Das Leibniz-IZW ist ein international anerkanntes Forschungsinstitut. Es gehört zum Forschungsverbund Berlin e.V. und ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Unser Ziel ist es, die Anpassungsfähigkeit von Wildtieren im Kontext des globalen Wandels zu verstehen und zum Erhalt von gesunden Wildtierbeständen beizutragen. Dafür erforschen wir die Vielfalt von Lebenslauf-Strategien, die Mechanismen der evolutionären Anpassungen und ihre Grenzen – inklusive Wildtierkrankheiten – sowie die Wechselbeziehungen zwischen Wildtieren, ihrer Umwelt und dem Menschen. Wir setzen Expertise aus Biologie und Veterinärmedizin in einem interdisziplinären Ansatz ein, um Grundlagen- und angewandte Forschung – von der molekularen bis zur landschaftlichen Ebene – in engem Austausch mit Stakeholdern und der Öffentlichkeit durchzuführen. Darüber hinaus stellen wir einzigartige und hochwertige Dienstleistungen für die Wissenschaftsgemeinschaft bereit.

Aktuelle Informationen zur Afrikanischen Schweinepest in Deutschland: Das Leibniz-IZW führt Forschungen zur Populationsdynamik, zur Modellierung von Krankheitsausbrüchen bei Wildschweinen sowie zur Ökologie und Mensch-Tier-Interaktion in urbanen Räumen durch. Die Afrikanische Schweinepest ist eine anzeigepflichtige Krankheit bei Nutztieren und daher sind für alle Fragen zum akuten Infektionsgeschehen die jeweiligen Landeslabore und das Friedrich-Loeffler-Institut (Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit) FLI zuständig.

Aktuelles

Zebras an einer Wasserstelle in Ostafrika (Foto: Peter Seeber)
Zebras an einer Wasserstelle in Ostafrika (Foto: Peter Seeber)

Wasser kann Säugetierviren übertragen

Wasser ist Voraussetzung für alles Leben, aber seine Verfügbarkeit kann begrenzt sein. In Gebieten, in denen saisonale Trockenzeiten vorkommen, versammeln sich die Tiere in der Nähe der wenigen Süßwasserstellen und erreichen dort oft große Dichten. An diesen Orten treffen sich viele Tiere verschiedener Arten um zu trinken – sie könnten also eine Art Schlüsselstelle für die Übertragung von Krankheitserregern innerhalb und zwischen den Arten sein. Ein internationales Wissenschaftsteam unter der Leitung des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) vermutete, dass Viren die wenigen Süßwasserstellen als Übertragungsweg nutzen können, um sich zwischen Tieren zu verbreiten. Die Idee setzt voraus, dass Tierviren im Wasser stabil sind und infektiös bleiben. Das Team testete diese Voraussetzung, indem es Wasserlöcher in Ökosystemen Afrikas und der Mongolei mit ausgeprägten Trockenzeiten beprobte und dann versuchte, ausgesuchte Tierviren in diesem Wasser zu züchten. Die wissenschaftlichen Ergebnisse bestätigen, dass dies tatsächlich funktionierte und wurden in der Fachzeitschrift „Science of the Total Environment" veröffentlicht.

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BioRescue Team at work, Leibniz-IZW
BioRescue Team at work, Leibniz-IZW

Covid-19 vs. Naturschutz – Herausforderungen im BioRescue-Rettungsprogramm zum Erhalt des Nördlichen Breitmaulnashorns in einer globalen Pandemie

