandtschaftsdynamik“ hat einen großen Einfluss auf den Anreiz, anderen Gruppenmitgliedern zu helfen. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift „Nature Ecology & Evolution“ erschienen und tragen zu einem besseren Verständnis von sozialem Verhalten und der Entstehung unterschiedlicher Sozialsysteme bei.

Eichhörnchen in Berlin (Foto: Stephanie Kramer-Schadt/Leibniz-IZW)
Eichhörnchen in Berlin (Foto: Stephanie Kramer-Schadt/Leibniz-IZW)

Eichhörnchen gehören zu den in Großstädten wie Berlin am häufigsten gesichteten Wildtieren. Die Verteilung ihrer Lebensräume gleicht jedoch eher einem Flickenteppich, fand ein Wissenschaftsteam unter Leitung des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) mit Hilfe von Computermodellen und Eichhörnchen-Sichtungen von Bürgerwissenschaftler:innen heraus. Die Modelle führen die Sichtungen mit verschiedenen Umweltparametern zusammen und sind so ein wichtiges Instrument für die Stadtplanung, da sie Gegenden identifizieren, in denen Korridore zur Verbindung fragmentierter Lebensräume fehlen. Die Arbeit ist in der Fachzeitschrift „Frontiers in Ecology and Evolution“ erschienen. In einem darauf aufbauenden Projekt will das Team nun Wissenslücken zu Überlebenschancen, Ausbreitungspotential, Ernährung und Gesundheit der Berliner Eichhörnchen füllen.

Jungfernflug des GAIA-Tiersender-Systems im Tierpark Berlin (Foto: Jan Zwilling)
Jungfernflug des GAIA-Tiersender-Systems im Tierpark Berlin (Foto: Jan Zwilling)

Wie kann ein Geier im Berliner Tierpark seinen Artgenossen und deren Lebensräumen in Namibia helfen? Als Modell und Pate für eine neue Generation von Tiersendern: Im Tierpark Berlin feierte heute der Prototyp eines von Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) und Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen (Fraunhofer IIS) entwickelten innovativen Tiersender-Systems seinen Jungfernflug auf einem Geier. Die Sender werden über sensornahe Künstliche Intelligenz (KI), eine Kamera, energieeffiziente Elektronik und satelliten­gestützte Kommunikationstechnik verfügen, was völlig neue Einblicke in die Welt der Tiere und ihre Lebensräume ermöglicht: Sie erkennen und übermitteln Tierverhalten in Echtzeit und sind damit ein Frühwarnsystem für ökologische Veränderungen.

BioRescue (Foto: Jan Zwilling)
BioRescue (Foto: Jan Zwilling)

Drei Jahre nach dem Start seines ehrgeizigen – vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten - Programms zur Rettung des Nördlichen Breitmaulnashorns zieht das BioRescue-Konsortium eine positive Zwischenbilanz: Unter dem Einsatz von fortschrittlichen Technologien der assistierten Reproduktion gelang es dem Team, nach der 10. Entnahme von unreifen Eizellen (Oozyten) des Nördlichen Breitmaulnashornweibchens Fatu, fünf weitere Embryos zu produzieren. Insgesamt konnte das Forschungsteam bereits 22 Embryos erstellen. Die Spermien für die Befruchtung kamen von zwei unterschiedlichen Bullen. Dies nährt die Hoffnung, dass es gelingen wird, neue Nachkommen zu erzeugen, und einem der wichtigsten Landschaftsarchitekten Zentralafrikas eine neue Zukunft zu geben. Gleichzeitig legt das Konsortium höchsten Wert darauf, das Leben und das Wohlergehen der einzelnen Tiere zu respektieren. Regelmäßige veterinärmedizinische und ethische Beurteilungen der Eizellenentnahme zeigen, dass Fatu die Verfahren gut verträgt und keine Anzeichen für gesundheitliche Beeinträchtigungen zeigt.

Tüpfelhyänen (Foto: Sonja Metzger/Leibniz-IZW)
Tüpfelhyänen (Foto: Sonja Metzger/Leibniz-IZW)

Wissenschaftliche Analysen deuten darauf hin, dass bei Menschen eine Reihe von Lebensumständen in der Kindheit langfristige Auswirkungen auf die Gesundheit und die Lebenserwartung haben. Ein Forschungsteam vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) zeigte nun für Tüpfelhyänen, dass mütterliche, soziale und ökologische Faktoren im Welpenalter einen großen Einfluss auf das gesamte Leben weiblicher Hyänen hat: So wirkte sich beispielsweise der soziale Status der Mutter während des Welpenalters positiv auf die Reproduktion der Töchter-Generation aus. Andererseits verkürzten erhöhter Niederschlag im Welpenalter und ein erhöhtes Alter der Mutter die Überlebenschancen und die Lebensdauer der Töchter. In dem Aufsatz, der in der wissenschaftlichen Zeitschrift „Journal of Animal Ecology“ erschienen ist, argumentieren die Autor:innen zudem, dass die Kombination spezifischer widriger (oder vorteilhafter) Umstände in frühen Lebensphasen einen größeren Einfluss auf die Lebenschancen haben als die simple Akkumulation widriger (oder vorteilhafter) Faktoren.

Rauhautfledermaus (Foto: Christian Giese)
Rauhautfledermaus (Foto: Christian Giese)

Manche Fledermausarten kommen eher in Städten als auf dem Land vor. Ein Wissenschaftsteam der Freien Universität Berlin, der Universität Greifswald, dem Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) und dem Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) untersuchte nun, welche Merkmale typisch für Fledermäuse des städtischen und ländlichen Raums sind. Das Team fand heraus, dass sich stadtaffine Fledermausarten durch niedrige Ruffrequenzen und relativ lange Rufdauern ihrer Echoortung, eine geringe Körpergröße und eine Flexibilität bei der Wahl des Tagesquartieres auszeichnen. Die zunehmende Urbanisierung des ländlichen Raums könnte diese Arten begünstigen, während relativ große Arten mit hoher Ruffrequenz und kurzen Rufdauern sowie spezifischer Quartierwahl ins Hintertreffen geraten könnten, argumentiert das Autorenteam in einem Aufsatz in der Fachzeitschrift „Global Change Biology“.