Häufung von Floh-Fällen in Berlin: Welche Rolle Füchse bei der Verbreitung spielen und wie sie zur Eindämmung beitragen können
In Berlin wurden in letzter Zeit mehrere Fälle von Flohbefall gemeldet, bei denen ein Zusammenhang mit Fuchsbauen vermutet wird. Einige Floharten können sowohl Wildtiere wie den Rotfuchs als auch Menschen befallen. In Gebieten, in denen Füchse ihre Baue anlegen, kann es unter Umständen zu einer Übertragung auf den Menschen kommen. In Abstimmung mit der Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt und dem Senckenberg Deutschen Entomologischen Institut (SDEI) wurde am Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) eine Taskforce eingerichtet, um die Verbreitung der Flöhe von Wildtieren auf Menschen besser zu verstehen und tier- und artenschutzgerechte Strategien zur Eindämmung zu entwickeln. Sie erstellt Infoblätter und steht zuständigen Stellen und Privatpersonen beratend zur Seite.
Die Taskforce besteht aus Biolog:innen, Wildtierärzt:innen und Berater:innen des Leibniz-IZW und arbeitet eng mit der Berliner Senatsverwaltung zusammen. Ziel ist es, Informationslücken zu schließen und eine Strategie zur Eindämmung der Flohfälle zu entwickeln, die im Einklang mit Tier- und Artenschutz steht. Ein Informationsblatt für Berliner Bürgerinnen und Bürger kann hier heruntergeladen werden.
Was können betroffene Berlinerinnen und Berliner tun?
Betroffene können ihren Fall von Montag bis Freitag zwischen 10 und 12 Uhr über das Beratungstelefon unter 030/5168686 melden. Außerhalb der telefonischen Sprechzeiten können Anliegen auch per E-Mail an fuchs-floh@izw-berlin.de gemeldet werden. Für jeden gemeldeten Fall werden genaue Angaben dazu benötigt, wann und wo der Flohbefall festgestellt wurde und ob ein Zusammenhang mit einem Fuchsbau vermutet wird. Da noch zu wenig über die verschiedenen Arten von Flöhen, deren Verbreitung in Berlin sowie mögliche Übertragungs-Zusammenhänge mit Fuchsbauen und regionalen Häufungsschwerpunkten bekannt ist, ist es eine große Hilfe, wenn bei Flohbefall einige Exemplare zur Bestimmung an das SDEI eingeschickt werden. Eine Anleitung und die Adresse dafür findet sich auf dem Infoblatt.
Die Taskforce am Leibniz-IZW sammelt systematisch Informationen zu den Fällen und beantwortet an dieser Stelle häufig gestellte Fragen. Die Fragen und Antworten werden fortlaufend aktualisiert.
Letzte Aktualisierung: 7. August 2025
Es sind bislang mindestens sieben Fälle von starkem Flohbefall in der Umgebung von Fuchsbauen in verschiedenen Berliner Bezirken bekannt geworden. Diese Fälle konzentrieren sich bislang auf den Westen und Südwesten der Stadt sowie auf Berlin-Mitte, es kann aber nicht ausgeschlossen werden, dass dieses Problem auch in anderen Stadtteilen besteht. In allen Fällen, in denen die Flöhe dabei am SDEI zur untersucht wurden, wurde Pulex irritans als Flohart festgestellt. Das Leibniz-IZW erarbeitet gemeinsam mit der Berliner Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt Strategien zur Eindämmung.
Pulex irritans war über Jahrhunderte der häufigste Floh beim Menschen, weshalb er mit volkstümlichen Namen wie „Menschenfloh“ oder „human flea“ belegt wurde. Der Mensch fungierte nicht nur als Blutspender, sondern bot insbesondere den Entwicklungsstadien des Flohs geeignete Lebensbedingungen, so dass er sich in der Umgebung des Menschen auch vermehren konnte. Flohlarven fanden beispielsweise in Dielenritzen einen optimalen Nährboden. Da Pulex irritans aufgrund der verbesserten Wohnverhältnisse (versiegelte Fußböden, Staubsauger, Zentralheizung etc.) die Lebensgrundlage beim Menschen weitgehend entzogen worden ist, spielt er heutzutage im Zusammenhang mit Flohplagen nur noch eine untergeordnete Rolle. Ausgestorben ist der „Menschenfloh“, wie häufig kolportiert wird, jedoch nicht, denn wie alle anderen den Menschen befallende Flöhe ist auch Pulex irritans in seinem Ursprung ein Tierfloh. Sein natürliches Reservoir bilden in Deutschland Rotfüchse, Dachse und Wölfe.
Flöhe haben bevorzugte Wirte, befallen aber bei Gelegenheit auch andere Tierarten. Es ist bekannt, dass Pulex irritans auch Hauskatzen, Hunde oder Füchse befallen und sich auch auf diesen Wirten fortpflanzen kann. Einzelne Flöhe können auch auf einem Zufallswirt überleben – sich aber nur auf einem Haupt- oder Nebenwirt fortpflanzen. Die Bedingungen (Temperatur/Feuchtigkeit) in den Nestern der Wirtstiere sind entscheidend, ob die Larven sich dort entwickeln können oder nicht. Flöhe werden deshalb auch als Nestparasiten bezeichnet.
In Berlin leben viele Füchse nahe am Menschen, z.B. neben Schulhöfen oder in Parks und Gärten, was den Übersprung der Flöhe leicht ermöglicht. Die Anwesenheit von Wildtieren wie dem Fuchs kann die Ausbreitung der Flöhe zwar befördern, gleichzeitig kann der Befall durch eine tiermedizinische Behandlung der Füchse mit Anti-Flohmitteln eingedämmt werden. Deren gezielter Einsatz wird am Leibniz-IZW anhand konkreter Anwendungsfälle fachgerecht erprobt.