Die COVID-19-Pandemie - verursacht durch das neue Coronavirus SARS-CoV-2 - hat das Leben jedes Menschen auf dem Planeten verändert und wirtschaftliche, kulturelle, soziale und politische Prozesse beeinflusst. Forschung und Naturschutz sind von diesen negativen Auswirkungen nicht ausgenommen. Derzeit werden die positiven Folgen einer "Anthropause" auf die Umwelt kontrovers diskutiert. Das durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte  BioRescue-Forschungsprogramm zur Rettung des Nördlichen Breitmaulnashorns, ist ein Beispiel für die Herausforderungen, die bei der Durchführung von Forschung und Naturschutz in einem internationalen Konsortium in Zeiten einer globalen Pandemie zu bewältigen sind. COVID-19 behinderte die Kommunikation und Reisen, verhinderte oder verzögerte entscheidende Verfahren, verursachte Einnahmeverluste und senkte damit möglicherweise die Chancen auf ein Überleben des Nördlichen Breitmaulnashorns. Dennoch hat das Konsortium in diesen schwierigen Zeiten Strategien angepasst und wertvolle Erkenntnisse gewonnen und konnte seine Mission vorantreiben. Die Auswirkungen der Pandemie auf das BioRescue-Projekt wurden jetzt im  wissenschaftlichen "Journal of Applied Animal Ethics Research" veröffentlicht.

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Fledermaus, Großes Mausohr, Foto: M Fritze, Leibniz-IZW
Fledermaus, Großes Mausohr, Foto: M Fritze, Leibniz-IZW

Warum europäische Fledermäuse das White-Nose-Syndrom überleben, während Millionen nordamerikanischer Fledermäuse daran sterben

Pilzkrankheiten stellen eine große Bedrohung für Tiere dar, da sie nachgewiesenermaßen bereits zu signifikanten Bestandsrückgängen oder zum Aussterben von Arten führten. Das „White-Nose-Syndrom“, ausgelöst vom kälteliebenden Pilz Pseudogymnoascus destructans, ist in Nordamerika eine wesentliche Todesursache bei winterschlafenden Fledermäusen. Europäische Fledermäuse hingegen überleben eine Infektion mit diesem Pilz. Um die Ursachen für diese Unterschiede zu finden, hat ein Wissenschaftlerteam unter der Leitung des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) die Immunabwehr von europäischen Mausohrfledermäusen auf den Pilz analysiert: Im Gegensatz zu nordamerikanischen Verwandten weisen diese eine ausreichende Basisimmunität auf und tolerieren die Pilzinfektionen während des Winterschlafs bis zu einem gewissen Maße. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift „Developmental & Comparative Immunology“ publiziert.

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Freshly isolated African lion oocytes, Foto: J. Zahmel
Freshly isolated African lion oocytes, Foto: J. Zahmel

Die ersten Löwen-Embryonen aus eingefrorenen Eizellen

Einem Team aus Wissenschaftler*innen des Berliner Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) und der Universität Mailand, Italien, in Kooperation mit dem Givskud Zoo - Zootopia in Dänemark ist es gelungen, die ersten Embryonen von afrikanischen Löwen aus eingefrorenen (vitrifizierten) Eizellen zu produzieren. Für die Vitrifizierung – eine spezielle Methode der Gefrierkonservierung – werden die Eizellen eines Tieres direkt nach dessen Kastration oder Tod entnommen und sofort bei -196°C in flüssigem Stickstoff eingefroren. Diese Technik ermöglicht es, Eizellen von genetisch wertvollen Tieren für unbegrenzte Zeit zu lagern, um Nachkommen mit Hilfe assistierter Reproduktionstechniken zu erzeugen. Ziel ist es, diese Methoden weiter zu verbessern und anzuwenden, um stark gefährdete Katzenarten wie den asiatischen Löwen vor dem Aussterben zu bewahren. Die aktuelle wissenschaftliche Arbeit über afrikanische Löwen als Modellart ist ein wichtiger Schritt in diese Richtung. Die Ergebnisse sind in der wissenschaftlichen Zeitschrift „Cryobiology“ veröffentlicht.

