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Aktuelle Pressemitteilungen

Dr. Frank Göritz im Einsatz für das BioRescue-Projekt zur Rettung des Nördlichen Breitmaulnashorns (Foto: IZW)
Dr. Frank Göritz im Einsatz für das BioRescue-Projekt zur Rettung des Nördlichen Breitmaulnashorns (Foto: IZW)

Ein effektives, wissenschaftsbasiertes Natur- und Wildtiermanagement ist der Schlüssel, um dem dramatischen Verlust der biologischen Vielfalt im „Anthropozän“ entgegenzuwirken. Dies betonen der Direktor, der leitende Tierarzt sowie die Tierschutzbeauftragte des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW). Bedrohte Wildtierarten sich selbst zu überlassen führe nachweislich nicht zum Überleben einer bedrohten Tierart, wie das Beispiel des Sumatra-Nashorns und anderer Nashornarten zeigt, und ermögliche auch keine friedliche Koexistenz von Mensch und Tier. Dies werde am Beispiel des Farmer-Geparden-Konflikts in Namibia deutlich. Ohne einen aktiven Umgang mit Wildtieren sind Wildtierforschung, Wildtierrettung und -pflege, Wildtierschutz und die Lösung von Mensch-Tier-Konflikten nicht möglich, schließen die Expert:innen. Oftmals sind es gerade die großen Säugetiere, die in Konflikte involviert sind.

Junger Seeadler im elterlichen Horst (Foto: Marc Engler)
Junger Seeadler im elterlichen Horst (Foto: Marc Engler)

Seeadler reagieren sensibel auf Störungen durch den Menschen, weshalb in unmittelbarer Umgebung der Horste forst- und landwirtschaftliche Nutzungen beschränkt sind. Diese saisonalen Schutzzeiträume sind in Brandenburg (bis 31. August) und in Mecklenburg-Vorpommern (bis 31. Juli) jedoch zu kurz, wie eine neue wissenschaftliche Untersuchung des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) zeigt. Mittels detaillierten Bewegungsdaten von 24 juvenilen Seeadlern mit GPS-Sendern konnten sie nachvollziehen, wann diese flügge werden und wann sie das elterliche Revier verlassen: im Durchschnitt gut 10 beziehungsweise 23 Wochen nach dem Schlüpfen. Wenn Forstarbeiten wieder erlaubt sind, befindet sich ein Großteil der Jungvögel noch in der Nähe der Horste. In einer Publikation in der Fachzeitschrift „IBIS - International Journal of Avian Science“ empfehlen die Wissenschaftler daher eine Verlängerung der Schutzzeiträume um einen Monat.

Gelbkörper bei der Hauskatze (Abbildung: Leibniz-IZW)
Gelbkörper bei der Hauskatze (Abbildung: Leibniz-IZW)

Ein Großteil der existierenden 39 Katzenarten ist in ihren Beständen bedroht. Für eine erfolgreiche Reproduktion unter Zuchtbedingungen mangelt es häufig an Wissen und geeigneten Techniken. Einem Team des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) ist es nun gelungen, die Wirksamkeit von fortpflanzungsrelevanten Hormonen in Zellkulturen von Hauskatzen zu testen und die gewonnenen Erkenntnisse auf wildlebende Katzenarten zu übertragen. Dies ist ein weiterer Meilenstein in der Erforschung der Reproduktionsmechanismen wildlebender Katzenarten. Die Ergebnisse der Untersuchungen wurden in den Fachzeitschriften „Biology of Reproduction“ und „Animals“ veröffentlicht und werden zur Verbesserung assistierter Reproduktionsverfahren beitragen.

Annamitisches Streifenkaninchen im Bidoup-Nui-Ba-Nationalpark in Vietnam (Foto: Leibniz-IZW, SIE, BNB NP, GWC)
Annamitisches Streifenkaninchen im Bidoup-Nui-Ba-Nationalpark in Vietnam (Foto: Leibniz-IZW, SIE, BNB NP, GWC)