Grundsätzlich gibt es zwei Wege der Verabreichung von Anti-Flohmitteln, entweder per Injektion oder über Futterköder. Da es praktisch kaum möglich ist, Wildtiere stressfrei einzufangen und zu behandeln, empfiehlt sich der Einsatz spezieller Futterköder. Nach Verzehr ist der Fuchs je nach Präparat mehrere Monate lang geschützt, da alle Flöhe, die ihn stechen, binnen kurzer Zeit sterben. Damit ist nicht nur dem Tier selbst geholfen, sondern auch die Flohausbreitung unterbrochen. Der gezielte Einsatz dieser Köder bei Füchsen wird derzeit am Leibniz-IZW wissenschaftlich begleitet.
Kurz gesagt: kaum Nutzen oder möglicherweise negative Effekte. Wird ein Fuchs vergrämt, besteht das Risiko, dass er vorhandene Flöhe in ein neues Gebiet mitnimmt, was die weitere Ausbreitung der Flöhe begünstigt und zur Vergrößerung des Problems beiträgt. Die am ursprünglichen Standort zurückbleibenden Flöhe hingegen suchen sich neue Wirte, etwa andere Wildtiere, Haustiere oder Menschen, was die lokale Befallsrate sogar noch erhöhen kann. Zudem können die Flöhe an diesem Ort nicht mehr durch eine Anti-Flohbehandlung des befallenen Fuchses bekämpft werden. Gleiches gilt für das Abschießen des Fuchses, welches sich ebenfalls kontraproduktiv auswirken kann, da auch diese Füchse nicht mehr bei der Flohbekämpfung unterstützen können, ihre freigewordenen Reviere aber von neuen, möglicherweise befallenen Füchsen wiederbesiedelt werden.
Betroffene können ihren Fall von Montag bis Freitag zwischen 10 und 12 Uhr über das Beratungstelefon unter 030/5168686 melden. Außerhalb der telefonischen Sprechzeiten können Anliegen auch per E-Mail an fuchs-floh@izw-berlin.de gemeldet werden. Für jeden gemeldeten Fall werden genaue Angaben dazu benötigt, wann und wo der Flohbefall festgestellt wurde und ob ein Zusammenhang mit einem Fuchsbau vermutet wird. Da noch zu wenig über die verschiedenen Arten von Flöhen, deren Verbreitung in Berlin sowie mögliche Übertragungs-Zusammenhänge mit Fuchsbauen und regionalen Häufungsschwerpunkten bekannt ist, ist es eine große Hilfe, wenn bei Flohbefall einige Exemplare zur Bestimmung an das SDEI eingeschickt werden. Eine Anleitung und die Adresse dafür findet sich auf dem Infoblatt.
Hunde und Katzen sind ebenfalls häufig Wirte von Flöhen und können unter anderem von Pulex irritans befallen werden. Haustiere sollten deshalb regelmäßig auf Flohbefall kontrolliert und gegebenenfalls mit zugelassenen Präparaten gegen Flöhe behandelt werden. Tritt ein Befall auf, der seinen vermuteten Ursprung zum Beispiel im eigenen Garten oder in der näheren Umgebung hat, empfiehlt es sich, den Freigang der Haustiere zeitweise einzuschränken.
Füchse können wie alle Wildtiere Parasiten wie Flöhe, Milben oder Bandwürmer übertragen. Derzeit gibt es keinen Nachweis des Fuchsbandwurms in Berlin. Dennoch ist es wichtig, Haustiere regelmäßig zu entwurmen und auf Parasiten zu kontrollieren. Direkten Kontakt mit Fuchsbauen oder Kot von Wildtieren sollten Menschen und Haustiere generell vermeiden. Offene Nahrungsquellen locken Wildtiere wie Füchse an, dadurch verlieren sie ihre natürliche Scheu und halten sich häufiger in Wohngebieten auf. Essensreste und Biomüll sollten daher stets sicher verwahrt werden, beispielsweise in geschlossenen Mülleimern oder gesicherten Komposthaufen. Das Füttern von Wildtieren gewöhnt diese an die Nähe zum Menschen und sollte daher grundsätzlich unterbleiben! Es erhöht das Konfliktrisiko und fördert schlussendlich das Risiko für die Übertragung von Krankheitserregern oder Parasiten.
Von März bis Juni bekommen Füchse Nachwuchs und ziehen ihn auf. Fuchsbaue, die Wurf- und Aufzuchtstätten für den Fuchsnachwuchs, sind in dieser Zeit rechtlich besonders geschützt. Um eine Ansiedlung von Füchsen in direkter Menschennähe zu vermeiden, können zur Vorbeugung potenzielle Bauplätze wie Hohlräume unter Schuppen oder Terrassen bereits vor der Reproduktionszeit baulich gesichert werden. In Gebieten, in denen Füchse regelmäßig gesichtet werden und Fuchsbaue bekannt sind, kann eine Absperrung der Fläche rund um den Bau dabei helfen, eine potenzielle Übertragung von Flöhen auf Menschen zu vermeiden.
Nicht zuletzt ist es im Rahmen der Stadtentwicklung wichtig, für ein gutes Zusammenleben von Menschen und Wildtieren wie dem Fuchs naturnahe Rückzugsräume zu erhalten, zum Beispiel Brachen, Hecken oder Böschungen.
Kontakt für Presseanfragen
Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW)
im Forschungsverbund Berlin e.V.
Alfred-Kowalke-Str. 17, 10315 Berlin, Deutschland
Silke Voigt-Heucke
Koordinatorin der Taskforce Fuchs & Floh im Leibniz-IZW
E-Mail: voigt-heucke@izw-berlin.de
Jan Zwilling
Wissenschaftskommunikation
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