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Igelmonitoring des Leibniz-IZW im Treptower Park in Berlin (Foto: Anne Berger)
Igelmonitoring des Leibniz-IZW im Treptower Park in Berlin (Foto: Anne Berger)

Die Berliner Mischung: Igel bilden keine genetisch isolierten Bestände in der Hauptstadt

Igel leben sowohl auf dem Lande als auch innerhalb größerer Städte. Da insbesondere in ländlichen Regionen die Bestände kontinuierlich abnehmen, sind die Mehrzahl der Igel mittlerweile Stadtbewohner. Um diese Bestände effizient zu schützen, müssen die Anpassungsstrategien (und deren Grenzen) dieser Kleinsäuger an menschlich dominierte Lebensräume besser verstanden werden. Die von Dr. Anne Berger vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) mit herausgegebene Spezialausgabe zur angewandten Naturschutzforschung bei Igeln („applied hedgehog conservation research“) der Fachzeitschrift „Animals“ schließt einen Teil dieser Forschungslücke. Ein darin publiziertes neues Forschungsergebnis: Trotz erheblicher Barrieren im Stadtbild wie Straßen oder Gewässer schaffen es die wenig mobilen Igel, in Berlin eine gemeinsame genetische Population zu erhalten. Für den Genfluss und damit für die Widerstandsfähigkeit der lokalen Igelbestände seien sowohl Grünkorridore als auch Translokationen durch den Menschen verantwortlich, so das Fazit.

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Das BioRescue-Team bei der Eizellenentnahme im Dezember 2020 (Foto: Rio the photographer)
Das BioRescue-Team bei der Eizellenentnahme im Dezember 2020 (Foto: Rio the photographer)

Happy End eines herausfordernden Jahres: Zwei neue Nördliche Breitmaulnashorn-Embryos über Weihnachten erzeugt

Wissenschaftler*innen und Naturschützer*innen des internationalen BioRescue-Konsortium arbeiten mit Hochdruck daran, das vom Aussterben bedrohte Nördliche Breitmaulnashorns durch fortschrittliche Technologien der assistierten Reproduktion zu retten. Im Dezember 2020 konnte das Konsortium zwei neue Nördliche Breitmaulnashorn-Embryos erzeugen. Am 13. Dezember führte das Team des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW), des Safari Parks Dvůr Králové, des Kenya Wildlife Service und der Ol Pejeta Conservancy erfolgreich eine Eizellentnahme in Kenia durch. Nach dem sofortigen Transport der entnommenen Eizellen nach Italien erzeugten die Wissenschaftler*innen zwei Embryos im Avantea-Labor in Cremona. Dafür ließen sie die Eizellen reifen und befruchteten sie mit Spermien des bereits verstorbenen Nashornbullen Suni. Die Embryos wurden am Weihnachtsabend im Entwicklungsstadium einer Blastozyste (Embryo) bei minus 196 Grad Celsius gefrierkonserviert. Damit erhöht sich die Gesamtzahl der bisher lebensfähigen Embryos auf fünf. Dies nährt die Hoffnung, dass trotz der Herausforderungen und Verzögerungen, die die COVID-19-Pandemie auch für das BioRescue-Konsortium im Jahr 2020 mit sich brachte, das Nördliche Breitmaulnashorn noch gerettet werden kann. Die nächste Phase der ambitionierten Rettungsmission ist bereits eingeleitet.

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Hyänengruppe bei Grenzkonflikt, Foto: Oliver Höner/Leibniz-IZW
Hyänengruppe bei Grenzkonflikt, Foto: Oliver Höner/Leibniz-IZW

Hochrangige Männchen haben bei Hyänenweibchen bessere Chancen, weil sie weniger "gestresst" sind als rangniedrige Männchen

