Pressemitteilungen
Das Leibniz-IZW informiert regelmäßig über wesentliche Ergebnisse seiner Forschung, Veranstaltungen oder Preise sowie über Personalia. Die Pressemitteilungen werden per E-Mail direkt an interessierte Journalistinnen und Journalisten versendet sowie über die Portale Informationsdienst Wissenschaft, AlphaGalileo sowie EurekAlert verbreitet. Sind Sie interessiert, unsere Pressemitteilungen direkt zu erhalten? Dann senden Sie eine entsprechende Nachricht an presse@izw-berlin.de.
Zweite Chance für das Sumatra-Nashorn
Der Nashornbulle Kertam – das letzte männliche Sumatra-Nashorn Malaysias – starb im Jahr 2019. Nun gelang es einem Team vom Max Delbrück Center, aus seinen Hautzellen Stammzellen und daraus „Mini-Hirne“ zu züchten. Das nächste Ziel sei die Herstellung von Spermien aus Stammzellen, um die bedrohte Art vor dem Aussterben zu bewahren, schreiben die Forschenden in einem Aufsatz in der Fachzeitschrift „iScience“. Das Max Delbrück Center entwickelt stammzellassoziierte Technologien (SCAT) im Rahmen von BioRescue, eines vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) geleiteten internationalen Projekts zur Entwicklung und Anwendung von Technologien zur Rettung des unmittelbar vom Aussterben bedrohten Nördlichen Breitmaulnashorns.
Machtspiele um Dominanz: Wissenschaftsteam entschlüsselt Verhaltensmuster zwischen den Geschlechtern bei neun Säugetierarten
Das stärkere und aggressivere Geschlecht dominiert das schwächere Geschlecht. Diese Sichtweise von Dominanzbeziehungen zwischen Weibchen und Männchen ist weit verbreitet, wird aber der Komplexität von Dominanzbeziehungen im Tierreich nicht gerecht. Ein Forschungsteam unter Beteiligung des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) erstellte nun zwischengeschlechtliche Dominanzhierarchien von neun gruppenlebenden Säugetieren mit Hilfe einer Reihe von standardisierten Methoden und Verhaltensweisen. Die daraus resultierenden Hierarchien waren praktisch identisch, was bedeutet, dass die angewendeten Methoden robust sind und sich für die Erforschung von Dominanzbeziehungen zwischen den Geschlechtern eignen. Außerdem stellte das Team fest, dass sich die Tiere in weiblich dominierten Gesellschaften eher auf unterwürfige Signale und Gesten verließen, um ihre Dominanz zu etablieren und aufrechtzuerhalten, während sie sich in männlich dominierten Gesellschaften hauptsächlich aggressiver Verhaltensweisen bedienten. Die Ergebnisse sind in der Open-Access-Fachzeitschrift "Frontiers in Ecology and Evolution" veröffentlicht.
Bewegungskünstler mit „Rüsselspitzengefühl“: Berliner Forschende entschlüsseln Gesichtsmotorik von Elefanten
Elefanten verfügen über ein erstaunliches Arsenal der Bewegung in Gesicht, Ohren und Rüssel. Der Rüssel besteht aus weit mehr Muskeln als der gesamte menschliche Körper und kann sowohl kräftige als auch sehr filigrane Bewegungen ausführen. Ein Wissenschaftsteam der Humboldt-Universität zu Berlin und des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) untersuchten nun den Gesichtskern (facial nucleus) Afrikanischer und Asiatischer Elefanten, jener Hirnstruktur welche die Gesichtsmuskulatur der Tiere kontrolliert. Dieser enthalte mehr Nervenzellen als bei allen anderen auf dem Land lebenden Säugetieren, erläutern sie in einem Aufsatz in der Fachzeitschrift „Science Advances“. Afrikanische Elefanten wiesen zudem besonders markante Nervenzellhäufungen für die Kontrolle der Rüssel-„Finger“ auf.
Die Zahl der Ranger und Mitarbeitenden in Schutzgebieten muss um das Fünffache erhöht werden, um 30% der naturnahen Gebiete der Erde wirksam zu schützen
Auf der kommenden „Conference of the Parties“ im kanadischen Montréal werden neue Zielsetzungen für den Naturschutz beschlossen. Um die Gesundheit allen Lebens auf der Erde zu sichern, ist jedoch mehr und besser ausgestattetes Personal in Schutzgebieten dringend nötig, wie eine neue wissenschaftliche Arbeit zeigt, die heute in der Fachzeitschrift "Nature Sustainability" veröffentlicht wurde. Darin argumentiert ein internationales Wissenschaftsteam – darunter zwei Mitglieder des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) –, dass es nicht genug Ranger und anderes Personal gibt, um selbst die derzeitigen Schutzgebiete auf der Welt angemessen zu betreuen. Die Autor:innen fordern Regierungen, Geldgeber, private Landbesitzer und Nichtregierungsorganisationen auf, die Zahl des Personals um das Fünffache zu erhöhen, um die globalen Ziele zur Erhaltung der biologischen Vielfalt zu erreichen.