Das Annamitische Streifenkaninchen (Nesolagus timminsi) ist ein nur in Vietnam und Laos einheimisches Nagetier feuchter, immergrüner Wälder. Die nachtaktiven Einzelgänger wurden erst in den 1990er Jahren wissenschaftlich beschrieben, die Wissenslücken über Ökologie und Verbreitung sind erheblich. Wissenschaftler*innen des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) in Deutschland und des Southern Institute of Ecology (SIE) in Vietnam melden nun erste Nachweise der Art im Bidoup-Nui-Ba-Nationalpark im südlichen Troung-Son-Gebirge in Vietnam. Dies ist eine enorme Erweiterung des bisher bekannten Verbreitungsgebietes, welches sich bisher auf das nördliche und zentrale Truong-Son-Gebirge beschränkte. Da das Annamitische Streifenkaninchen auf der Roten Liste der bedrohten Arten der IUCN als gefährdet eingestuft ist, sind die neuen Populationen von großem Wert für den Artenschutz. Die neuen Nachweise sind in der Fachzeitschrift "Mammalia" beschrieben.

Rauhautfledermaus (Pipistrellus nathusii). Foto: Oliver Lindecke
Rauhautfledermaus (Pipistrellus nathusii). Foto: Oliver Lindecke

Säugetiere sehen mit den Augen, hören mit den Ohren und riechen mit der Nase. Doch mit welchem Sinn oder Organ orientieren sie sich auf ihren Wanderungen, die mitunter weit über ihre lokalen Streifgebiete hinausführen und daher ein erweitertes Navigationsvermögen erfordern? Wissenschaftliche Versuche unter Leitung des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW), publiziert gemeinsam mit Prof. Richard A. Holland (Bangor University, UK) und Dr. Gunārs Pētersons (Latvia University of Life Sciences and Technologies, Lettland), zeigen nun: Die Hornhaut (Cornea) der Augen ist der Ort eines solchen Sinnes bei wandernden Fledermäusen. Betäubt man diese gezielt, ist der sonst zuverlässige Orientierungssinn gestört, während die visuelle Hell-Dunkel-Wahrnehmung unbeeinträchtigt blieb. Der Versuch nährt Vermutungen über eine Lokalisierung eines Magnetsinns bei Säugetieren. Der Aufsatz ist in der Fachzeitschrift „Communications Biology“ publiziert.

Eine schulbasierte wissenschaftliche Untersuchung in Italien, Österreich, Deutschland, Slowenien, Mauritius und Japan zeigt, dass junge Menschen zu wenig über die wechselseitige Krankheitsübertragung von Tieren auf Menschen (Zoonosen) und das integrative Management von gesundheitlichen Risiken (One-Health-Konzept) wissen. Die Ergebnisse der internationalen Untersuchung wurden in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift Frontiers in public health veröffentlicht.

 

Grüne Meeresschildkröte (By P.Lindgren - Own work, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=27611674)
Grüne Meeresschildkröte (By P.Lindgren - Own work, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=27611674)

In einem Spezialheft der führenden Fachzeitschrift „Nature“ und in begleitenden Artikeln, die zeitgleich in weiteren Fachzeitschriften veröffentlicht wurden, gab das Vertebrate Genomes Project (VGP) heute die vollständige und nahezu fehlerfreie Sequenzierung von 16 Wirbeltier-Referenzgenomen bekannt. Dieser Schritt zu einer neuen Qualität und Größenordnung in der Genomsequenzierung der biologischen Vielfalt – das größte Genom im Projekt umfasste 5 Gigabasen – wird neue Entdeckungen und Erkenntnisse aus der Vielfalt des Lebens ermöglichen. Ermöglicht wurde dies durch eine jahrzehntelange Zusammenarbeit von Wissenschaftler*innen aus aller Welt. Das Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) und das Berliner Zentrum für Genomik in der Biodiversitätsforschung (BeGenDiv) trugen zu dieser Gemeinschaftsleistung bei, indem sie zu der Entwicklung der entscheidenden bioinformatischen Auswertungswerkzeuge („Assemblierungspipeline“) beitrugen, drei Referenzgenome vom Zweifingerfaultier (Choloepus didactylus), dem Südlichen Nasenbär (Tamandua tetradactyla) und der Grünen Meeresschildkröte (Chelonia mydas) erstellten und an der Ausbildung von Bioinformatik-Studenten für die Erstellung von Referenzgenomen beteiligt waren. Weitere Publikationen, die auf diesen drei Genomen basieren, sind in Vorbereitung.