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) haben herausgefunden, dass die Interaktion mit anderen Männchen für rangniedrige Tüpfelhyänenmännchen "stressiger" ist als für hochrangige. Dies schränkt die Zeit und Energie ein, die rangniedrige Männchen in das Werben um die begehrtesten Weibchen investieren können und ist daher ein Schlüsselfaktor für ihren geringeren Fortpflanzungserfolg als der ihrer ranghohen Rivalen. Dieser Mechanismus scheint für die Anzahl und Qualität der Nachkommen wichtiger zu sein als körperliche Merkmale wie Attraktivität und Stärke. Diese Erkenntnisse waren dank einer Kombination aus umfangreicher Feld- und Laborarbeit möglich – über 20 Jahre lang verfolgten die Forscher den Lebenslauf Hunderter von Hyänen im Ngorongoro-Krater im Norden Tansanias, beobachteten ihr Verhalten und maßen die Konzentration von Glukokortikoid-Stoffwechselprodukten in mehr als 400 Kotproben. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift "Functional Ecology" veröffentlicht.

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Orang-Utang, Foto: Rhino and Forest Fund e.V.
Orang-Utang, Foto: Rhino and Forest Fund e.V.

Freie Bahn für wilde Tiere: Weiterer Meilenstein für Wildtierkorridor in Borneo durch Umwandlung von Ölpalmenplantagen in Regenwald

Vor einem Jahr startete die Kooperation vom Rhino and Forest Fund (RFF) – einer Ausgründung des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) – und dem Borneo Orangutan Survival (BOS) Deutschland e.V. Ziel der Zusammenarbeit ist die Umwandlung von Ölpalmenplantagen in neuen Regenwald, der als Wildtierkorridor zwischen den zwei Schutzgebieten Tabin und Kulamba dienen soll. Innerhalb von drei Jahren haben der RFF und weitere Partner mit beratender Unterstützung des Leibniz-IZW 65 Hektar Schlüsselgebiete (Wald- und Plantagenflächen) auf Borneo in Malaysia erworben. 

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Gepard in Namibia (Foto: J. Zwilling/Leibniz-IZW)
Gepard in Namibia (Foto: J. Zwilling/Leibniz-IZW)

Kommunikations-Hotspots von Geparden sind der Schlüssel für die Lösung des Farmer-Geparden-Konflikts in Namibia

Zentralnamibia ist einer der wichtigsten Rückzugsorte der weltweit abnehmenden Bestände des Gepards. Hier leben die Geparde nicht in Schutzgebieten, sondern auf den Ländereien von Rinderfarmern. Ein dauerhafter Konflikt bedroht daher die Bestände der gefährdeten Katzenart: Geparde reißen gelegentlich Kälber und sind daher auf den Farmen nicht immer gern gesehen. Neue Ergebnisse eines Langzeit-Forschungsprojekts des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) eröffnen nun eine tragfähige Lösung: In den Kerngebieten der Territorien männlicher Geparde treffen sich alle Geparde der Region häufig zum Austausch von Informationen. In diesen "Kommunikations-Hotspots" sind die Raubkatzen erheblich häufiger anzutreffen als in den weiten Gebieten zwischen den Hotspots, sie sind daher Zentren der Gepardenaktivität. Halten die Viehwirte ihre Zuchtherden mit jungen Kälbern von den Kommunikations-Hotspots fern, können sie Kälberverluste um mehr als 80 Prozent reduzieren. Diese Erkenntnisse sind das Ergebnis einer engen und vertrauensvollen Zusammenarbeit zwischen Wissenschaftler*innen des Leibniz-IZW und Farmern in Zentralnamibia. Sie sind in der Fachzeitschrift "Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America" veröffentlicht.

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Leibniz-Auszubildendenpreise gehen nach Berlin und Kiel

Die Leibniz-Gemeinschaft hat ihren Auszubildenden-Preis 2020 an eine Kauffrau für Büromanagement und einen Fachangestellten für Markt- und Sozialforschung aus Berlin sowie an eine Buchbinderin aus Kiel verliehen. Prämiert wurden Auszubildende, die neben sehr guten fachlichen Leistungen ein überdurchschnittliches Engagement über die Ausbildung hinaus zeigten.

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