Koexistenz ist möglich: Das Weiden von Vieh tagsüber hat keine negativen Auswirkungen auf Tüpfelhyänen im Ngorongoro-Krater in Tansania
Wenn Hirten ihre Rinder tagsüber auf ausgetretenen Pfaden durch die Territorien von Tüpfelhyänenclans treiben, verringert dies weder die Fortpflanzungsleistung noch erhöht es die physiologische Belastung („Stress“) der Hyänen. Dies ist das Ergebnis einer neuen wissenschaftlichen Untersuchung des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) und der Ngorongoro Conservation Area Authority (NCAA). Das Wissenschaftsteam analysierte 24 Jahre demografischer und physiologischer Daten von acht Clans, von denen zwei den Aktivitäten der Viehhirten ausgesetzt waren. Die Weideaktivitäten waren vorhersehbar, fanden tagsüber statt und störten keine wichtigen Verhaltensweisen der vorwiegend dämmerungs- und nachtaktiven Hyänen. Die Arbeit ist „open access“ in der Fachzeitschrift „Journal of Animal Ecology“ veröffentlicht.
Zusammensetzung des Genoms der gemeinsamen Vorfahren aller Säugetiere ist enthüllt
Ein internationales Team hat die Genom-Zusammensetzung des frühesten gemeinsamen Vorfahren aller Säugetiere rekonstruiert. Das rekonstruierte Vorfahren-Genom kann zum Verständnis der Evolution der Säugetiere und zum Erhalt der heutigen Wildtiere beitragen. Der früheste Vorfahre der Säugetiere sah wahrscheinlich aus wie das fossile Tier „Morganucodon“, das vor etwa 200 Millionen Jahren lebte. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift „Proceedings of the National Academy of Sciences“ veröffentlicht.
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Heute gestartetes Konsortium „Biodiversity Genomics Europe“ (BGE) begegnet der globalen Biodiversitätskrise
Die Bewältigung der globalen Biodiversitätskrise erfordert wissenschaftsgeleitetes, kooperatives Handeln von Akteuren auf unterschiedlichen gesellschaftlichen Ebenen. Einen Beitrag dazu will ein heute gestartetes pan-europäisches Projekt leisten, in dem Spezialist:innen für Genomik in bisher nicht dagewesener Breite und Tiefe das Erbgut des Lebens in Europa und auf der ganzen Welt analysieren. Dies werde die Wissenschaft und Politik im Bereich des Natur- und Artenschutzes grundlegend verändern – mit Auswirkungen, die mit denen des Humangenomprojekts in der Medizin vergleichbar sein dürften. Das Konsortium „Biodiversity Genomics Europe“ (BGE) arbeitet eng vernetzt mit dem Europäischen Referenz-Genom-Atlas (ERGA), einer wissenschaftlichen Gemeinschaft von Expert:innen für Genomsequenzierung, die die Erstellung von Referenzgenomen für alle vielzelligen (eukaryontischen) europäischen Arten koordiniert.
Hilfsbereitschaft bei gruppenlebenden Tieren hängt von den Familienbanden ab – und diese ändern sich mit dem Alter
Die Bereitschaft, Artgenossen zu helfen, unterscheidet sich von Tierart zu Tierart – und auch zwischen Männchen und Weibchen. Ein internationales Team von Wissenschaftler:innen unter Beteiligung des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) zeigte nun für sieben gruppenlebende Tierarten, dass sich der Verwandtschaftsgrad eines Tieres zu den anderen Gruppenmitgliedern im Laufe seines Lebens verändern kann und diese Veränderung systematischen Mustern folgt – bei Tüpfelhyänenweibchen sinkt er beispielsweise im Laufe des Lebens, während er bei deren Männchen steigt. Diese „Verwandtschaftsdynamik“ hat einen großen Einfluss auf den Anreiz, anderen Gruppenmitgliedern zu helfen. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift „Nature Ecology & Evolution“ erschienen und tragen zu einem besseren Verständnis von sozialem Verhalten und der Entstehung unterschiedlicher Sozialsysteme bei.
Trotz häufiger Sichtungen: Die Lebensräume von Eichhörnchen in Berlin sind klein und fragmentiert
Eichhörnchen gehören zu den in Großstädten wie Berlin am häufigsten gesichteten Wildtieren. Die Verteilung ihrer Lebensräume gleicht jedoch eher einem Flickenteppich, fand ein Wissenschaftsteam unter Leitung des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) mit Hilfe von Computermodellen und Eichhörnchen-Sichtungen von Bürgerwissenschaftler:innen heraus. Die Modelle führen die Sichtungen mit verschiedenen Umweltparametern zusammen und sind so ein wichtiges Instrument für die Stadtplanung, da sie Gegenden identifizieren, in denen Korridore zur Verbindung fragmentierter Lebensräume fehlen. Die Arbeit ist in der Fachzeitschrift „Frontiers in Ecology and Evolution“ erschienen. In einem darauf aufbauenden Projekt will das Team nun Wissenslücken zu Überlebenschancen, Ausbreitungspotential, Ernährung und Gesundheit der Berliner Eichhörnchen füllen.
Jungfernflug im Tierpark Berlin: Neuartige Tiersender mit Kamera und KI sind Frühwarnsystem für Umweltveränderungen
Wie kann ein Geier im Berliner Tierpark seinen Artgenossen und deren Lebensräumen in Namibia helfen? Als Modell und Pate für eine neue Generation von Tiersendern: Im Tierpark Berlin feierte heute der Prototyp eines von Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) und Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen (Fraunhofer IIS) entwickelten innovativen Tiersender-Systems seinen Jungfernflug auf einem Geier. Die Sender werden über sensornahe Künstliche Intelligenz (KI), eine Kamera, energieeffiziente Elektronik und satellitengestützte Kommunikationstechnik verfügen, was völlig neue Einblicke in die Welt der Tiere und ihre Lebensräume ermöglicht: Sie erkennen und übermitteln Tierverhalten in Echtzeit und sind damit ein Frühwarnsystem für ökologische Veränderungen.
